Einzelhandel in Dormagen: Kaufland will Dormacenter abreißen

Einzelhandel in Dormagen : Abrisspläne für Dormacenter bestätigt

Der neue Inhaber Kaufland hat die Bauvoranfrage bei der Stadt Dormagen gestellt. An gleicher Stelle folgt ein Neubau.

Deutschlands größter Vollsortimenter will keine Zeit verstreichen lassen. Zehn Tage, nachdem der Kauf des Dormacenters durch Kaufland öffentlich wurde, hat das Unternehmen bei der Stadt eine Bauvoranfrage gestellt. Das bestätigt Stadtsprecher Max Laufer und erklärt, eine solche Bearbeitung dauere „zwischen sechs Wochen und drei Monaten“. Kaufland spricht von einem Bauantrag, den man gestellt habe. Was sich bereits abgezeichnet hat, scheint so zu sein: „Zum jetzigen Zeitpunkt favorisieren wir den Abriss des bestehenden Gebäudes“, sagt Kaufland-Sprecherin Anna Münzing.

An gleicher Stelle wird das Unternehmen mit Sitz in Neckarsulm einen Neubau errichten – aber nicht als Solitär nur mit einem Kaufland-Lebensmittelladen. „Wir werden in Dormagen ergänzende Fachgeschäfte und Dienstleistungen planen“, so Münzing: „Konkrete Mieter gibt es jedoch in dieser sehr frühen Planungsphase noch nicht.“ Klar ist auch, dass die Parkgarage mit angerissen wird, aber: „Selbstverständlich wird es weiterhin eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen am Standort geben.“

Wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung läuft seit dem 1. Dezember das Insolvenzverfahren für das Dormacenter. Gläubiger konnten zuletzt noch ihre Forderungen beim Sachwalter Rechtsanwalt Michael Bremen anmelden. Ende des Monats wird am Amtsgericht über die Forderungen verhandelt und versucht, diese zu befriedigen. Parallel liefen die Gespräche des Sanierungsvorstands Markus Küthe aus der Düsseldorfer Kanzlei Kluth Rechtsanwälte. Das Dormacenter, das in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, hat in dieser Zeit einige Besitzerwechsel erlebt. Nach und nach ging es bergab, in den vergangenen Jahren zogen mit Aldi Süd und Rossmann zwei Ankermieter aus. 2018 folgte nach kurzem Gastspiel auch „Dein Kino“. Mit Kik und Tedi sind noch zwei Discounter im Erdgeschoss übriggeblieben, ferner „Asiastar“ und die Spielhalle. Problematisch ist inzwischen, dass der Aufzug abends zu den Öffnungszeiten von Restaurant und Spielhalle nicht mehr in Betrieb ist.

Was mit dem Restaurant „Asiastar“ passiert, ist ungewiss

Im Dormacenter selbst ist die Ungewissheit spürbar. Zum Beispiel im asiatisch-mongolischen Restaurant „Asiastar“ im Obergeschoss. Die Zukunft des mit über 200 Sitzplätzen größten Restaurants in Dormagen ist ungewiss. Inhaberin Yibin Fu sagt: „Als Mieterin weiß ich nichts Aktuelles, ich habe keine Informationen.“ Sie habe nach Bekanntwerden der Übernahme Kontakt mit Kaufland aufgenommen und wartet seitdem auf eine Rückmeldung, um Näheres zu erfahren. „Ich würde gerne im Dormacenter bleiben“, bekennt die Geschäftsfrau offen. Sie möchte „grundsätzlich“ weiter in Dormagen bleiben. Die Situation sei jetzt schwierig. Angeblich gibt es Überlegungen, in den Gewerbepark Top West auszuweichen. Ob dort eine passende Immobilie zur Verfügung steht, ist unklar.

Unsicherheit auch in der „Sprung(s)chance“, der Beratungsstelle & Jugendcafé des Internationalen Bundes (IB), die seit Anbeginn im Dormacenter ansässig ist. Wie es für sie weitergeht, wissen die Mitarbeiter noch nichts. „Wir haben auch nur die Informationen, die in der Zeitung stehen“, sagt Sozialarbeiterin Julia Joosten. „Wir waren nicht so sicher, ob das Dormacenter abgerissen wird und wir raus müssen“, sagt sie. „Aber jetzt gehen wir davon aus, das wir einen neuen Standort benötigen.“ In der „Sprung(s)chance“ wird im dortigen Jugendcafé Jugendlichen die Möglichkeit geboten, Freizeitangebote wahrzunehmen oder Freunde zu treffen. Zielgruppe sind Jugendlichen zwischen zwölf und 21 Jahren. Die Beratungsstelle an der Straße Unter den Hecken unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahren im Übergang zwischen Schule und Beruf. Joosten und ihre Kollegen in der Einrichtung wünschen sich, möglichst zentral in Dormagen-Mitte ein neues Zuhause zu finden, „denn es ist für die Jugendlichen schon sehr wichtig, dass sie uns gut mit Bus und Bahn erreichen können“.

Die Stadt erklärt, dass der Pachtvertrag der Jugendeinrichtung im Sommer ausläuft. „Wir sind bereits seit Längerem in intensiven Gesprächen mit der Einrichtung und suchen nach anderen Möglichkeiten“, sagt Stadtsprecher Max Laufer: „Aber diese Suche war leider noch nicht erfolgreich.“