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Gefühlte Sicherheit nimmt ab

Gefühlte Sicherheit nimmt ab

Die Zahl der registrierten Straftaten ist im Jahr 2012 nur leicht gestiegen, die Aufklärungsquote ist sehr gut.

Rhein-Kreis Neuss. Zahlen können Gefühle nicht ausdrücken und noch weniger beeinflussen. Und so änderte es auch nichts, dass Landrat Hans-Jürgen Petrauschke von einer „sensationell guten Aufklärungsquote“ sprach, als er am Montag die Kriminalitätsstatistik für den Rhein-Kreis Neuss vorstellte.

Der Mord im Neusser Jobcenter hat alle Mitarbeiter von Behörden im Kreis betroffen gemacht und viele haben danach über die Sicherheit an ihrem Arbeitsplatz nachgedacht. Der Überfall auf einen Geldtransporter, bei dem maskierte Täter mit einer Panzerfaust bewaffnet waren, ist auch ein Fall, der sich ins Gedächtnis einprägt.

Dass die Täter immer noch nicht ermittelt wurden, trägt auch nicht zu einem guten Sicherheitsgefühl bei. „Solche Fälle sind nicht charakteristisch für die Kriminalität im Kreis, aber beeinflussen unser subjektives Sicherheitsgefühl sehr“, sagt Petrauschke.

Dagegenhalten kann er nur mit Zahlen. Und die sehen überwiegend gut aus: Zwar ist die Zahl der registrierten Straftaten leicht um 1,6 Prozent gestiegen (siehe Kasten), aber die Aufklärungsquote lag im vergangenen Jahr bei 51,5 Prozent. Damit wurde erstmals seit vielen Jahren mehr als jede zweite Straftat aufgeklärt.

Wie schon seit vielen Jahren zu beobachten, sind auch im vergangenen Jahr die Diebstähle aus Autos weiter gestiegen. Die Polizei geht davon aus, dass insbesondere festinstallierte Navigationsgeräte häufig von Banden gestohlen werden, die nur zu diesem Zweck aus dem Ausland anreisen.

Auf den ersten Blick erschreckend ist die Steigerung Fälle von Betrug, die sich im Lauf der vergangenen fünf Jahre fast verdoppelt haben. Doch Hans-Willi Winkelmann, Leiter der Direktion Kriminalität, relativiert: „Der größte Teil davon sind Schwarzfahrer. Weil die Verkehrsbetriebe viel stärker kontrollieren, gibt es auch mehr Fälle.“

Allerdings steige auch die Zahl von Betrugsfällen, bei denen Internetnutzer zu Opfern werden. Polizei-Abteilungsleiter Detlef Gernandt: „Das Netz wird immer häufiger als Tatmittel eingesetzt.“

Trotz eines leichten Rückgangs bei den Wohnungseinbrüchen will Hans-Jürgen Petrauschke keine Entwarnung geben: „Positiv ist aber, dass mehr als ein Drittel der Einbrüche beim Versuch endeten, weil die Häuser und Wohnungen immer besser gesichert sind.“

Auch bei den Wohnungseinbrüchen spielt die gefühlte Sicherheit wieder eine Rolle. „Es sind nur 0,7 Prozent der Immobilien, in die versucht wird, einzubrechen. Aber wenn man selbst betroffen ist, ist diese Zahl natürlich völlig egal“, sagt Petrauschke.