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Grevenbroich: Gärtnerei hat jahrelang Plastikmüll auf dem Feld vergraben

Umwelt-Skandal in Grevenbroich : Grevenbroicher Gärtnerei hat jahrelang Plastikmüll vergraben

Auf Anordnung des Kreises musste das Unternehmen den Müll wieder ausgegraben und ordnungsgemäß entsorgen.

Plastikteile-Wirbel in den Weltmeeren, Diskussionen um Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen, das in die Umwelt gelangen kann – die Frage, was mit all dem Kunststoff in unserem Alltag geschieht, ist fast täglich Thema, die Sorgen nehmen zu. Das Umweltbewusstsein hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gravierend gewandelt – die früher häufig zu beobachtende Sorglosigkeit ist vorbei. Und manchmal kommen frühere Praktiken wieder ans Licht – wie jetzt in Frimmersdorf. Die Gärtnerei Peter Morschhoven hat über einen langen Zeitraum  Plastikmüll vergraben. Bürger bemerkten den Abtransport des alten Materials.

Beim Rhein-Kreis Neuss erklärt Kreissprecher Benjamin Josephs: „Eine Gärtnerei in Grevenbroich hat unzulässigerweise Plastikmüll, der im Betrieb angefallen ist, über einen längeren Zeitraum – vermutlich über Jahre – auf einem Feld auf dem Betriebsgelände im Boden vergraben.“ Der Kreis habe einen Hinweis aus der Bürgerschaft erhalten, das Kreisumweltamt prüfte den Vorfall. Die Menge des vergrabenen Materials sei unbekannt. „Plastikabfälle dürfen nur auf dafür zugelassenen Entsorgungsanlagen beseitigt werden“, betont Kreissprecher Benjamin Josephs. Es handele sich bei dem vergrabenen Müll um eine Ordnungswidrigkeit.

Der Rhein-Kreis Neuss hat, wie der Sprecher erläutert, eine Ordnungsverfügung erlassen. Der Betrieb solle den Plastik-Abfall aus dem Boden holen und entsorgen lassen. „Der Fall ist aufgeklärt, das Unternehmen hat sich kooperativ gezeigt“, sagt Benjamin Josephs.

Peter Morschhoven von der Gärtnerei bestätigt: „Der Abfall ist weggebracht und bei der EGN entsorgt worden.“ Es handele sich um Plastik-Töpfe, „da war kein gefährlicher Abfall.“ Vor rund 30 Jahren sei damit angefangen worden, den Müll zu vergraben – bis vor etwa zehn Jahren. „Daran ist dann gar nicht mehr gedacht worden.“ Als ein Feuer gemacht worden sei, sei der Müll zum Vorschein gekommen. „Jetzt sei „alles erledigt“, betont Morschhoven. Auf zwei Lastwagen sei das Material abgefahren worden.

Der Fund in Frimmersdorf zeugt von dem sich verändernden Umweltbewusstsein. „Bei der Abfallverwertung hat sich permanent etwas geändert. Und man war früher weniger sensibilisiert“, sagt Wolfgang Wappenschmidt, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Das gelte allgemein, nicht nur für Betriebe. „Und es gab früher auch die heutigen Verwertungsmöglichkeiten nicht“, betont der Landwirt.

Wolfgang Wappenschmidt, der auch Kreistagspolitiker ist, verweist auf die vielen ehemaligen Hausmülldeponien, „die später dann in eine Altlasten-Karte eingetragen und vom Rhein-Kreis Neuss geprüft wurden“. In früheren Jahrzehnten sei zudem nicht getrennt worden, „es ging alles in die selbe Tonne“. Vorgekommen sei früher auch, „dass Plastikabfälle verbrannt wurden, weil man wusste, dass der Kunststoff nicht verrottet“. Ärgerlich ist laut Landwirt Wolfgang Wappenschmidt, dass „wir trotz der heutigen Entsorgungsmöglichkeiten immer noch jede Menge Sperrmüll und Grünabfälle in der Feldflur finden“.