Sportprojekt in Dormagen: Ärger um Fechthallenbau

Sportprojekt in Dormagen : Planung für Fechthallenbau stockt

Mit Knechtsteden steht der Standort so gut wie fest. Die Federführung hat der Kreis. Die Stadt soll sich an den Kosten beteiligen. Doch noch reagiert sie sperrig.

. Die Qualifikation einmal vorausgesetzt, werden sich die Säbel-Asse des TSV Bayer Dormagen dort auf die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Tokio vorbereiten, wo sie es bisher auch getan haben. Denn eine eigene Fechthalle existiert noch nicht. Deren Bau ist aber fest geplant, nicht zuletzt, weil Dormagen 2024 sonst den Status als Bundesleistungsstützpunkt verlieren würde. Mit Knechtsteden steht auch der Standort so gut wie fest, die ersten Planungen sind angelaufen, doch die Stadt Dormagen spielt (noch) nicht mit. An den beiden bisherigen Sitzungen der Arbeitsgruppe hat sie gefehlt, Geld für die erste Planungsphase hat sie ebenfalls nicht im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs für 2020 eingestellt. Beigeordnete Tanja Gaspers verteidigt das Vorgehen und verweist auf fehlende Beschlüsse.

Gaspers: Stadt will mit
einem Mandat ins Verfahren

Das riecht nach Ärger, wenn am heutigen Mittwoch die Mitglieder des Sportausschusses zusammenkommen (die öffentliche Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im Ratssaal). Noch als Große Koalition haben CDU und SPD einen Antrag formuliert, in dem die Verwaltung aufgefordert wird, über die „ersten verwaltungsseitigen Umsetzungsschritte zur Planung der Fechterhalle“ zu informieren. Pikant ist dabei der nachfolgende Halbsatz in dem Antrag: „Insbesondere hinsichtlich des gemeinsamen Vorgehens mit dem Rhein-Kreis Neuss“. Beigeordnete Gaspers sagte, dass in der Sitzung eine klar Entscheidung der Politik erwartet, damit die Stadt mit einem Mandat ins Verfahren einsteigen kann. Das sind die Fakten:

Der Sportausschuss der Stadt hat sich in seiner Sitzung am 12. September nicht auf einen Standort für eine Fechthalle festgelegt. Im Raum standen letztlich Areale in Knechtsteden und an der BvS-Gesamtschule in Nievenheim. Stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, mit dem Rhein-Kreis eine Klärung in der Standortfrage herbeizuführen, ebenso über die finanzielle Beteiligung bei den Bau- und Betriebskosten. Als Beigeordnete Tanja Gaspers weisungsgemäß am 29. Oktober das Gespräch mit Kreisdirektor Dirk Brügge suchte, war sie viel zu spät. Denn der Kreissportausschuss hatte zwischenzeitlich – einstimmig – für den Standort Knechtsteden votiert. Das Werben für Alternativen war zwecklos. „Wir sind natürlich durch den Beschluss des Sportausschusses an diesen Standort gebunden“, verdeutlichte Kreissprecher Benjamin Josephs das, was ohnehin klar war.

Ohne die Stadt Dormagen („ein notwendiges Mitglied“, so Josephs) schiebt der Arbeitskreis das Fechthallen-Projekt an. Das heißt konkret: „Aktuell besprechen wir mit dem Olympiastützpunkt über das Raumprogramm für eine solche Halle, dazu arbeiten wir an einer Vorplanung, ohne dabei Kosten durch Externe auszulösen.“ Dann will man von Kreisseite in einen weiteren Planungsschritt mit der Stadt gehen. Für so viel Gemeinsamkeit ist man im Dormagener Rathaus noch nicht bereit: In der Stellungnahme zu dem Ex-Groko-Antrag heißt es unter anderem: „Es bleibt (vielmehr) zu entscheiden, ob der Beschlusslage im Rhein-Kreis Neuss gefolgt und eine Entscheidung für den Standort Knechtsteden getroffen wird.“ Tanja Gaspers hält das Verhalten der Verwaltung in dieser Sache für richtig: „Es wäre falsch gewesen, in vorauseilendem Gehorsam an den Sitzungen teilzunehmen, so lange in Dormagen die Standortfrage nicht politisch geklärt ist.“

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