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Bauen: Isolieren mit gebackenem Glas

Bauen: Isolieren mit gebackenem Glas

In Dormagen wurde am Freitag Deutschlands erstes Schaumglasschotter-Werk eröffnet.

Dormagen. Scherben bringen nicht nur Glück — sie isolieren auch. Vorausgesetzt Altglas wird zermahlen, geschmolzen und mit Hilfe mineralischer Zusatzstoffe bei einer Hitze von 950 Grad aufgeschäumt. „Das Ergebnis ist ein Schaumteppich, der bei Abkühlung auseinanderbricht — zu so genanntem Schaumglasschotter“, erklärt Rhenus-Projektleiter Johann Wilhelm Groß.

Das Logistik- und Glasreceycling-Unternehmen hat am Freitag mit dem Schweizer Dämmstoffhersteller Misaspor ein neues Werk an der Edisonstraße in Dormagen eröffnet. Deutschlandweit ist es die erste Produktionsstätte für Schaumglasschotter. „Der Dämmstoff ist eine umweltfreundliche Alternative zu denen, die sonst auf Erdölbasis hergestellt werden“, sagte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bei der Einweihung.

Mit rund 30 Beschäftigten, die in einem Drei-Schicht-System arbeiten, will das Werk jährlich 250 000 Kubikmeter des wärmedämmenden Baustoffs erzeugen. Dafür haben die Kooperationspartner rund 20 Millionen Euro investiert. Rhenus liefert vor Ort den Rohstoff Glasmehl. Misapor schickt das Glas-Mineral-Gemisch dann auf Stahlbändern durch die Tunnelöfen.

Eingesetzt wird Schaumglasschotter unter anderem als Wärmedämmung gegen das Erdreich. Beim Hausbau ersetzt das gebackene Glas unter einer Bodenplatte den üblichen Aufbau mit Filterschicht, Sauberkeits- und Extruder-Platten — und spart laut Misapor bis zu drei Tage Bauzeit.

Auf einer bis zu 45 Grad geneigten Fläche kann das Material aufgeschüttet werden, ohne dass es hinabrollt. Es dient unter anderem als Sickerschicht für Fußball- und Parkplätze sowie als vertikale Isolierung von Kellerräumen.

„Der Schotter ist zehnmal leichter als Kies, schnelltrocknend, feuer- und hitzebeständig“, erklärte Groß. Eine Schimmelbildung sei ausgeschlossen. Zudem reagiere das schadstofffreie Material nicht mit anderen Baustoffen.

„Schaumglasschotter ist die Zukunft des Dämmens und leistet einen großen Beitrag zum Klimaschutz“, sagte Petrauschke. Laut Misapor ist Dormagen erst der Anfang — geplant sind drei bis vier deutsche Standorte.