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Ein Leben mit Stein, Hammer und Meißel

Ein Leben mit Stein, Hammer und Meißel

Johannes Dröge leitet seit drei Jahrzehnten die Sommerakademie in Zons. Der 80-Jährige wird für sein Lebenswerk geehrt.

Dormagen. Staubige Hände arbeiten mit Hammer und Meißel im Park Friedestrom hinter dem Kreismuseum Zons. „Der Stein ist so weich. Den kannst Du mit der Mütze kloppen“, sagt Johannes Dröge zu Rosemarie Braun.

Der 80-Jährige erklärt seiner Schülerin die Kunst des Bildhauens. Seit drei Jahrzehnten leitet der Sauerländer die Sommerakademie.

„Das mache ich so lange, bis ich mit dem Hammer in der Hand am Stein umfalle. Dann können alle ein Fass aufmachen“, scherzt er. Mehr als 500 Ausstellungen in ganz Europa hat Dröge auf dem Buckel. Sein Lebenswerk wird im September an seinem Geburtsort Sundern mit einer Ausstellung gewürdigt — und mit einem Buch.

„Das handelt von dem Künstler und Menschen“, sagt seine Großnichte Elisabeth Mette, die Dröge seit Jahren bei dem Kurs unterstützt. „Johannes ist ein Original und hat ein großes Herz. Wer vor ihm steht, ist immer der Wichtigste. Er lässt alle Termine sausen.“ Und so dauern die Sommertage in Zons häufig nicht wie geplant bis 17 Uhr, sondern zwei Stunden länger.

„Er sorgt dafür, dass jeder am Ende des zweiwöchigen Workshops mit einer fertigen Arbeit nach Hause geht“, sagt Mette. Dafür hat Dörte Högner aus Hilden noch bis Ende der Woche Zeit. Sie gestaltet einen Tölpel mit leicht geöffneten Flügeln. „Ich mache das zum ersten Mal und habe immer Angst, wenn ich etwas wegnehme. Wenn Johannes Dröge mir rät, etwas abzuschlagen, tue ich es erst, wenn ich es selbst sehe.“ Der Lehrer lacht.

„Frauen geben immer Widerworte“, sagt der Künstler. Viele der 16 Teilnehmer lernen seit Jahren von ihm. „Einige besuchen mich in Sundern in meiner Werkstatt“, sagt er. „Dort arbeite ich jeden Tag zehn Stunden.“ Im Sommer vermittelt er sein Wissen, macht neben Zons unter anderem auch in Salzburg, Soest und Cuxhaven Halt.

Vor 30 Jahren erhielt Dröge den Staatspreis für das Kunsthandwerk des Landes NRW. Der mit 45 000 Euro dotierte Preis wird im Herbst im Rahmen der Ausstellung „Manu Factum“ (vom 8. Oktober bis 20. November) zum dritten Mal im Kreismuseum Zons vergeben. Dröge: „Viele alte Künstler kenne ich noch von früher. Jetzt sind deren Söhne und Töchter dran.“