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Tag der Artenvielfalt: Nachwuchsforscher auf der Abfalldeponie

Tag der Artenvielfalt: Nachwuchsforscher auf der Abfalldeponie

Currenta lud Schüler zum Tag der Artenvielfalt auf das Gelände in Rheinfeld ein.

Dormagen. Die Wellen des Rheins schlagen gegen Katharina Dyballas Gummistiefel. Die 15 Jahre alte Schülerin steht in Sichtweite der Sonderabfalldeponie Rheinfeld am Uferbereich des Flusses. Vorsichtig geht sie in die Knie und füllt etwas Wasser in einen Glasbehälter. Nur wenige Meter von ihr entfernt taucht ihre Mitschülerin Jessica Patola ein Thermometer in den Rhein. Die beiden Schülerinnen der Realschule am Sportplatz nehmen am diesjährigen „Tag der Artenvielfalt“ teil, der vom Chempark-Betreiber Currenta organisiert wird.

Die Mädchen gehören zu einer Gruppe, die Wasserproben untersucht. Andere Schüler beschäftigen sich mit Bodenproben oder der Bestimmung von Pflanzen. „Fachgerecht deponierte Sonderabfälle und ein intaktes Ökosystem müssen sich keineswegs ausschließen“, meint Ulrich Bornewasser, der bei Currenta für den Umwelt-Dialog zuständig ist. Den Schülern soll vermittelt werden, dass die Deponie für viele Tiere und Pflanzen passende Lebensbedingungen anbietet. Um zu unterstreichen, dass auf der Deponie seltene Pflanzen wachsen, berichtet Biologielehrer Norbert Grimbach von einem Fund: „Ich habe hier die Gelbe Sommerwurz und die Nelken-Sommerwurz entdeckt, die in NRW vom Aussterben bedroht sind.“

Katharina und Jessica haben ihre Wasserprobe unterdessen zur Basisstation gebracht, die aus einigen Bierbänken besteht. Betreuerin Yvonne Wolodko hat dort einen Analysekoffer aufgebaut, in dem geheimnisvolle Fläschchen liegen. Darin enthalten sind Substanzen, die zum Beispiel helfen, den ph-Wert des Wassers zu bestimmen. Mit anderen Mitteln werden Stoffe wie Nitrit, Nitrat und Ammonium festgestellt.

Schülerin Katrin Kögel tropft langsam eine Flüssigkeit in eine Wasserprobe. Diese stammt aus einem Tümpel auf dem Gelände. „Das ist total spannend“, sagt sie und schaut mit einem kritischen Blick auf das Reagenzglas vor ihr. Das Wasser färbt sich blau. Katrin blickt auf eine Farbtabelle für ph-Werte und ruft: „Das Wasser ist mittelhart.“

Mitschülerin Sarae Hamdani erhitzt auf einem anderen Tisch gerade einen Teller mit hellbrauner Erde über einem Bunsenbrenner. Anschließend untersucht sie, wieviel Feuchtigkeit in der Probe enthalten ist, die zuvor in einer Tiefe von zehn Zentimetern auf der Deponie entnommen wurde. „Ich finde es sehr interessant, so etwas auch einmal selbst zu machen“, sagt Sarae und betrachtet zufrieden die immer trockener werdende Bodenprobe.

Tief im Unterholz steht Umweltexperte Michael Berger vor einer Gruppe von Schülern des Kölner Humboldt-Gymnasiums. Er beugt sich herunter zum mit Moos bewachsenen Boden und pflückt eine kleine Pflanze. Dann will er wissen, um welche Art es sich handelt: „Ich gebe Euch einen Tipp, denkt an Euer Gesicht.“ Die ratlosen Blicke der Schüler beantwortet er mit nur einem Wort: „Lippenblütler“. Dann stürzen sich die Nachwuchsforscher auf das Mittagessen. Artenforschung macht offenbar hungrig.