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Die Dormagener Hallenbäder sind marode

Die Dormagener Hallenbäder sind marode

Beide Einrichtungen haben Sanierungsbedarf, ein Sicherheitsrisiko besteht nicht.

Dormagen. Durchnässte und poröse Dachplatten, vom Rost zerfressene Verankerungen, Moos an den Fenstern: Die Fotos, die Statiker Norbert Brauer am Montag Nachmittag erstmals öffentlich zeigt, scheinen in einem Abrisshaus aufgenommen zu sein. Tatsächlich dokumentieren sie jedoch den Zustand der beiden Dormagener Hallenbäder.

Die Mängelliste ist lang: Das Dach der Badeanstalt an der Robert-Koch-Straße wird durch eine nicht genutzte Solaranlage unnötig belastet, die Unterdecke ist verschimmelt, das Schwimmbecken undicht.

Dennoch ist nach Aussage von Norbert Brauer die Bausubstanz „weitestgehend nutzbar, auf dem Beton kann man aufbauen“. Er veranschlagt knapp 6,9 Millionen Euro, um das Gebäude zu sanieren.

4,5 Millionen Euro stehen im Kostenvoranschlag für das Schwimmbad in Nievenheim. Die Schäden sind dort laut Brauer größer. Der Kubus wurde in den 1970er Jahren aus Fertigteilen gebaut. Die gesamte Fassade ist marode. Das von Wasser durchweichte Dach hat ein Vielfaches seines üblichen Gewichts erreicht, was wiederum die zulässige Schneelast verringert. „Dach, Kellerdecke und Fundamente müssen grundlegend ertüchtigt werden“, sagt Brauer.

Seine Expertise bestätigt im Wesentlichen die Einschätzung der Unternehmensberatung Altenburg, die im Auftrag von Schwimmbadbetreiber SVGD 2010 ein Bäderkonzept erstellt, den Schwimmhallen einen massiven Sanierungsbedarf attestiert und für einen Abriss plädiert hatte.

Dieser Schluss erscheint nach der Untersuchung auch dem SVGD-Aufsichtsrat naheliegend, wenngleich der Vorsitzende Wiljo Wimmer einer politischen Entscheidung gestern nicht vorgreifen wollte. Er erwartet aber „eine intensive Auseinandersetzung mit der Idee eines Neubaus“, insbesondere vor dem Hintergrund anderer teurer Sanierungsmaßnahmen in der Vergangenheit.

„Wir haben bei der Zonser Grundschule und bei der Sanierung der Dreifachhalle festgestellt, dass die Kosten am Ende deutlich höher waren als zunächst gedacht.“ Das gleiche wäre wohl auch für die Bäder zu erwarten, denn die alte Klima- und Lüftungstechnik und der Erneuerungsbedarf bei Duschen und Toiletten wurden im Gutachten nicht berücksichtigt.

Vorerst wird der Betrieb beider Schwimmhallen fortgeführt. Ein Sicherheitsrisiko besteht für Brauer nicht. „Was wir sofort tun können, etwa die Solaranlage auf dem Dormagener Schwimmbad abbauen lassen, haben wir schon in die Wege geleitet“, sagte SVGD-Geschäftsführer Ulrich Pfister.