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Grevenbroich: Ärger über Kahlschlag an Energiestraße

Fällarbeiten zwischen den Kraftwerken in Grevenbroich : Fraktionen kritisieren Kahlschlag an L 375

Zwischen den Kraftwerken fällt Baum um Baum. Straßen NRW setzte die Säge an, ohne die Stadt zu informieren.

. Entlang der L 375 – der sogenannten „Energiestraße“ zwischen den beiden Kraftwerken – liegen etliche Bäume und Sträucher, die auf ihren Abtransport warten. Seit Oktober ist der Landesbetrieb Straßenbau dort mit Fällarbeiten beschäftigt, die voraussichtlich zum Ende dieser Woche abgeschlossen werden sollen. Das Ausmaß der Abholz-Aktion sorgte jetzt für Reaktionen im Stadtrat. Holger Damaske (UWG) drückte seinen Ärger über den „Kahlschlag“ aus.

„Langsam entsteht der Eindruck, dass alles, was Äste und Blätter hat, höher als einen Meter ist und am Fahrbahnrand steht, unbedingt abgesägt werden muss“, sagt der Ratsherr aus Neurath. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die umfangreichen Fällungen vor etwa zwei Jahren, bei denen viele hundert Bäume entlang der Landstraße 116 abgesägt wurden. „Das scheint sich nun zwischen Frimmersdorf und Neurath zu wiederholen“, vermutet Holger ­Damaske.

In Zeiten des Klimawandels, in denen die kommunale Grüngestaltung einen immer höheren Stellenwert einnehme, seien Fäll-Aktionen in einem solchen Ausmaß nicht nachzuvollziehen, meint der UWG-Mann. „Wir legen Blühwiesen für Insekten an, sorgen dafür, dass Vorgärten naturnah gestaltet werden – und an den Straßen wird im großen Stil abgeholzt“, mault Damaske. Mit Freischneidearbeiten habe das nichts zu tun, meint der Ratsherr mit Blick auf etliche große Bäume, die der Motorsäge zum Opfer fielen – „und die nach meiner Ansicht noch kerngesund ­waren“.

Wie viele Bäume der Landesbetrieb seit Oktober entlang der L 375 abgeholzt hat, kann Gregor Hürter vom Landesbetrieb Straßenbau nicht sagen – aber er kann den Grund nennen: „Das ist unser winterlicher Rückschnitt“, sagt der Mann aus der Regionalniederlassung Niederrhein. Routinearbeit. Da die Straßenmeisterei aber schon seit längerer Zeit keine Pflegearbeiten mehr an der Energiestraße vorgenommen habe, müsse jetzt relativ viel gefällt werden.

Gehölze stellen eine Gefahr dar, beteuert der Landesbetrieb

„Es werden aber hauptsächlich Trockengehölze zurück geschnitten, die eine Gefahr für den Verkehr bedeuten können“, sagt Hürter. Damit meint er Bäume und Äste, die bei einem Sturm um- oder abgeknickt werden und auf die Fahrbahn stürzen könnten.

Dass auch gesunde Bäume bei dieser Gelegenheit dran glauben müssen, argumentiert der Landesbetrieb damit, dass halt seit langem nichts mehr am Grün entlang der Landstraße getan worden sei. „Einige Flächen sind derart zugewachsen, dass wir einzelne Bäume herausnehmen müssen, um anderen einen besseren Wuchs zu ermöglichen“, sagt Gregor Hürter. Das Ergebnis der Fällarbeiten sehe jetzt, im Winter, sicherlich „nicht so schön aus“, gibt der Sprecher zu. Spätestens im nächsten Sommer, wenn die abschnittsweise „auf Stock gesetzten“ Gehölze wieder ausgetrieben seien, werde sich das Bild entlang der Straße wieder in einem satten Grün präsentieren.

Die im Rat von Holger Damaske gestellte Frage, ob die Stadt im Vorfeld über die Fällarbeiten informiert worden sei, löste einmal mehr Schulterzucken auf der Verwaltungsbank aus. Schon in der Vergangenheit hatte der Landesbetrieb Straßen NRW seine Arbeiten unangekündigt im Grevenbroicher Stadtgebiet gestartet. Über den heftigen, von nahezu allen Ratsfraktionen kritisierten „Kahlschlag“ an der Landstraße 116 hatten die Verantwortlichen im Rathaus erst erfahren, nachdem bereits bereits hunderte von Bäumen gefällt worden waren.