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Grevenbroich: Kirstin Weissgerber will neue Nutzer für die Bücherei begeistern.

Lesekompetenz in Grevenbroich : Neue Chefin will mit der Stadtbücherei andere Wege gehen

Kirstin Weissgerber leitet jetzt die Stadtbücherei in Grevenbroich.

In einer idealen Bibliothekswelt gibt es einen Euro pro Einwohner pro Jahr, um neue Medien anzuschaffen. Grevenbroich spendiert seiner Stadtbücherei nicht einmal die Hälfte davon, der jährliche Medienetat liegt bei 24 000 Euro, wovon 7500 Euro als Gebühr an den Onleihe-Verbund abzugeben sind. Eine Aufstockung auf 30 000 Euro gilt als waghalsiger politischer Plan.

Auf drei Vollzeitstellen arbeiten vier bezahlte Mitarbeiter. Kaum eine andere Stadtbücherei ist anerkanntermaßen so effizient, aufgestellt wie die in Grevenbroich. Und ab März 2020 kommen Sonntagsöffnungszeiten, einmal pro Monat, hinzu, großzügig angeregt von CDU und FDP und zunächst als sechsmonatiger Versuch. Vor diesem Hintergrund präsentierte die Stadt am Donnerstag die neue Chefin des Wissensspeichers auf der Stadtparkinsel. Kirstin Weissgerber wirkte gut gelaunt, hat jede Menge Pläne, wie Kinder, Jugendliche und junge Familien für die Stadtbibliothek zu begeistern sind und freut sich auf die neue Aufgabe. Dazu passt der Titel einer uralten Schnurre von Johannes Mario Simmel: „Mich wundert, dass ich so fröhlich bin“.

„Ich war schon immer ein Lesekind“, sagt Kirstin Weissgerber, die der neuen Aufgabe wegen eigens nach Grevenbroich gezogen ist. Zuvor wirkte sie an den Stadtbibliotheken in Hagen und Ingelheim. Ihren vier Söhnen hat sie versucht, eins mitzugeben: Mit einem Buch beginnen die größten Abenteuer im eigenen Kopf – während man gemütlich auf der Couch sitzt.

Schüler kommen vorbei, um
das WLAN zu nutzen

Eins ist Weissgerber ziemlich klar: Sie wird es nicht dabei belassen können, sich täglich an der einmaligen Umgebung der Stadtbücherei zu erfreuen. Zur Sicherheit schärft es ihr der erste Beigeordnete Michael Heesch noch einmal ein: „Ihre Aufgabe ist es, Netzwerke aufzubauen. Denn die Bücherei kann Anstöße geben, ist aber auf Kooperationspartner angewiesen.“

Die will Kirstin Weissgeber bei den Kitas und Schulen suchen. Schon jetzt kämen oftmals Schüler vorbei, um das WLAN der Stadtbücherei zu nutzen, miteinander eine Gruppenarbeit zu erledigen oder – wie neulich – ein Transparent zu malen.

Der wuchtige Bronze-Schädel des alten Geheimrats Goethe ist gewissermaßen eine Erinnerung an altes Bildungsbürgertun. Anderswo hat die Digitalisierung längst zu 24-Stunden lang geöffneten Stadtbüchereien geführt, in denen moderne RFID-Antennentechnik eine Rückgabe im Self-Service möglich macht. „Damit gewännen wir Zeit, um unsere rund 2000 aktiven Kunden noch besser beraten zu können“, überlegt die Büchereileiterin. Doch das ist angesichts der prekären Haushaltslage erst einmal – ein Zukunftsroman.