Podcast aus Hilden Wenn der Wettermann Geschichten erzählt

Hilden/Haan · Geschichte ist langweilig? Nicht unbedingt: Der Podcast von Michael Klein hat mit einem drögen Schulfach eher wenig zu tun. Bei ihm sorgen Kühe für Frieden und eine Königin strandet in einem Bahnhof.

Eine Folge produziert Michael Klein jede Woche.

Eine Folge produziert Michael Klein jede Woche.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

„Kleine besondere Vorkommnisse“ lautet der Titel eines Podcasts, der anekdotenhafte Geschichten über die Geschichte erzählt. Hinter der Idee steckt ein Hildener: Michael Klein brachte die erste von mittlerweile fast 50 Episoden im März vergangenen Jahres ins Netz. Wer zuhört, der erfährt mehr über eine Königin, die zehn Jahre in einem Bahnhof hauste, über drei Kühe, die den Frieden zwischen Frankreich und Spanien sichern, und den Kaiser der Vereinigten Staaten von Amerika.

Eine zwölf Minuten lange Folge, die im November veröffentlicht wurde, widmet sich einer Partnerstadt von Haan. Berwick-upon-Tweed galt im 13. Jahrhundert als das Alexandria Schottlands. Kurios: Die einst reiche Hafenstadt befand sich mehr als ein Jahrhundert lang mit Russland im Kriegszustand, ohne dass während dieser Zeit tatsächlich ein Schuss fiel. Der Ort sei im Friedensvertrag zwischen Großbritannien und Russland von 1856 einfach vergessen worden, berichtet Michael Klein. Grund dafür sei die bewegte Geschichte der Stadt gewesen, die über einen sehr langen Zeitraum Zankapfel zwischen England und Schottland gewesen sei. „In ganz Europa wurde keine andere Stadt so oft angegriffen und belagert“, weiß der 51-Jährige.

Aufgrund dieser Situation wurde Berwick-upon-Tweed in vielen Verträgen zwischen Schottland und England explizit aufgeführt, nicht jedoch in dem ausgehandelten Frieden mit Russland. Der Status blieb über Jahrzehnte ungeklärt, bis 1966 der Bürgermeister der Stadt angeblich einen Gesandten der Sowjetunion empfing, um den Kriegszustand offiziell zu beenden und das vermutlich nicht ganz ohne den typischen britischen Humor. Zu den wenigen Quellen, die darüber berichteten, gehört die Baltimore Sun, eine Tageszeitung in den USA.

Wer dieser Folge lauscht, kann die Professionalität von Michael Klein kaum überhören: Der Ton ist klar, Versprecher gibt es keine. Das ist kein Zufall, denn der Hildener startete seine berufliche Laufbahn anfang der Neunzigerjahre bei Radio Neandertal, also noch vor dem Abitur. Schon zum ersten Sendetag war er dabei, ein Jahr später durfte er moderieren. Seit 1996 verdient er sein Geld mit einem Wetterservice (donnerwetter.de). Vor allem im sächsischen Raum ist Kleins Stimme im Radio zu hören, wenn er mit den Moderatoren der Sender „nicht nur übers Wetter“ plaudert.

Dass Klein nun auch über historische Themen plaudert, ist eigentlich ungewöhnlich. „Ich hatte null Interesse an Geschichte“, erinnert sich der Hildener an seine Schulzeit, die er am Gymnasium in Hochdahl verbrachte. Doch vor allem kuriose Begebenheiten weckten allmählich sein Interesse und schließlich reifte die Idee, dazu einen Podcast zu machen.

Und das kommt beim Publikum an: Bis zu 5000 Downloads erreichen die Episoden von „Kleine besonderen Vorkommnisse“ mittlerweile pro Monat. „Und die ersten Folgen werden immer noch gehört“, freut sich Michael Klein über die Resonanz. Und wer weiß? Vielleicht lässt sich damit ja eines Tages auch Geld verdienen.

Zunächst einmal musste Klein allerdings investieren. Die Kosten hielten sich allerdings in Grenzen. Wer 200 Euro für ein Mikrofon ausgebe, der sei schon richtig gut ausgestattet, weiß der Hildener. Man könne Podcasts auch problemlos mit dem Smartphone aufnehmen. Als Programm verwendet er Audacity. Damit kann man die Tonspuren bearbeiten. Die Software ist kostenlos.

Für jede Folge schreibt sich der Mann vom Radio ein Script. Zwar lese er den Text vom Blatt ab, räumt der 51-Jährige ein, aber durch seine jahrelange Erfahrung auf Sendung ist Klein in der Lage, Geschichten sprachlich mit Leben zu erfüllen. Ein bestimmtes Erfolgsrezept habe er dabei nicht. „Ich wollte einfach nur kompakt unterhalten.“ Und das tut er über die gängigen Plattformen wie zum Beispiel Spotify. Dazu können die Folgen auf einer Homepage abgerufen werden. Mit seinem Publikum bleibt Klein über Netzwerke wie Facebook und Instagram in Kontakt, erhält hier Anregungen für weitere Geschichten, über die er aber oft auch bei der Lektüre in einem Nebensatz stolpert. Denn der Podcaster weiß: Gerade aus kleinen besonderen Vorkommnissen lassen sich oft unterhaltsame Geschichten entwickeln.

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