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Baudesaster in Dormagen: Stadt muss Entschädigung zahlen

Bau-Desaster in Dormagen : Neubau für Lernort Horrem soll her

Nach dem Sanierungs-Aus müssen Entschädigungen gezahlt werden.

(schum) Vor sechs Wochen hat die Stadt die Konsequenzen aus massiv gestiegenen Kosten für den geplanten Lernort Horrem gezogen und das Projekt gestoppt. Jetzt soll anstelle von Sanierung, Um- und Neubau ein kompletter Neubau her. Der rechnet sich auch unter Berücksichtigung der Zahlungen, die die Stadt noch an das Planungsbüro und den Projektsteuerer zu leisten hat. Das legt sie dem Eigenbetriebsausschuss am 21. Juli dar.

„Die potenzielle Kosteneinsparung zwischen der Realisierung eines Neubaus und der geplanten Sanierung wird deutlich größer sein als die nun entstehenden Ausgleichszahlungen“, erklärt Frank Wolfgramm, Leiter des Eigenbetriebs. Zudem könne ein Teil der Leistungen, die bereits abgerechnet sind, für die weiteren Planungen genutzt werden.

Alle Verträge beinhalten Auflösungsklauseln

Nach dem Stopp des Prestigeprojektes Lernort Horrem hat die Verwaltung die bestehenden Vertragsverhältnisse überprüft – mit dem Ergebnis, dass alle Verträge Auflösungsklauseln beinhalten. Demnach hat die Stadt für dieses Projekt bereits 411 000 Euro an Zahlungen geleistet. Offene Rechnungen bestehen noch in einer Höhe von knapp 143 000 Euro. Die Entschädigungsansprüche belaufen sich auf eine Größenordnung von 271 000 Euro. Aufgrund der negativen Erfahrungen beim Sanierungsdesaster Sekundarschule hatte der Eigenbetrieb das Lernort-Projekt überprüft. Beauftragte Substanzuntersuchungen ergaben, so erklärt Frank Wolfgramm, Substanzmängel, deren Beseitigung auf 3,3 Millionen
Euro geschätzt wurde. „Unberücksichtigt blieben dabei die Risiken, die sich aus Dachkonstruktion, den Bauwerkabdichtungsmaßnahmen der Grundschule und der OGS ergeben.“

Vor sechs Jahren startete das Projekt mit einem Kostenansatz von 2,7 Millionen Euro. Damals ging es im Wesentlichen um den Neubau einer viergruppigen Kita mit integriertem Begegnungszentrum. In der Folgezeit wurden die Rahmenbedingungen mehrfach geändert, die Anforderungen stiegen und damit auch die Kosten. Im Jahr 2018 war dann von
12,7 Millionen Euro die Rede.

Weil noch weitere Mängel in der bestehenden Bausubstanz entdeckt wurden und dafür ein Risikozuschlag von 30 Prozent eingerechnet wurde, standen dann plötzlich Kosten in Höhe von 20,8 Millionen Euro im Raum.

Im vergangenen Mai folgte dann eine hitzige Diskussion im Hauptausschuss. Phasenweise ist an diesem Projekt nicht geplant und gearbeitet worden. „Es wurde nicht mehr überprüft, ob das Raumprogramm noch zeitgemäß ist“, sagte Andreas Bischoff, einer der beiden Projektsteuerer.