Der ADAC macht in Grevenbroich mit #handyweg auf die Ablenkung am Steuer aufmerksam.

ADAC-Kampagne in Grevenbroich : Reul warnt vor Handy am Steuer

Der Innenminister gab den Startschuss für die Kampagne des ADAC „#handyweg“.

. 30 Meter Blindflug – das sei das Ergebnis von nur zwei Sekunden Ablenkung bei 50 Stundenkilometern. Immer noch hantierten zu viele, gerade junge Menschen, zu leichtfertig mit dem Handy am Steuer. Darum hat der ADAC Nordrhein nun eine Kampagne gegen Handyablenkung am Steuer gestartet. Unter dem Titel „#handyweg – Dein Leben: Mehr als eine Story“ machte der ADAC auf einem Verkehrssicherheitstag am Mittwoch vor rund 400 eingeladenen Fahrschülern auf die Gefahr aufmerksam. Zur Eröffnung der Kampagne im Fahrsicherheitszentrum in Grevenbroich kamen die Kölner Influencerin Kati Karenina, Volker Freigang vom Fahrlehrerverband NRW und NRW-Innenminister Herbert Reul.

Als junger Mensch sei sie mit dem Handy verwachsen, gesteht Karenina, die auf Youtube und Instagram mehrere Hunderttausend Abonnenten hat. Über die Mitarbeit bei der ADAC-Kampagne habe sie nicht lange nachdenken müssen. „Es kann 100 Mal gutgehen, aber es braucht nur einmal schiefgehen. Und die Verantwortung für den Tod eines anderen Menschen möchte wohl niemand haben“, sagt Karenina vor den versammelten Fahrschülern. Herbert Reul betont, dass es allein im vergangenen Jahr 165 000 Verstöße deswegen in NRW gegeben hätte. „Und das sind ja nur die, die wir erwischt haben.“ Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres seien es schon 70 000 Verstöße gewesen.

Für Reul ist die Nutzung des Handys am Steuer überflüssig. „Jeder weiß, es ist nicht nötig. Für kleines Geld kann ich mir eine Freisprecheinrichtung kaufen, neuere Autos haben das ohnehin meist drin“, sagt er. Dass es trotzdem so viele tun, ist für Reul pure Selbstüberschätzung. „Wir glauben, wir haben immer alles im Griff. Wahrscheinlich muss man alles mal erlebt haben, aber wir können ja nicht jeden vor die Wand fahren lassen.“

Schon in der Fahrschule sei das Handy ein Thema, bestätigt auch Fahrlehrer Volker Freigang. Die Theoriestunden seien vergleichbar mit normalen Schulstunden. „Da kann das Handy eine Ablenkung sein, es kann aber auch nützlich sein, um etwas zu googlen“, sagt Freigang. Während der Fahrstunden würde er sich wünschen, dass der Fahrschüler, der hinten sitzt, die Chance nutze und durch Abgucken lerne. „Leider packen auch da viele sofort das Handy aus.“

Auf dem Verkehrssicherheitstag konnten die Fahrschüler verschiedene gefährliche Situationen am Simulator ausprobieren. Mit einem Virtual-Reality-Headset auf dem Kopf ging es beispielsweise mit dem Roller über schneebedeckte Straßen, an einem Fahrsimulator mussten Fahrschüler ihre Reaktionszeiten bei plötzlichem Wildwechsel unter Beweis stellen. Zudem gab es einen LKW, in dem die Besucher testen konnten, wie weit der tote Winkel der Außenspiegel reicht. An einer Stoppuhr galt es, besonders schnell zu reagieren, auch während man abgelenkt wurde.

Besonders spaßig aber auch lehrreich war der Überschlagsimulator. In einem alten Audi 80, der auf den Kopf gedreht wurde, konnten die Insassen ausprobieren, wie es sich anfühlt, kopfüber im Gurt zu hängen. „Das Schwierige in dieser Situation ist es, den Gurt zu lösen“, erklärt der ADAC-Mitarbeiter an der Station. Denn unter Zug lasse sich das Schloss nicht lösen. Dann müsse der Insasse sich mit den Beinen am Armaturenbrett abdrücken, um das Schloss zu entlasten. Das erfordere Übung. „Darum ist es gut, einen Gurtschneider im Auto zu haben.“

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