Bei Notfalleinsatz in Grevenbroich: Foto-Shooting in Rettungswagen

Unglaubliche Szenen auf dem Grevenbroicher Kirmesplatz : Junge Männer pöbeln Sanitäter an

Während Sanitäter ein verletztes Mädchen behandeln, fotografieren zwei junge Männer im Rettungswagen.

In der Montagnacht kam es zu einer Auseinandersetzung auf dem Grevenbroicher Kirmesplatz. Eine Gruppe von etwa acht jungen Männern griff gegen 22.45 Uhr drei Jugendliche im Alter zwischen 14 bis 16 Jahren an. Der Streit eskalierte dann soweit, dass sich die jungen Leute untereinander attackierten. Bei der Schlägerei erlitt ein 14-Jähriges Mädchen leichte Verletzungen.

Nach einem Schlag auf die Brust klagte die Jugendliche über Atemprobleme. Während die von Zeugen alarmierten Sanitäter das Mädchen versorgten, schlichen sich zwei junge Männer in den Rettungswagen, um sich in der Fahrerkabine gegenseitig mit ihren Smartphones zu fotografieren. Passanten machten die Einsatzkräfte auf diese unglaubliche Szene aufmerksam. „Einer unserer Helfer forderte die beiden auf, den Wagen sofort zu verlassen, daraufhin beleidigten und bepöbelten sie den Rettungssanitäter“, berichtet Einsatzleiter Max Ehrenberg vom Deutschen Roten Kreuz.

Trotz der deutlichen Aufforderung hätten die beiden jungen Männer zunächst absolut kein Einsehen gehabt, sagt Sebastian Draxl, Sprecher des DRK-Ortsvereins Grevenbroich. „Im Gegenteil, sie konnten überhaupt nicht verstehen, dass sie in dem Fahrzeug keine Fotos schießen dürfen – sie fragten, was das soll und beschimpften den Kollegen.“ Erst als der Fahrer eines Notarztwagens – eine imposante Erscheinung – hinzukam, verließen die beiden die Fahrerkabine und gaben Fersengeld. Offensichtlich hatten sie es mit der Angst zu bekommen. Trotz der Unruhe rund um den Rettungswagen konnte die verletzte 14-Jährige versorgt und ins Krankenhaus gebracht werden.

Einer der Männer zeigte
sich via Facebook reumütig

Einer der beiden „Fotografen“ meldete sich am Dienstagmittag reumütig über den Facebook-Messenger beim Roten Kreuz. „Er hat sein falsches Handeln eingesehen und sich bei uns in aller Form entschuldigt“, sagt Sebastian Draxl.

Der Grund für die Schlägerei in der Montagnacht dürften private Beziehungsstreitigkeiten gewesen sein, sagt Polizeisprecherin Daniela Dässel. „Die näheren Beweggründe müssen nun die weiteren Ermittlungen ergeben.“ Eine Fahndung nach den Flüchtigen verlief bislang ohne Ergebnis. In diesem Zusammenhang sucht die Polizei weitere Zeugen des nächtlichen Vorfalls. Von den Angreifern, die vermutlich zwischen 16 und 18 Jahre alt sind, fehlt bislang jede Spur. Sie flüchteten, als Rettungskräfte und Polizei auf dem Kirmesplatz eintrafen.

Auch bei einem weiteren Einsatz am Montagabend sind die ehrenamtlichen DRK-Helfer beleidigt worden. Nachdem ein offensichtlich betrunkener Mann in die Erft gefallen war, wurde er mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht. „Auf der Fahrt kippte die Stimmung des Patienten. Er beleidigte die Besatzung des Einsatzfahrzeuges“, sagt Max Ehrenberg.

Vor Beginn des Schützenfestes hatte Bürgermeister Klaus Krützen die ehrenamtlichen Helfer besucht, um für Respekt gegenüber den Rettern zu werben. „Bis Montagabend haben wir auch durchaus positive Erfahrungen beim Schützenfest gemacht. Viele Leute haben sich sogar für unsere Arbeit bedankt“, resümiert Ehrenberg. „Doch die Ereignisse in der Nacht zu Dienstag zeigen, dass der Respekt vor den Helfern noch lange nicht in allen Köpfen verankert ist.“

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