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Bombenentschärfung: Rettung durch Raketenklemme

Bombenentschärfung: Rettung durch Raketenklemme

Nach 45 Minuten war alles vorbei. Nur der Zünder machte ein wenig Probleme.

Grevenbroich. Dass es Montagfrüh mit dem Urlaub vorbei sein würde, darauf war Feuerwerker Peter van Eck gefasst. Doch bei der Heimkehr konnte er noch nicht ahnen, dass die Arbeitswoche gleich mit einem Einsatz beginnen würde. Peter van Eck ist Truppenführer beim Kampfmittelräumdienst. Einsatz, das bedeutet: hochgefährliche Sprengstoffe unschädlich machen.

Wie die englische Fünf-Zentner-Bombe aus dem Jahr 1944, die bei Bauarbeiten auf einem Grundstück am Berger Busch in Elsen gefunden wurde. Der Kaarster macht den Job seit über 20 Jahren. Mitte September musste er in Viersen eine Bombe durch eine kontrollierte Sprengung unschädlich machen. Das war in Elsen zum Glück nicht nötig. Nach nur einer Dreiviertelstunde konzentrierter Arbeit war das mehr als einen Meter lange Ungetüm entschärft.

Ganz ohne Kawumm ging die Sache allerdings auch diesmal nicht über die Bühne. Weil der Messingzünder mit dem Eisen der benachbarten Bauteile oxidiert war, musste van Eck ihn mit einem Spezialwerkzeug, der Raketenklemme, herausdrehen und separat sprengen. Nur eine kleine, dumpfe Detonation — alles noch mal gut gegangen.

Anspannung und Erleichterung sind Peter van Eck anzusehen — auch nach über 540 Sprengungen noch. „In den letzten Jahren hatten wir es oft mit extrem gefährlichen Bomben zu tun“, resümiert der erfahrene Feuerwerker nachdenklich. Sicher, sein Handwerk beherrscht er von der Pike auf, das Know-how hat er von älteren Kollegen gelernt. Und doch sitzt ihm die Gefahr bei jedem Einsatz im Nacken. Keine Situation ist wie die andere, immer wieder kann es zu Unfällen kommen. Was sich der 59-Jährige für die Zukunft wünscht? „Noch die dreieinhalb Jahre bis zum Ruhestand durchhalten.“

Währenddessen ging es in der Hans-Sachs-Schule ganz entspannt zu. Dort hatte das Rote Kreuz eine Anlaufstelle für die evakuierten Anwohner eingerichtet. Insgesamt 54 Menschen wurden dort betreut; alles Personen, die näher als 250 Meter an der Fundstelle wohnen und während der Entschärfung die Wohnung verlassen mussten.

Unter ihnen war auch Bärbel Wirsdörfer-Overbeck, die in Elsen ein Wohnprojekt für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung leitet. Mit 14 von insgesamt 24 Schützlingen ist sie angereist, die Stimmung ist gut, wie sie zufrieden feststellt: „Die vielen Rettungswagen finden die Jugendlichen doch aufregend.“ Die Gruppe hat ihr eigenes Frühstück in die Schule gebracht, verbringt die Zeit mit Lesen, Spielen, Filme gucken.

Ein ruhiger Einsatz, betont DRK-Einsatzleiter Hans Paul Kalenbach, der mit 20 Freiwilligen vor Ort ist. Eine Bombenevakuierung gibt es in Grevenbroich zwar nicht alle Tage — der letzte Fund liegt sieben Jahre zurück — „aber dank regelmäßiger Übungen sind wir immer im Training.“

Rotkreuz-Helfer waren es auch, die die gehbehinderte Magdalene Weber-Franzen (75) und ihre Tochter Kornelia Becker (53) am Morgen in die Schule transportiert hatten. Sorge um das Zuhause? Kaum, sind sie sich einig: „Sicher, ein Gefühl der Unsicherheit bleibt, aber schließlich weiß der Sprengmeister, was er tut.“

Nur eines hätten sich die beiden gewünscht: bessere Informationen durch die Stadtverwaltung „Zwar ist am Freitag ein Lautsprecherwagen durch die Straßen gefahren, aber nicht alle Haushalte hatten einen Infozettel im Briefkasten“, bemängelt Kornelia Becker. Außerdem wisse nicht jeder genau, wie weit die eigene Wohnung vom Fundort entfernt ist. Ihr Tipp: Beim nächsten Mal statt einer Meterzahl die betroffenen Straßen und Hausnummern aufzählen.