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Dormagen: Massive Kritik an Sekundarschul-Planung

Bildung in Dormagen : Sekundarschule: Massive Kritik an Planung und Projektsteuerung

Im Eigenbetriebsausschuss räumten die Projektsteuerer Fehler ein. Politiker fordern die Vorlage einer Risikoeinschätzung.

Wie viel in dem Bau-Desaster rund um die Sekundarschule und den Lernort Horrem bisher schief gelaufen ist, davon bekamen Politiker und Öffentlichkeit in der Sitzung des Betriebsausschusses einen Eindruck. Zweieinhalb Stunden versuchten die Projektsteuerer zu erklären, warum die Sanierung der Sekundarschule mit 15,5 Millionen Euro fast doppelt so teuer wird wie veranschlagt und das Projekt später fertig. Eine Kernaussage der erbosten Politiker formulierte Hans-Joachim Woitzik (Zentrum): „Wofür brauchen wir Sie eigentlich?“

Wie schwierig die Situation ist, hatte Bürgermeister Erik Lierenfeld vor zehn Tage bei der Veröffentlichung des massiven Verzugs erklärt: Es gebe keine Möglichkeit, den Zeitplan einzuhalten, denn „wir sind an die vergaberechtlichen Bestimmungen gebunden und können nicht einfach freihändig Aufträge vergeben.“ Norbert Brauer (Dormagen), der mit Andreas Bischoff (Köln) das Projektsteuerer-Duo bildet und erst später ins laufende Projekt einstieg, versuchte sich in detaillierten technikspezifischen Erklärungen: Die Substanz der Schule ist äußerst marode; immer wieder gab es Überraschungen; vor Sanierungsbeginn keine detaillierten Untersuchungen durch die zuvor Verantwortlichen; es wurde gebaut, ehe die Planungen abgeschlossen waren; Baukostensteigerungen. Worüber am Dienstagabend nicht gesprochen wurde: Offenbar war die interne Kommunikation so schlecht, dass die nach Bürgermeister Lierenfeld Hauptverantwortliche und erste Betriebsleiterin Tanja Gaspers („Es war ein höchst diffuses Licht für mich“) erst im Oktober darauf stieß, dass etwas im Eigenbetrieb und beim Projekt nicht stimmt.

Die Sekundarschule soll aus heutiger Sicht im Februar 2021 fertig sein, so sagen es die beiden Projektsteuerer. Der in einem Zusammenhang stehende Lernort Horrem verschiebt sich erneut – auf Juli 2023. Als dieser Ort 2016 mit Kita, OGS und Grundschule geplant wurde, hieß es dass er 2019 nutzbar ist.

Einer der Hauptkritiker war am Dienstag Hans-Georg Döring (FDP). Er nannte die Arbeit der Projektsteurer „Flickschusterei“ und fragte nach der „Risikoanalyse“, die bei solchen Projekten üblich sei, und nach einem Bauzeitenplan mit den wichtigsten Gewerken. Die Einwände seien „gerechtfertigt“, entgegnete Brauer. Er müsse zugestehen, dass er hätte sagen können, dass es Risiken gebe. Bürgermeister Lierenfeld äußerte die Erwartung, dass die Projektsteuerer „Ross und Reiter“ nennen. „Welche Risiken sind ersichtlich, wie sieht es mit den Kosten, wie mit den Ausschreibungen aus?“ Lierenfeld bestand darauf, dass kurzfristig eine Risikoanalyse vorgelegt wird.