Gefahrgut-Einsatz am neuen Rathaus in Grevenbroich

Evakuierung in Grevenbroich : Dämpfe verursachen Großeinsatz

Bei Arbeiten in den Räumen des Café Extrablatt wurden Dämpfe freigesetzt. Der Rettungsdienst untersuchte 44 Personen.

. Am Freitagmittag befand sich die Grevenbroicher Innenstadt im Ausnahmezustand. Der Ostwall war gesperrt, ein Großaufgebot von Feuerwehr, Rettungsdienst und Hilfsorganisationen – unter anderem zehn Rettungswagen – rückte gegen 12 Uhr am neuen Rathaus an. Der Grund war ein Gefahrguteinsatz. Bei Bauarbeiten sei „ein stark lösungsmittelhaltiger Klebstoff zusammengemischt worden“, erläutert Feuerwehreinsatzleiter Michael Wolff. Gesundheitsschädliche Dämpfe wurden frei. Auch Wolff hatte den starken Lösungsgeruch wahrgenommen. Zwei Arbeiter klagten über Kopfschmerzen. Alarm wurde ausgelöst. Die Arbeiten erfolgten in den Räumen für das „Café Extrablatt“, das bald am Marktplatz eröffnet werden soll.

Ein Teil des neuen Rathauses wurde komplett evakuiert, die Baustelle stillgelegt, Ostwall und ein Teil des Marktplatz wurden gesperrt. Mehrere Löschzüge rückten an, ebenso der große Einsatzleitwagen des Kreises. MANV 2 (Massenananfall von Verletzten) wurde ausgelöst. Kreisbrandmeister Norbert Lange, sein Vertreter Heinz-Dieter Abels und der Leitende Notarzt sowie Bürgermeister Klaus Krützen waren vor Ort.

Auch Teile des Marktplatzes neben den Räumen, in die das Cafe Extrablatt einziehen wird, waren gesperrt. Foto: Alexander Triesch

Straßensperrung führte
zu Verkehrsbehinderung

Feuerwehrleute im Einsatz am Neuen Rathaus. Foto: Carsten Sommerfeld

Welcher Stoff frei geworden war, wusste die Feuerwehr nicht. „Wir nehmen Messungen vor, zudem werden vorsorglich alle betroffenen Menschen ärztlich untersuchen“,. erläuterte Michael Wolff. Insgesamt 44 Menschen, unter anderem Arbeiter, reihten sich an den Rettungswagen auf dem Ostwall für die Untersuchungen auf. Sunday Agbai aus Kleve, der Elektroarbeiten im Kellergeschoss vornahm, wollte gerade draußen Getränke holen, als er die Feuerwehr sah. Er war überrascht.

Am Ostwall  wurden 44 Menschen untersucht. Foto: Alexander Triesch

Die gute Nachricht: Bei den Untersuchen „wurden keine erkennbaren Verletzungen festgestellt“, erklärte später Stadtsprecher Stephan Renner. Niemand habe ins Krankenhaus gebracht werden müssen.

Bei dem frei gewordenen Stoff handelte es sich um Methylmethacrylat – leicht entzündlich und brennbar. „Die gemessenen Werte lagen unter der Explosionsgrenze“, sagte Wolff. Der Stoff könne zur Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit führen. Die Baustoffe wurden durch die Feuerwehr gesichert, ein weiterer Dampfaustritt unterbunden. Die Einsatzkräfte lüfteten die Räume im Neuen Rathaus gründlich.

Nach Absprache mit dem Fachberater Chemie der Feuerwehr bleibt der Rathaus-Komplex zwischen Ostwall und Haus Portz geschlossen, er soll zunächst von einem Fachunternehmen geprüft werden. Die Straßensperrung führte zu Verkehrsbehinderungen in der Grevenbroicher Innenstadt. Der Autoverkehr musste sich andere Wege suchen, Linienbusse wurden umgeleitet. Am Nachmittag konnte der Ostwall wieder für den Verkehr freigegeben werden. Ab 14.30 Uhr rückten die meisten Einheiten wieder ab.

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