Ein Elektroauto extra für die Mechartoniker-Ausbildung in Grevenbroich

Ausbildungszentrum in Grevenbroich : Werkstatt schafft E-Auto zum Lernen an

Am Donnerstag wurde das Elektroauto für die Ausbildung von Mechatronikern übergeben.

Ein Hybridauto für die Ausbildung steht bereits in der Halle, ein reines E-Auto aber fehlte der überbetrieblichen Werkstatt der Kfz-Innung Rhein-Kreis Neuss im Berufsbildungszentrum Grevenbroich noch – bis jetzt. Am Donnerstag übergab das Autocenter Dresen einen Kia Soul EV Plug. mit 110 PS und rund 250 Kilometern Reichweite. Nun können sich angehende Kraftfahrzeug-Mechatroniker in Kursen mit der Technik des E-Autos, mit Wartung und Reparatur vertraut machen, denn die Kfz-Branche befindet sich im Wandel.

Die überbetriebliche Werkstatt ergänzt die Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule. „Wir bieten Schulungen in Bereichen an, die der einzelne Betrieb nicht leisten kann. Jeder Auszubildende lernt zehn Tage bei uns“, erläutert Frank Matzke, neben Karl-Jürgen Lieven und Eckard Krause einer der drei Ausbilder.

Das knapp 25 000 Euro teure Elektro-Auto wurde zu 90 Prozent aus dem Bundesprogramm Digitalisierung finanziert, den Rest trägt die Innung mit Unterstützung des Autohauses in Neuss. „Der Antrieb eines Elektroautos ist ganz anders als der eines Wagens mit Verbrennungsmotors“, erläutert Meister Matzke. Beim Blick unter die Motorhaube fallen orangefarbene Leitungen und andere Bauteile auf. An diesen Teilen dürfe nur arbeiten, wer „eine entsprechende Hochvoltschulung absolviert und gelernt hat, wie die Sicherheitsstandards einzuhalten sind“, betont Matzke. Das Auto muss komplett spannungsfrei sein, sonst bestehe Lebensgefahr. „An einem E-Auto macht man nur einmal einen Fehler“, sagt Frank Matzke.

„Die Zahl der Elektroautos nimmt zu, und natürlich müssen sie auch gewartet und repariert werden. Das lässt sich nur lernen, wenn auch ein E-Auto zur Verfügung steht, erklärt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. In der vor kurzem erweiterten Innungswerkstatt ist Platz für zusätzliche Schulungsteilnehmer, doch viele Kfz-Betriebe finden nicht genügend Auszubildende.

Auf „70 bis 80“ schätzt Innungsobermeister Johannes Brester die Zahl der Auszubildenden, die die rund 150 Betriebe in der Innung noch einstellen könnten. Ein Grund neben der gesunkenen Zahl von Jugendlichen: „Viele junge Menschen beginnen nach dem Abitur ein Studium, oft brechen sie dann aber ab“, berichtet Klaus Koralewski, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein. Dabei sei der Beruf des Kfz-Mechatronikers anspruchsvoll, stelle hohe Anforderungen. „Mich hat die Technik fasziniert, seit dem zweiten oder dritten Schuljahr wollte ich diesen Beruf ergreifen“, sagt Christian Büchner aus Meerbusch, einer der Auszubildenden, die gerade in der Innungswerkstatt lernen. Und Tim Blümer (21) aus Dormagen erzählt: „Ich habe als Jugendlicher zusammen mit meinem Vater an Autos geschraubt.“ Aus dem Hobby macht er nun einen Beruf.

Im BBZ Grevenbroich existiert noch eine weitere Kfz-Werkstatt. „In unserer Berufsfachschule für Fahrzeugtechniker bereiten wir junge Menschen ein Jahr lang auf die Ausbildung als Kfz-Mechatroniker vor“, erläutert BBZ-Leiter Jörg Kazmierczak.

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