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Deutliche Kritik am Hirtenbrief

Deutliche Kritik am Hirtenbrief

Cornel Hüsch: „Wenig Barmherzigkeit“.

Rhein-Kreis Neuss. Mit deutlichen Worten hat sich Cornel Hüsch, Vorsitzender des Kreiskatholikenrats, zu der Haltung der katholischen Kirche auf drängende Fragen der Zeit gestellt — und dabei an Kritik am Kölner Erzbischof nicht gespart.

Auf der Hauptversammlung des Gremiums, das 177 000 Katholiken im Kreisdekanat Neuss vertritt, konstatierte er: „Die Sprache der Kirche und ihrer Verantwortlichen ist nicht mehr die Sprache der Menschen. Wir stellen uns Fragen, die nicht mehr die Fragen der Menschen sind, und wir geben Antworten auf Fragen, die keiner mehr hat.“

Der Vorsitzende (Foto) der Laienorganisation sprach dabei insbesondere den Fasten-Hirtenbrief des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner über Sexualität und Ehe an und verlangte Offenheit und Ermutigung, mit den Gaben und Geschenken Gottes umzugehen. Hinweise auf „einzig legitime Formen“ der gelebten Sexualität würden nicht weiterhelfen.

In dem Hirtenbrief vom 13. März heißt es zum Beispiel: „Daher ist der einzig legitime Ort der geschlechtlichen Gemeinschaft die Ehe.“ Oder: „Wer Fruchtbarkeit von Sexualität künstlich trennt, ob durch pharmazeutische Präparate oder andere Wege, der korrigiert und manipuliert die Schöpfungsordnung Gottes.“

Cornel Hüsch erklärte auf der Hauptversammlung, derartige Hinweise verschlössen „die Augen vor der Wirklichkeit und zeigen wenig Barmherzigkeit.“ Und auch die Frage des Zwangszölibats muss nach Auffassung des Vorsitzenden überdacht werden. Das Zölibat sei sicherlich Gnade und Berufung — müsse aber nicht die ausschließliche Lebensform von Priestern darstellen.