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Grevenbroich: Anlieferer kündigen Landgard-Verträge

NRW : Gemüseerzeuger kündigen im Streit Vertrag mit Genossenschaft

Kurz vor der Vertreterversammlung diesen Dienstag gibt es Ärger bei der Erzeugergenossenschaft. 21 Betriebe wollen die Zusammenarbeit beenden. Sie erheben schwere Vorwürfe. Das Unternehmen weist die Kritik zurück.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten von Tomaten, Paprika, Gurken oder Auberginen mit der am Niederrhein stark präsenten Erzeugergenossenschaft Landgard künftig aus? Diese Frage schwebt über einer Vertreterversammlung, die für diesen Dienstag angesetzt ist. Denn bereits seit einigen Tagen gibt es Streit – eine Auseinandersetzung, die nun mit der Kündigung der Verträge durch 21 Mitgliedsbetriebe zu eskalieren scheint. 

Die Betriebe, die nach eigenen Angaben zusammengerechnet einen Gesamtumsatz von 95 Millionen Euro jährlich erzielen, wollen zum 31. Dezember aussteigen. Dabei soll es sich um Freilandbetriebe und auch um solche Unternehmen handeln, die Fruchtgemüse wie beispielsweise Tomaten über die vor einigen Monaten gegründete Gesellschaft Vitarom vermarkten. Hinter dieser Vermarktungsgesellschaft Vitarom stehen die Neurather Gärtner, die nicht mehr unter eben diesem Namen firmieren, sondern ihr reines Tomaten-Geschäft am Kraftwerk in Vitarom Neurath umbenannt haben.

Betriebe sehen ihre Interessen nicht mehr gut vertreten

Die 21 Produktionsbetriebe nennen mehrere Gründe für ihre Entscheidung, aus der Erzeugergenossenschaft auszutreten. Sie sehen ihre Interessen nicht mehr gut vertreten, ein Insider berichtet unter anderem von „Quersubventionierung zulasten der Auszahlungsbeiträge“. Forderungen nach einer Reformierung des Landgard-Geschäftszweigs für Obst und Gemüse werden laut. Dem Insider zufolge müssten regionale Produzenten, durch die gute Umsätze erzielt werden könnten, Defizite etwa durch schlecht laufende Geschäfte mit Handelsware ausgleichen. Verluste etwa durch Bananen für Discounter müssten mit gut laufenden Paprika aus heimischem Anbau kompensiert werden.

„Für uns gestaltet sich die Situation bei Landgard immer schwieriger, das ist nicht mehr unsere Landgard“, heißt es in einem Schreiben. Die Situation sei verheerend und die Missstände würden immer größer. Es sei fünf nach zwölf und es passiere nichts.

Kritik üben die Unternehmen auch am Aufsichtsrat der Erzeugergenossenschaft. Dieser würde seine Aufgabe verkennen, sich ins operative Geschäft einmischen – „was nicht seine Aufgabe ist“, wie ein Insider im Gespräch betont. In den vergangenen sieben Jahren habe es acht Wechsel im Vorstand gegeben, das sei ein Zeichen für die Unruhe, die dort herrsche.

Sämtliche Versuche, die Missstände aufzudecken oder anzusprechen, seien klar niedergeschmettert worden durch massive Einschüchterungsversuche des Aufsichtsratsvorsitzenden. Einzelnen Personen sei sogar mit dem Ausschluss aus der Vermarktung gedroht worden. „So eine Verhaltensweise ist nicht genossenschaftlich, das ist diktatorisch, mafiös und hat mit unserer Wertevorstellung einer Genossenschaft nichts mehr zu tun“, heißt es in dem Schreiben.

Laut Landgard ist eine
gewisse Fluktuation normal

Daneben liegt auch eine Information des Landgard-Vorstands an die Mitgliedsbetriebe zu diesem Thema vor. In einer Genossenschaft mit rund 3000 Mitgliedsbetrieben sei es normal, dass es eine gewisse Fluktuation unter den Mitgliedern gibt, heißt es: „Unabhängig davon nehmen wir den Schritt der 21 Betriebe mit Bedauern zur Kenntnis.“

Die Vorwürfe gegen Landgard sowie die Mitglieder des Aufsichtsrates weist der Vorstand ausdrücklich zurück. „Auf unsere Bitte hin, die Vorwürfe zu konkretisieren, haben wir bis heute leider keine schriftliche Antwort erhalten.“ Über den Ton in dem Kündigungsschreiben ist der Vorstand „überrascht, erschrocken und enttäuscht. Die gewählten Formulierungen widersprechen eindeutig den Werten unserer Genossenschaft und einem partnerschaftlichen Miteinander auf Augenhöhe, das für uns ein entscheidender Baustein einer erfolgreichen Zusammenarbeit ist“.

Gesprächsbedarf besteht auch in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen den Tomaten-Produzenten aus Grevenbroich, ihrer Vermarktungsgesellschaft und der Erzeugergenossenschaft. Im Raum stehen soll die Frage, ob und wie die Neurather mit ihrer Vitarom GmbH Fruchtgemüse an Kunden vermarkten dürfen, bei denen Landgard als Lieferant gelistet ist.