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Coronavirus in Grevenbroich: Gastronomen liefern Speisen nach Hause

Coronavirus macht Grevenbroicher Gastronomen zu schaffen : Gastronomen liefern jetzt nach Hause

Restaurantbetreiber kämpfen ums Überleben. Einige setzen deshalb auf neue Wege. Sie bieten einen Lieferservice an.

Seit der Ausbreitung des Coronavirus kämpfen die Gastronomen ums Überleben. Zwar haben sie die Möglichkeit, ihre Restaurants bis um 15 Uhr zu öffnen – doch: „Die meisten Leute sind um diese Zeit noch bei der Arbeit“, sagt Thomas Stenbrock. „Da kommt doch keiner.“ Der Inhaber des Hotel-Restaurants Stenbrock in Neukirchen hat die Konsequenzen gezogen und seinen Betrieb geschlossen. Gekocht wird aber dennoch: Denn das Traditions-Gasthaus liefert jetzt seine Gerichte ins Haus – um während der Corona-Krise wenigstens etwas zu verdienen.

Ab 12 Uhr werden die Bestellungen entgegen genommen, bis 20 Uhr wird ausgefahren. Geliefert wird noch das, was auch sonst auf der Speisekarte des Restaurants steht. „Die ersten Fahrten haben wir bereits unternommen“, sagt Thomas Stenbrock, der in den nächsten Tagen testen möchte, wie das Angebot angenommen wird. Für die Köche des Hauses gilt derzeit Kurzarbeit, das Servicepersonal und die Reinigungskräfte sind zu Hause, um Urlaub oder Überstunden abzufeiern – weil auch der Hotelbetrieb nicht mehr läuft und alle Feiern bis Ende April storniert wurden. „Ich frage mich, wie lange wir diesen totalen Umsatzeinbruch noch stemmen können – mit Sicherheit nicht drei oder vier Monate“, sagt Stenbrock.

Auch Ernst Petry kämpft während der Corona-Krise um die Existenz seines Catering-Dienstes. Normalerweise liefert er sein Essen in Hotels und Büros in Düsseldorf sowie für private Events. Doch die Aufträge fallen seit Ende Februar komplett aus. „Das Geschäft ist sukzessive weggebrochen“, sagt Petry. Bis Ende April bediene seine Firma nun keine Veranstaltung mehr. „Es geht ums Überleben“, macht der Caterer deutlich. „Jeder, der aus dieser Branche etwas anderes sagt, der lügt.“ Noch vor wenigen Wochen beschäftigte Petry vier feste Angestellte und zwölf Aushilfen. Letztere musste er bereits entlassen, die anderen wurden auf Kurzarbeit umgestellt.

Ein Caterer musste bereits
seine Aushilfen entlassen

Ernst Petry setzt daher auf kreative Mittel, um die Arbeitsplätze der verbleibenden Mitarbeiter zu retten. Der Caterer kocht deshalb in seiner Großküche weiter Essen und füllt sie in Einmachgläser, die er dann auf 85 Grad erhitzt, um die Speisen länger haltbar zu machen – ohne Zusatzstoffe. „Viele Familien sind derzeit zu Hause, ältere Menschen haben Angst einzukaufen, weil die Supermärkte voll sind“, sagt Petry. „Da ist es gut, dass mein Essen drei Monate haltbar ist.“ Die Resonanz sei gut: „Bis 9 Uhr wurden bereits 100 Gläser vorbestellt“, so der Caterer am Mittwoch. Das Essen im Glas kann im Betrieb an der Oberstraße abgeholt werden, ab zehn Portionen wird es nach Hause geliefert.

Seit Mittwoch ist das Landgasthaus Hages in Kapellen geschlossen. „Es ist jetzt wichtig, die Gäste und unsere Mitarbeiter zu schützen“, argumentiert Luise Königs. Die Beschäftigten des Betriebs sind in Kurzarbeit geschickt worden. „Wir hoffen natürlich alle darauf, dass die Corona-Krise so schnell wie möglich beendet ist, damit wir wieder starten können“, sagt die Chefin des Hauses. Die Umsatzeinbußen seien nur schwer zu verkraften, insbesondere weil derzeit mit dem Einbau einer neuen Küche kräftig in die Zukunft des Hauses investiert wird. Endzeitstimmung ist in Kapellen aber nicht ausgebrochen: „Irgendwie wird es schon weitergehen“, sagt Luise Königs. Was sie bedauert: Für viele alleinstehende Gäste falle mit der Schließung des Hauses der einzige Kommunikations-Treffpunkt weg.

In der Innenstadt hat das „Haus Portz“ bis 15 Uhr geöffnet. „Einige Leute kommen noch zum Essen“, sagt Gastwirt Ulrich Vogt. „Aber deren Zahl steht in keinem Verhältnis zum sonstigen Mittagsgeschäft. Die Umsätze sind drastisch eingebrochen.“ Auch in dem altehrwürdigen Haus am Marktplatz wird seit Mittwoch Kurzarbeit gefahren. „Wir wollen nach Möglichkeit niemanden entlassen“, sagt Vogt. „Aber dann darf die Krise nicht noch monatelang andauern.“