1. NRW
  2. Rhein-Kreis Neuss
  3. Grevenbroich

Elisabethkrankenhaus in Grevenbroich: zwischen Anspannung und Leerlauf.

Elisabethkrankenhaus in Grevenbroich: : Ein Drittel der Betten sind leer

Im Elisabethkrankenhaus sind rund 800 Beschäftigte und derzeit 200 Patienten froh, die erste Welle des Coronavirus gemeistert zu haben. Aus Angst vor einer Ansteckung bleiben derzeit Betten leer, Operationen werden verschoben.

Rote Hinweisschilder, strikte Registrierungspflicht, ein Fragebogen zu Vorerkrankungen, ein Ausweis, der außen ans Krankenzimmer geheftet werden muss, um den Gast anzuzeigen – und dazu eine strikte Begrenzung der Besuchszeiten auf 13 bis 18 Uhr: „Mir ist sehr bewusst, dass das Thema heikel ist – aber mit jedem Besucher von außen kann auch das Virus wieder in unser Haus kommen“, sagt Klinikdirektor Dietmar Moll.

Im Rheinland Klinikum Elisabethkrankenhaus stehen jetzt, Ende Mai, die Zeichen auf „wachsame Entspannung“. Niemand von den derzeit rund 800 Beschäftigten und 200 Patienten wünscht sich eine zweite Welle. Und dennoch ist der Wunsch, die Lieben, die Verwandten, die Freunde im Hospital zu besuchen, ungebrochen. 100 Besucher auf 200 Genesende am Dienstag sprechen eine deutliche Sprache. Und die ersten haben sich bereits beschwert, dass das Krankenhaus vormittags für Besucher geschlossen ist.

„Für mich ist das wichtigste, dass wir als Team bislang sehr gut durch diese Situation gekommen sind“, sagt Moll. Und schließt alle ein – von der Putzkraft bis zum Chefarzt. Denn als es losging – mit Covid-19 – im März, da wusste niemand, was auf das Elisabethkrankenhaus zurollt. Operationen wurden abgesagt, Beatmungsbetten freigehalten, Schutzausrüstung zu astronomischen Preisen gekauft, um einen Vorrat zu haben. In der Spitze waren fünf Patienten in Grevenbroich zu beatmen. „Da waren wir mit unseren Kapazitäten nahe der Obergrenze“, erinnert sich Klinikdirektor Moll. Derzeit liegt noch ein Corona-Erkrankter in einem Beatmungsbett, ein weiterer wird mit Atembeschwerden auf der Intensivstation versorgt – das Coronavirus ist bei ihm nicht nachzuweisen. Täglich kommen zwischen ein und drei Menschen ins Haus, bei denen der Anfangsverdacht auf Covid-19 besteht.

Und vermutlich deshalb sind jenseits der Anspannung wegen der Pandemie ein Drittel der Betten leer. Die Liste der verschobenen Operationen ist abgearbeitet. „Viele Patienten wünschten sich einen Termin im Sommer oder Spätsommer“, sagt Klinik-Direktor Dietmar Moll. Und der Chefarzt der Orthopädie im Rheinland Klinikum Dormagen, Professor Dr. Guido Saxler geht noch einen Schritt weiter: „Derzeit ist eine gute Zeit, um sich operieren zu lassen.“ Denn weil viele Menschen aus Angst vor Ansteckung im Moment einen weiten Bogen um Ärzte und Krankenhäuser machen, sind Spezialisten und Betten nicht ausgelastet.

Für Schutzausrüstung werden astronomische Summen gezahlt

Das leitet geradewegs hin zur wirtschaftlichen Seite des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat einen Schutzschirm über die Krankenhäuser gespannt. Pro freiem Bett gibt es 560 Euro pro Tag, hinzu kommen 185 Euro für Pflegeleistungen und eine Pauschale von 50 Euro pro Mitarbeiter pro Tag für Schutzausrüstung. „Keine Frage – dies hilft uns gewaltig“, sagt Klinik-Direktor Moll. Doch der Schutzschirm gelte lediglich für den stationären Teil des Krankenhausbetriebs. Die Ambulanz und der pre-operative Bereich zur Vorbereitung von Eingriffen sind auf null zurückgefahren – dort gibt es keinen Ersatz für entgangene Einnahmen. Und für Schutzausrüstung mussten astronomische, viel höhere Summen gezahlt werden, sagt Moll.

Noch ist das Klinikum mit dem Abschluss für das Jahr 2019 beschäftigt – „erst die genauen Zahlen für 2020 werden uns zeigen, wo wir wirtschaftlich stehen.“ Das Elisabethkrankenhaus werde nicht selbst zum Fall für die Intensivstation werden. Aber mit deutlichen Einbußen müsse für 2020 gerechnet werden.