Bunker mit modrigem Kellergeruch geöffnet

Bunker mit modrigem Kellergeruch geöffnet

Die Anlage in Grevenbroich wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges gebaut. In den 60er Jahren wurden die Eingänge zugemauert.

Grevenbroich. Als Bauarbeiter die Mauersteine des Bunkers am Flutgraben mit ihren Werkzeugen durchbrechen, strömt ein stark modriger Geruch aus dem Inneren. Gebaut wurde die Anlage gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. In den 60er Jahren wurden sämtliche Öffnungen zugemauert, niemand hat den Bunker seitdem betreten — bis gestern.

Der Bauverein Grevenbroich, auf dessen Gelände sich die militärische Anlage befindet, will an dieser Stelle neue Gebäude mit modernen Energiestandards und Barrierefreiheit errichten. Der Bunker und die benachbarten Reihenhäuser aus den 50er Jahren sollen abgerissen werden. „Damit wir wissen, wie kompliziert das wird, muss der Bunker vorher untersucht werden“, erklärt Geschäftsführer Michael Nowack.

Nachdem die Arbeiter den Komplex geöffnet haben, rücken Einsatzkräfte der Feuerwehr an. Sie stellen zwei Überdrucklüfter auf und pusten mit den Geräten, die an Triebwerke erinnern, Luft durch das Gemäuer. „Das dient als Sicherheitsmaßnahme, da wir nicht wissen, wieviel Sauerstoff dort unten vorhanden ist“, sagt Einsatzleiter Udo Lennartz.

Es bestehe die Gefahr, dass der Gehalt an Kohlenstoffdioxid überwiegt. In diesem Fall könnten Personen, die den 50 Meter langen Bunker betreten, das Bewusstsein verlieren.

Nach einiger Zeit legen zwei Feuerwehrmänner Atemschutzmasken mit externer Sauerstoff-Versorgung an und nähern sich dem Eingang. In ihren Händen halten sie Messgeräte, um zu prüfen, ob sich giftige Stoffe in dem Bunker befinden. Sie verschwinden in der Dunkelheit des Bauwerkes und kehren erst nach einer Viertelstunde wieder zurück: Die Luft ist rein.

Nun kommt Bewegung in die Gruppe, die sich vor dem Gemäuer postiert hat. Architekt Günther Quasten, Polier Heinz-Jürgen Poschadel, ein Mitarbeiter des Umweltamtes und Nowack betreten den Bunker. Im Inneren sieht es anders aus, als zuvor erwartet. „Wir dachten, dass es sich um einen durchgängigen Raum handelt“, sagt Nowack.

Stattdessen liegen vor den Männern vier ineinander verschlungene Räume. Nowack: „Es könnte sein, dass damit bei einem Luftangriff die Druckwelle der Explosion abgeschwächt werden sollte.“

Die Decken bestehen aus einem Tonnengewölbe, so dass sie zu den Rändern hin immer niedriger werden. Aufrecht stehen kann man nur in der Mitte. Betonierte Sitzbänke säumen die Wände. Auf dem Boden liegt eine etwa 20 Zentimeter hohe Wasserschicht.

Sie sorgt für den Geruch eines Kellers, der jahrelang nicht gelüftet wurde. „Es dringt offenbar irgendwo Regenwasser ein“, vermutet Nowack. Als gute Nachricht nimmt er mit, dass im 50 Zentimeter dicken Beton des Bunkers kein Stahl verarbeitet wurde. Offenbar, weil es gegen Kriegsende keinen mehr gab.

Für den Abriss dürfte entsprechend ein Knabber-Bagger reichen. Die Arbeiten sollen 2013 stattfinden. Direkt nach der Untersuchung greifen die Bauarbeiter zu Spachtel und Mörtel und mauern den Bunker wieder zu. Nowack: „Wir wollen nicht, dass Tiere und Kinder hineingehen können.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung