Ratingen: Präsidentin stammt von Homberger Hof

Ratingen : Präsidentin stammt von Homberger Hof

Jutta Kuhles führt den Rheinischen Landfrauenverband mit 15 000 Mitgliedern an.

Bei Jutta Kuhles auf dem Hof am Artzbergweg in Homberg-Meiersberg fühlt sich der Besucher sofort willkommen. Gut gelaunt öffnet die Landfrau die Eingangstür aus Holz, die noch aus den Anfängen des Hofes stammt. Dass Jutta Kuhles zuhause ist, ist mittlerweile nicht mehr selbstverständlich. Seit Sommer ist sie Präsidentin des Rheinischen Land-Frauenverbandes mit 15 000 Mitgliedern, ein reines Ehrenamt zwar, das aber dennoch viel Zeit beansprucht.

Die Stellenbeschreibung der Präsidentin ist umfangreich

In der Stellenbeschreibung für die Präsidentin stehen folgende Schwerpunkte: Repräsentation der Rheinischen Landfrauen, Vertretung der Landfrauen im Deutschen Land-Frauenverband und ab Dezember 2020 in der Landwirtschaftskammer NRW, Zusammenarbeit mit den Landesministerien, Initiierung von Projekten, Ansprechpartnerin für Organisationen und Verbände, Verbandsentwicklung und Verbraucherpolitik. Jutta Kuhles versteht sich als Sprachrohr für die Frauen im ländlichen Raum, von denen weniger als die Hälfte tatsächlich auf einem Hof leben und arbeiten. Die anderen üben die unterschiedlichsten Berufe aus. Die Gemeinsamkeit: „Alle leben gern auf dem Land“, sagt Jutta Kuhles und „sie verstehen sich bestens untereinander“.

Jutta Kuhles ist als Präsidentin vor allem politisch unterwegs. Denn auch im vermeintlich idyllisch ländlichen Raum gibt es Probleme, beispielsweise wenn Geburtsstationen schließen, kein Arzt in der Nähe praktiziert und der nächste Supermarkt 20 bis 30 Kilometer entfernt liegt. Ein Thema, das Jutta Kuhles vor allem auf der Seele brennt, ist die Alltagsökonomie als Schulfach. Während andere Bundesländer damit anfingen, sei das in Nordrhein-Westfalen kein Thema.

Dabei sei es aus ihrer Sicht wichtig, die Defizite der jungen Generation in der Schule auszugleichen. Dabei denkt sie an Essensverschwendung, nachhaltig mit Lebensmitteln wirtschaften und auch an den verantwortungsvollen Umgang mit Geld.

Ihr größter Traum: Die Einführung von mobilen Kochschulen, die zu den Schulen kommen. „Dabei geht es nicht nur ums Kochen. Die Schüler sollten beim Bauern einkaufen, zusammen schnibbeln, kochen und essen und hinterher die Reste sinnvoll verwerten“, sagt Kuhles.

Für Kuhles ist es selbstverständlich, sich zu engagieren, sich ins Gemeinwohl einzubringen. „Angst vor großen Tieren habe ich nie gehabt“, sagt sie, dennoch habe sie vor jedem Menschen und seiner Leistung Respekt. Eine Einstellung, die sie für das Amt der Präsidentin geradezu qualifiziert. Ihr Mann trägt das Ehrenamt mit, ist selbst ehrenamtlich engagiert. „Und meine Familie wird selbstständiger“, hat Jutta Kuhles in den ersten Monaten beobachtet. Für sie selbst haben sich die Prioritäten verschoben. „Ich war schon immer gut organisiert, vieles lässt sich in der freien Zeit zwischendurch schon mal anschieben oder vorbereiten. Aber manches bleibt auch eben liegen.“

Denn auch als Präsidentin arbeitet sie hauptberuflich halbtags im Argrarbüro, nimmt zuhause den Staubsauger in die Hand und bereitet das Essen vor, auch für die Zeit, wenn sie nicht da ist. Dann gibt es noch die regelmäßigen Treffen mit den Landfrauen vor Ort und die gemeinsamen Fahrten.