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Grevenbroich: Mehr Platz für Radler - weniger für Autos

Neugestaltung des Bahnhofsviertels in Grevenbroich : Bahnhofsviertel: Fahrräder bekommen mehr Platz

Im Frühjahr startet im Bahnhofsviertel der dritte Bauabschnitt im ISEK-Programm. Für 1,2 Millionen Euro werden die östliche Rheydter Straße und Nachbarstraßen neugestaltet. Parkplätze werden nach dem Umbau Mangelware sein.

Ein großes Bauprojekt steht 2021 im Bahnhofsviertel an – der dritte Bauabschnitt im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK). Dabei wird das Straßenviereck Rheydter Straße (bis Dechant-Schütz-Straße), die Straße Platz der Deutschen Einheit, die kleine Bahn- und die Dechant-Schütz-Straße neugestaltet. „Als Baubeginn peilen wir den 1. März 2021 an“, erklärt Stadtsprecher Stephan Renner.

Zuvor soll die mittlere Bahnstraße fertiggestellt werden. In der kommenden Woche beginnen die Asphaltierungsarbeiten zwischen der Alten Bergheimer Straße und der Erftbrücke. „Der gesamte Abschnitt könnte bis Februar fertig sein – unter der Voraussetzung, dass das Wetter mitspielt und keine Bauarbeiter in Quarantäne müssen“, sagt Renner. „Danach wollen wird direkt zum nächsten Bauabschnitt wechseln.“ Starten soll der Umbau auf der Rheydter Straße, bis Spätsommer oder Herbst sollen die vier Straßen ein neues Aussehen erhalten.

„Der Umbau ist ein wichtiges Element, um dem Bahnhofsviertel neuen Schub zu geben. Voll entfalten wird sich die Wirkung im Zusammenhang mit dem Engagement der Stadtentwicklungsgesellschaft dort und der Aufwertung des Bahnhofs im Rahmen des S-Bahn-Ausbaus“, sagt Renner. Die SEG hat mehrere Immobilien für eine Neuentwicklung erworben.

Zur Aufwertung des Quartiers gehört eine attraktive Verbindungsachse zwischen Bahnhof und City Die Aufenthaltsqualität soll gesteigert werden, Radler und Fußgänger sollen mehr Raum bekommen.

Die Rheydter Straße erhält eine 5,50 Meter, stellenweise 6,50 Meter breite Fahrbahn. Eine Verschwenkung soll zum Langsamfahren anhalten. Die Bürgersteige werden bis zu 2,70 Meter breit. Auf der südlichen Straßenseite entsteht ein Radweg für beide Richtungen. Neu gestaltet wird auch die kleine Bahnstraße: Bäume werden gepflanzt, ein Radweg (entgegen der Fahrtrichtung für Autos) wird angelegt. Neue Gehwege und anderes sind auch auf der Dechant-Schütz-Straße geplant.

Umstellen müssen sich Anwohner und Besucher bei der Verkehrsführung. Die geplante – testweise – Einführung einer Einbahnstraße auf der Rheydter Straße wird nicht realisiert. Ansonsten wird der Verkehr im Einbahnsystem über die Straße Platz der Deutschen Einheit, Bahn- und Dechant-Schütz-Straße geführt. Das bedeutet, dass auf der Bahnstraße die heutige Einbahnregelung „gedreht“ wird. Die Weiterfahrt von dort Richtung Bahnhof wird verboten, der Verkehr dorthin wird über die Orkener Straße geführt.

Parkraum wird besonders auf der Rheydter Straße zur Mangelware

„Ich bin froh, dass auf der Rheydter Straße die Erreichbarkeit der Geschäfte erhalten bleibt und die Einbahnstraße dort nicht kommt“, sagt Fred Leven vom Geschäft Leven Uhren, Schmuck und Augenoptik. „Nicht ganz begeistert bin ich über die künftige Parkplatzsituation.“ Nach dem Umbau bleibt im dritten Abschnitt von zurzeit 102 Stellplätzen gerade mal ein Drittel – nämlich 34 – übrig. Parkraum wird besonders auf der Rheydter Straße zur Mangelware: Von 25 Plätzen bleiben sechs. An der Dechant-Schütz-Straße fallen 16 von 23 Plätzen weg, an der Straße Platz der Deutschen Einheit fünf von acht. Auf der kleinen Bahnstraße mit derzeit 46 Plätzen werden nur noch 18 Plätze längs der Fahrbahn angelegt.

„Wer das Viertel kennt, weiß, dass man nachmittags schon jetzt keinen Parkplatz findet“, sagt Leven, „Ausreichender Parkraum ist für Händler das A und O. Wir brauchen Stellplätze als Ausgleich“, betont Leven, der für Mein Grevenbroich Mitglied im Stadtrat ist. „Die Wählergemeinschaft hat dafür Ideen, die aber noch nicht spruchreif sind.“

Stadtsprecher Renner sagt: „Es ist eine politisch gewollte Entscheidung im Rahmen von ISEK, den Raum für Autos zugunsten Radfahrern und Fußgängern zu verringern.“ Eine Folge des Parkraumschwunds wird wohl sein, dass Parker auf Nachbarstraßen ausweichen – oder ins eigentlich für Pendler vorgesehene Parkhaus am Bahnhof. Geschäftsmann Leven wünscht sich zügigen Baufortschritt und „Schilder, die auf die Geschäfte hier hinweisen“. Renner versichert: „Wir bemühen uns, die Belastung für Anlieger so gering wie möglich zu halten.“ Zeit-Vorteil: Kanäle wie auf der mittleren Bahnstraße müssen nicht erneuert werden.