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Das Relikt aus einer längst vergangenen Zeit

Das Relikt aus einer längst vergangenen Zeit

Ein fränkischer Baumbrunnen aus dem 9. Jahrhundert ist jetzt in Dormagen zu sehen.

Dormagen. Vier Meter hoch, mit einem Durchmesser von rund einem Meter an seiner dicksten Stelle — so steht ein Baumbrunnen aus der Frankenzeit nun in der Galerie im Kulturhaus.

Endlich, könnte man sagen, denn bereits 1996 hatte Norbert Grimbach, ehrenamtlicher Beauftragter für Bodendenkmalpflege, den Brunnenschacht, der aus einem einzigen ausgehöhlten Baumstamm besteht, entdeckt — sieben Jahre nachdem er schon den Siedlungskomplex des Balgheimer Hofes in der Kiesgrube bei Straberg gefunden hatte.

Neun sogenannte Grubenhäuser, aus der Zeit zwischen 900 und 1200 stammend, konnten damals freigelegt werden.

Die Kosten und ein geeigneter Ausstellungsort waren ein Problem für den Geschichtsverein. Direkt an der vier Meter hohen Abbaukante der Kiesgrube habe der Baumbrunnen gelegen, erinnert sich Joachim Fischer, Schatzmeister des Geschichtsvereins Dormagen, an den Fund.

„Der Brunnenfund und die mittelalterliche Grubenhaussiedlung lassen eindeutige Rückschlüsse auf eine durchgehende Besiedlung bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts“, sagt Grimbach. Um den Baumbrunnen haltbar zu machen, musste er in seine Einzelteile zerlegt und in einer Zuckerlösung konserviert werden. Der Verfallsprozess des 1200 Jahre alten Stücks konnte so dauerhaft gestoppt werden.

Die Erhaltung des Brunnens aus dieser Zeit sei so bedeutungsvoll, weil es ansonsten äußerst schwierig sei, Erkenntnisse über die wahren Umstände der ländlichen Besiedlung in dieser Epoche zu erhalten, so Grimbach. Durch seine enorme Länge, können Besucher der Galerie den Baumbrunnen auch schon beim Reinkommen vom Obergeschoss aus betrachten. Auffällig ist seine fast schwarze Farbe.

„Der Baumbrunnen ist mit einer Brandschicht bedeckt“, klärt Grimbach auf. Das hatte im Juni 1764 auch das Herrenhaus Balchemer Hoff zerstört. Die Besucher der Galerie können sich in den Schaukästen, in denen weitere Fundstücke, wie etwa seltene Münzen präsentiert werden, über Dormagens historische Wurzeln informieren. Zu sehen ist der Baumbrunnen kostenfrei während der Öffnungszeiten der Galerie des Kulturhauses an der Langemarkstraße 1-3, montags bis freitags, jeweils von 9.30 bis 21.45 Uhr.