Neubau in Dormagen: Sportpolitik entscheidet über Fechthalle

Neubau in Dormagen : Nievenheim wahrscheinlichster Standort für Fechthalle

Fallen alle Beschlüsse und fließen die Fördermittel, könnte die neue Halle im Jahr 2021 gebaut werden.

Es hat nicht mehr Zeit bis zur regulären Zusammenkunft: In einer Sondersitzung sollen die Mitglieder des Sportausschusses am Donnerstag kommender Woche den Bau einer neuen Fechterhalle anschieben. Kommt es nicht zu einer solchen, fast sieben Millionen Euro teuren Investition, wird Dormagen seinen Status als Bundesstützpunkt Fechten verlieren. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch der Standort: Anders als zunächst vorgesehen, soll diese Fechterhalle offenbar nicht auf dem Höhenberg entstehen, sondern im Umfeld der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nievenheim. Auch diese (Vor-)Entscheidung soll der Sportausschuss treffen.

Der deutsche Fechtsport hat seine Blütezeit hinter sich, ficht bei internationalen Wettbewerben oftmals hinterher. Mit Ausnahme der Säbelfechter, die in Dormagen beheimatet sind. Hartung, Wagner und Co sind als amtierender Mannschafts-Europameister das Maß der Dinge – obwohl ihre Trainingsbedingungen nur zweitklassig sind. Das soll mit einer neuen Fechterhalle anders werden, die, so die aktuelle Planung, im Jahr 2021 realisiert werden soll. Im Sommer nächsten Jahres sollen beim Land die Anträge für Fördermittel gestellt werden. Die Verantwortlichen gehen von 70- bis 80prozentigen Förderung durch das Land aus. Den Rest müssten Rhein-Kreis und der TSV Bayer als Träger des Bundesstützpunktes beisteuern; ob die Stadt finanziell mit im Boot sein wird, ist unklar.

Die aktuelle Situation ist im Vergleich zu anderen Fechtnationen mehr als schlecht: Die Athleten des TSV Bayer trainieren in der Halle für Säbelfechter auf dem Gelände des TSV Bayer Dormagen am Höhenberg. Diese Halle ist 30 Jahre alt und entspricht hinsichtlich ihrer Größe und Funktionalität nicht mehr den Anforderungen für modernen Leistungssport. Zudem weichen die Kaderathleten mehrmals in der Woche auf andere Hallen aus – inklusive der Mitnahme des Equipments. „Um diese Missstände zu beheben und die Weiterführung als Bundesstützpunkt Fechten, die 2024 durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ausgesprochen werden soll, nicht zu gefährden, ist der Bau einer neuen Fechterhalle erforderlich“, sagt Tanja Gaspers, Sportdezernentin der Stadt.

Für Nievenheim spricht die
gute Anbindung an die Schulen

Das sieht auch Detlev Zenk (SPD) so. Aber der Vorsitzende des Sportausschusses sagt auch: „Ich bin für den Standort Höhenberg, der aber nicht geht.“ Ihm ist es „vollkommen unverständlich, dass das Seveso-Gutachten verhindern soll, dass die Trainingsbedingungen am vorhandenen Standort verbessert werden.“

Gleichwohl sieht er aber auch Faktoren, mit denen der Standort in Nievenheim punkten kann: gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Anbindung an Gesamt- und Grundschulen – Stichwort Nachwuchsförderung. Hinzu kommt, dass die BvS-Gesamtschule ebenso wie das Norbert-Gymnasium Sportschulen NRW sind und von daher eine hohe Affinität zum Leistungssport haben.

Auch das Norbert-Gymnasium war als möglicher Standort in Betracht gezogen worden. Nach einer Abwägung aller Pro- und Contra-Aspekte hat sich der Vertreter des Bundesstützpunktes aus sportfachlicher Sicht letztlich für Nievenheim ausgesprochen. Für Sportdezernentin Gaspers passt es ganz gut: „Da die gesamte Schulinfrastruktur in Nievenheim ohnehin einer umfangreichen Überprüfung bedarf“, sagt sie, „sollte der Bau einer Fechterhalle in diese Gesamtplanung eingebettet werden.“ Weiterhin geht es dann auch um mögliche Kooperationen, woraus sich Modelle für die Trägerschaft, die Aufteilung der Investitionskosten und der Betriebskosten ergeben können. Letztlich muss die Verlegung des Standortes des Bundesstützpunktes Säbelfechten mit dem Deutschen Fechterbund und dem Deutschen Olympischen Sportbund abgestimmt werden.