In Dormagen: Streit um Carl-Duisberg-Straße

Nach Anwohnerbefragung in Dormagen : Politiker streiten über die Carl-Duisberg-Straße

Ob es eine Legende unter dem Straßenschild geben wird, ist offen. Zum Problem könnte die Einigung auf einen Text werden.

Wäre es nach der großen Koalition gegangen, würde heute niemand mehr über die Carl-Duisberg-Straße sprechen und alles bliebe so, wie es in den vergangenen Jahrzehnten war – zwei Straßenschilder mit dem Namen eines Chemikers, dessen Wirken in der Zeit des Nationalsozialismus zumindest als umstritten bezeichnet wird. Doch Martin Pehé von den Grünen gab die Rolle des Spielverderbers, monierte das Vorgehen und fand in Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) einen Unterstützer. Die Situation im Planungs- und Umweltausschuss drehte sich und jetzt wird die Stadt einen Vorschlag erarbeiten, wie der Text für ein Legendenschild unter dem Straßennamen aussehen könnte.

So richtig zufrieden ist im Nachhinein offenbar niemand mit dem Umgang einer möglichen Umbenennung der Straße.

1917 besuchte Carl Duisberg, zusammen mit dem Direktorium der Farbenfabriken sowie Mitgliedern der Obersten Heeresleitung das neue Firmengelände. Foto: Breimann

Stadt will Vorschlag für Text
des Legendenschilds erarbeiten

Auch die Hindenburgstraße in Nievenheim ist umstritten. Ein Legendenschild soll es auch dort geben. Foto: Klaus D. Schumilas kds

Denn die vor dreieinviertel Jahren beschlossene Befragung der Anwohner, ob sie eine Umbenennung wünschen, führte im April zu einem Ergebnis, dass, so Lierenfeld, „von vornherein klar gewesen ist“. 203 Anwohner plus die Eigentümer der Wohnhäuser wurden gefragt, 62 antworteten und davon sprachen sich rund 90 Prozent gegen eine Umbenennung aus. Nicht nur das: 40 votierten auch gegen das Aufstellen einer erläuternden Tafel zur Person von Carl Duisberg, nur vier waren dafür. „Wir müssen diese Meinung respektieren“, sagte Karl-Heinz Heinen für die CDU. Sonja Kockartz-Müller (SPD), meinte: „Es wäre doch blöd, sich über das Ergebnis hinwegzusetzen, dann hätten wir die Anwohner nicht fragen dürfen. Wir haben diese Befragung schließlich beschlossen. Das Ergebnis ist nicht schön, aber zu akzeptieren.“

Zu den Gegenrednern gehörte Torsten Günzel (FDP): „Im Interesse der Stadt muss man manchmal auch andere Entscheidungen treffen.“ Eine klare Haltung vertrat Martin Pehé: „Bei dieser Fragestellung war das Ergebnis klar“, meinte er. Und: „Wir sollten uns kein Schild verbieten lassen“, forderte der Grüne. Denn genau darum ging es am Ende: „Die Anwohner haben eine Tafel abgelehnt, nicht aber ein erläuterndes Schild.“ Es sei wichtig, so Bürgermeister Lierenfeld, dass die Leute wissen, wonach eine Straße benannt worden ist. Die Stadt will zur nächsten Sitzung des Ausschusses einen Vorschlag unterbreiten, wie ein Legendenschild beschriftet werden könnte.

„Es muss ein Vorschlag sein, der nicht komplett weich gespült ist“, fordert Pehé. Die Bezeichnung „Kriegsverbrecher“ sei demgegenüber auch nicht möglich, hieß es aus der Groko.

Mehr von Westdeutsche Zeitung