Investor-Gespräche auf Eis gelegt

Investor-Gespräche auf Eis gelegt

Frischemarkt soll größer werden als geplant. Baubeginn verzögert sich.

Dormagen. „Baubeginn Februar 2011“ vermeldet seit einigen Tagen die Projekttafel auf dem Gelände der alten Zuckerfabrik. Eine sehr optimistische Ankündigung angesichts wesentlicher Details, die zwischen der Stadt Dormagen und dem Investor Redos Real Estate nach wie vor ungeklärt sind. Dennoch strahlte Redos-Projektleiterin Ulrike Schmitz am Sonntagmorgen beim städtischen Neujahrsempfang Zuversicht aus. Redos habe, so sagt sie, im Dezember die Nachtragsanträge für die konkreten Nutzungen bei der Stadt eingereicht. Kaufland, der Toom-Baumarkt und Mediamarkt stünden als Mieter für das Fachmarktzentrum bereit — „jetzt ist die Stadt am Zug“.

Was sie allerdings nicht sagte: Die Stadtverwaltung hat die Anträge bereits in der vergangenen Woche abgelehnt. „Der zuständige Fachbereichsleiter hat Redos ganz sicher schon darüber informiert“, erklärt Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann.

Für die Ablehnung gebe es auch gute Gründe. Der Frischemarkt sollte wesentlich größer werden als bereits genehmigt, die maximal 100 Quadratmeter Verkaufsfläche für innenstadtrelevante Sortimente habe Redos in einem Fall auf das Vierfache ausweiten wollen. Und das, obwohl sich der Investor mit dem Kauf des Areals darauf eingelassen hatte, die Dormagener Liste einzuhalten: eine Sortimentsbeschränkung, die für Zentren auf der grünen Wiese gilt, erlassen zum Schutz des Einzelhandels in der Innenstadt. Hoffmann hat deutliche Worte für dieses Vorgehen: „Redos will von den Bestimmungen im Bebauungsplan und in der Baugenehmigung abweichen und fährt die Salami-Taktik — immer ein Scheibchen mehr.“ Er bleibt hart gegenüber dieser Taktik.

Mögliche Änderungen müssten, so der Verwaltungschef, mit Werbegemeinschaft, Politik und Öffentlichkeit erörtert werden. Eine „Entscheidung im stillen Kämmerlein“ werde es nicht geben. Die Baugenehmigung ist Hoffmanns letzter Trumpf, um den so wichtigen Sortimentsschutz ein für allemal festzuschreiben. Das soll mittels der Grunddienstbarkeit geschehen, mit der Redos und auch jeder zukünftige Eigner des Zuckerfabrik-Areals per Grundbucheintrag auf die Dormagener Liste verpflichtet wird. Ein Schritt, der eigentlich erfolgen sollte, bevor überhaupt eine Baugenehmigung ergeht.

Schon seit geraumer Zeit verhandelt Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann, um dieses Versäumnis seines Amtsvorgängers Heinz Hilgers gutzumachen. „Wir hatten den Text für die Grunddienstbarkeit bereits ausgearbeitet, und dann haben die Shareholder in London Nein gesagt. So zumindest hat es mir Redos erklärt“, sagt der Bürgermeister. Er hat alle weiteren Gespräche mit dem Investor jetzt auf Eis gelegt.

Bei Redos aber sitzen die Verantwortlichen auf glühenden Kohlen. „Wir haben mit Mediamarkt sehr knappe Fristen vereinbart“, sagt Projektleiterin Ulrike Schmitz. Das bedeutet im Klartext: Wird nicht zügig gebaut, ist der Mieter weg.

Schmitz argumentiert, man könne in Sachen Grunddienstbarkeit erst dann aktiv werden, wenn alle nachträglichen Genehmigungen vorliegen und die Nutzungen feststehen.

Für Hoffmann ist die Reihenfolge jedoch unumstößlich: „Die Stadt hat nur eine Möglichkeit, noch an die Grunddienstbarkeit zu kommen, und die besteht darin, eine möglicherweise geänderte Baugenehmigung erst dann zu erteilen, wenn der Eintrag ins Grundbuch erfolgt ist. Warum sollte ich diesen Hebel aus der Hand geben?“