Studie für Dormagen: Innenstadt braucht großen Lebensmittelmarkt

Studie für Dormagen : Einzelhandelskonzept soll die City schützen

Dormagens Geschäfte sollen nicht durch eventuelle Neuansiedlungen gefährdet werden.

Es ist 100 Seiten stark und gewissermaßen die „Bibel“ des Einzelhandels: Nahezu alles Wissenswerte in diesem Bereich steht im Zentren- und Einzelhandelskonzept 2019, dass jetzt das Fachbüro Dr. Jansen GmbH aus Köln vorlegte. Es ist ein Werkzeug für Stadt und Politik, um den Handel in Dormagen bestmöglich zu steuern: Schutz der Geschäfte im Zentrum und Nahversorgungszentren und Warnung vor der Ansiedlung großer Einzelhandelsunternehmen. Das Werk zeigt aber auch, wie es um die Kaufkraft am Standort Dormagen bestellt ist. Eine Kernbotschaft der Experten: Dormagens Innenstadt kann noch einen großen Lebensmittel-Vollsortimenter gebrauchen. Insgesamt sei Dormagen „normal“ aufgestellt, befinde sich in einer „Sandwich-Lage“ zwischen Köln, Neuss und Düsseldorf.

„Wir müssen alles tun, um den zentralen Versorgungsbereich, also die Innenstadt, zu stärken“, sagt Robert Ullrich, neuer Leiter des Planungsamtes, „dies ist der Kristallisationspunkt für das öffentliche und kulturelle Leben und eben der zentrale Ort für den Einkauf.“ Die Studie weist aus, dass in Dormagen der Nahrungs- und Genussmittelbereich nur auf etwa 28 Prozent der Gesamtverkaufsfläche kommt. „Wir haben da vor allem in der Innenstadt ein großes Defizit.“ Demnach könnten weitere 4000 Quadratmeter damit belegt werden. Bedarf, wenn auch in einem geringeren Umfang besteht auch für Bekleidung, Schmuck und Elektro. Aber wo können zentral gelegene Flächen generiert werden? Im Dormacenter? Auf Flächen in der City, die man zusammenlegen kann? Oder doch auf dem Zuckerfabrikgelände?

Der Gewerbepark Top West ziehe viel Kaufkraft aus der City ab

Die Hoffnung dafür hat Ulrich noch nicht ganz aufgegeben, weil das Seveso-Gutachten noch nicht abschließend vorliegt. Ein „Centro“ à la Oberhausen darf es auf grüner Dormagener Wiese nicht geben, „der Gewerbepark Top West ist vorhanden, damit muss man leben, obwohl dort viel Kaufkraft für die City abgezogen wird“, so Ullrich.

Apropos Kaufkraft. Die Kaufkraftkennziffer stellt das einzelhandelsrelevante Kaufkraftpotenzial einer Kommune im Vergleich zum Bundesdurchschnitt da. In Dormagen beträgt sie nach Angaben der Michael Bauer Research GmbH 2018 etwa 101,6. Das bedeutet, die durchschnittliche einzelhandelsrelevante Kaufkraft liegt um ein bis zwei Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Eine andere wichtige Größe ist das Kaufkraftpotenzial. Es beträgt in Dormagen nach den Berechnungen der Dr. Jansen GmbH etwa 384,4 Millionen Euro. Davon bleibt lediglich 68,5 Prozent (263,3 Millionen Euro) in Dormagen, 31,5 Prozent der Kaufkraft fließt in umliegende Städte und online ab. Besonders hoch ist dieser Verlust in der Kategorie Elektrowaren, wo ganze 52 Prozent der Dormagener Kaufkraft an andere Standorte oder in den Onlinehandel geht. Interessant: Ganz anders sieht es für die Branche „Möbel, Einrichtung“ aus. Rund 50 Prozent der Betriebsumsätze der vorwiegend in Top West ansässigen Einrichtungsfachmärkte werden dabei durch Kaufkraftzuflüsse von außen generiert.

Nicht ganz leicht ist die Situation auch in den sogenannten Nahversorgungsbereichen wie Ückerath/Nievenheim. Größere Ansiedlungen dürfen keine Auswirkungen auf die Nahversorger vor Ort haben. In Ückerath gibt es einen Lebensmittelangebot, aber ein größerer Bedarf besteht in Nievenheim. „Wenn ein größerer Lebensmittel-Vollsortimenter dorthin möchte, dann geht das“, sagt Stadtplaner Ullrich: „Aber wir haben keine zusammenhängende Fläche für ein Angebot mit Lebensmittel, Bäcker, Drogerie und Getränke.“ schum

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