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Die Stadt gestaltet den alten Friedhof in Neuenhausen zum Park um.

Begrünung in Neuenhausen : Friedhof entwickelt sich zu einem Park

Seit 25 Jahren ist niemand mehr auf dem Neuenhausener Friedhof bestattet worden.

Nur noch vereinzelt sind Grabstätten zwischen den Grünflächen des alten Friedhofs in Neuenhausen zu sehen. Die 2005 geschlossene Anlage ist dabei, sich zu wandeln. Im Frühjahr sind mehrere Gräber abgeräumt worden, deren Nutzungsrechte abgelaufen waren. Auf den freien Flächen wurden nun Bäume gepflanzt und naturnahe Wiesenmischungen ausgesät. Die Begräbnisstätte wird „behutsam, Schritt für Schritt zur Parkanlage umgestaltet“, sagt Rathaussprecher Stephan Renner. Umstrukturierungen ungenutzter Flächen sind auch auf den anderen Friedhöfen vorgesehen. Wer die Nutzungsrechte für ein Grab verlängern möchte, muss sich aber keine Sorgen machen – genutzte Flächen bleiben unberührt.

In Neuenhausen sind hauptsächlich zwei große Bereiche nahe des Eingangs und mehrere kleinere zwischen noch bestehenden Grabstätten freigeworden. „1994 hat auf dem alten Friedhof die letzte Bestattung stattgefunden“, sagt Renner. Viele Ruhestätten wurden seitdem aufgelöst oder nicht mehr gepflegt und anschließend entfernt. Die Flächen dürfen nun, nach der gesetzlichen Ruhezeit, umgestaltet werden.

Zwar ist bei der Umgestaltung des Neuenhauser Friedhofs von einer „Parkanlage“ die Rede. Ein Park, in dem man sich mit Freunden trifft, mit der Familie grillt oder auf einem Bolzplatz kickt, soll jedoch nicht entstehen. „Es soll ein Ort der stillen Erholung werden“, sagt Renner. „Menschen haben eine emotionale Bindung zu Friedhöfen. Dort werden Angehörige und Freunde bestattet. Das soll nicht zerstört werden.“ Aus diesem Grund sei im Konsens die städtische Entscheidung getroffen worden, ehemalige Friedhofsflächen nicht zu bebauen, sondern zu Grünflächen umzugestalten. „Anders ist es bei Ergänzungsflächen, also dem Platz, der für eine Erweiterung des Friedhofs freigehalten wurde. Diese dürfen, wie auch in Wevelinghoven, bebaut werden“, so Renner.

Die Neupflanzungen sollen
auch zum Baumbestand passen

Die Umgestaltung der Friedhofsanlage wird eine „Aufgabe von Jahrzehnten werden“, sagt der Rathaussprecher. Die ersten Maßnahmen wurden nun umgesetzt. Auf den Freiflächen stehen zehn neue Obstbäume, Wildblumenwiesen blühen bereits. Bei den Bäumen werde darauf geachtet, welche Arten schon auf der Anlage vorkommen, welche dazu passen und welche noch fehlen. „Bei der Umgestaltung der Rasenflächen wird Wert auf eine bienen- und insektenfreundliche Begrünung gelegt“, sagt Renner. Das zeigt bereits Wirkung: Einige Zitronenfalter sind schon fleißig unterwegs. Ein Neuenhausener berichtet, dass sich im Park vor etwa einem Monat ein Fasanenpaar angesiedelt hat. Neben der Begrünung wurden außerdem vier prägnante historische Grabsteine erhalten und am Weg aufgestellt.

So wie in Neuenhausen sollen überall Flächen auf Friedhöfen in der Stadt umgestaltet werden. Wegsysteme sollen abgebaut, Rasenflächen zu Blühwiesen umgewandelt und Tabuflächen ausgeweitet werden. „Dabei geht es um einzelne Abschnitte, die nicht mehr genutzt werden“, so Renner: „Eine Friedhofsschließung steht nicht an“. Durch das neue Nutzungsverhalten von Ruhestätten durch Feuer- oder anonymen Bestattungen werde immer weniger Grabfläche benötigt.

Friedhofsanlagen, die zurzeit auch umgestaltet werden, sind in Neurath und Wevelinghoven. Letzterer war durch „Ela“ 2014 schwer getroffen worden und hat viele alte Nadelbäume verloren. Das langfristige Ziel der Umgestaltung ist eine großzügige Parklandschaft mit Blühwiesenflächen, Strauchgehölzen und markanten Baumpflanzungen. Am Friedhof in Neurath liegt der Schwerpunkt auf der Pflege des viel zu dichten Baumbestands. Die Wege sind dadurch oft in einem schlechten Zustand. In fünf Jahren sollen kranke und zu dicht stehende Fichten gefällt werden. Der Friedhof soll so luft- und lichtdurchlässiger werden.