1. NRW

Pfarrer Hermann-Peter Eberlein geht nach 38 Jahren in den Ruhestand

Ruhestand : „Ich konnte viele Familien über Generationen begleiten“

Eigentlich wollte Pfarrer Hermann-Peter Eberlein nur vier Monate am Eckbusch bleiben, um dann in Berlin eine Stelle als Assistenzreferent anzutreten.

Eigentlich wollte Pfarrer Hermann-Peter Eberlein nur vier Monate am Eckbusch bleiben, um dann in Berlin eine Stelle als Assistenzreferent anzutreten.   Doch daraus sind 38 Jahre geworden, und am vergangenen Sonntag, dem ersten Advent,  wurde der beliebte Seelsorger im Rahmen eines festlichen Kantate- Gottesdienstes in der Friedhofskirche, Hochstraße in Elberfeld,  mit 64 Jahren in den Ruhestand verabschiedet.

„Eine Zugfahrt durch die DDR, bei der ich sah, wie die Vopos unter den Zugabteilen mit Stangen nach eventuellen Republikflüchtigen suchten, hat mir ein unbehagliches Gefühl vermittelt  und gab den Ausschlag, dass ich Wuppertal und damit der Gemeinde am Eckbusch den Vorzug gab“, erklärt Eberlein, der auch heute noch sehr glücklich ist, diese Entscheidung getroffen zu haben. „Hier  habe ich meine Frau kennengelernt und bin Vater von vier Kindern geworden“, berichtet der inzwischen zweifache Großvater, der viele liebevolle Worte für seine Gemeindemitglieder findet.

„Die Menschen hier haben mich warmherzig aufgenommen und mir auch manchen Fehler, schließlich war ich damals erst 26 Jahre alt, verziehen. Ich konnte viele Familien über Generationen begleiten, und das hat mir große Freude bereitet und mein Herz geöffnet.“

Die Gemeinde hat Eberlein als einen Pfarrer erlebt, dem moralische Überlegenheit fremd geblieben ist, der nie ein „typischer Vertreter“ der Kirche sein wollte, der deren Sache  mit Wucht vertritt. „Wir sind nicht super“, sagt er über die christliche Kirche. Und das hat ihn authentisch, für die Menschen glaubwürdig gemacht und dürfte ein Schlüssel zu seiner Beliebtheit sein. „Eigentlich bin ich menschenscheu“, charakterisiert der Autor und Herausgeber bedeutender Werke zur Kirchengeschichte im Rheinland sich selbst. Eigentlich keine gute Voraussetzung für einen Geistlichen, der mit Leidenschaft diskutiert, doch wurde er von seinen „Schäfchen“ so genommen, wie er ist.

Dankbar registriert Eberlein auch, dass ihn sein Arbeitgeber „einfach machen ließ“, und das hat der Kirche viele Bücher und Eberlein selbst die Möglichkeit beschert, seine Doktorarbeit zu verfassen, zudem auch an der Bergischen Universität zu lehren. Wie er auch nach Beendigung seiner beruflichen Laufbahn als Pfarrer an der Universität Bonn einmal wöchentlich einen Lehrauftrag für regionale Kirchenhistorie wahrnimmt.

Wer ihn in seinem Büro am Bergischen Ring besucht, der nimmt mit einigem Erstaunen eine große Zahl von Buddha-Figuren und -Symbolen wahr. Auf dem Bücherschrank steht ein siebenarmiger Leuchter, doch darauf angesprochen, lächelt Eberlein: „Das hat etwas mit Sammelleidenschaft zu tun, keineswegs mit Tiefsinn. Diese Dinge habe ich von Reisen mitgebracht. Ich kann mich nicht in einen Hindu hinein versetzen, habe aber auch nie missionarischen Eifer gespürt, Angehörige anderer Religionen vom Christentum zu überzeugen.“

Auch ein Umzug innerhalb Wuppertals steht an

Zurückblickend sagt Eberlein: „Zuletzt war ich eine Art Wanderprediger, der nur noch einmal im Monat am Eckbusch im Gemeindezentrum einen Gottesdienst abgehalten hat. An den anderen Sonntagen war ich in der Kirche am Kolk, in der Friedhofskirche oder in der Auferstehungskirche. Die Auferstehungskirche war für die nicht motorisierten Mitglieder meiner Gemeinde wegen der schlechten Busverbindung ein Problem, was zur Folge hatte, dass ich da weniger Eckbuscher gesehen habe als beispielsweise am Kolk.“

Übrigens ist das Gemeindezentrum am Eckbusch keine Kirche und war schon zu Zeiten von Eberleins Vorgänger ein Treffpunkt für die Menschen im Quartier. „Er hat die Türen für alle geöffnet, und das habe ich beibehalten“, so Eberlein, der es als eine Art persönliche Herzensangelegenheit sieht, dass das Zentrum für Zusammenkünfte am Eckbusch erhalten bleibt.

Noch wohnt Hermann-Peter Eberlein am Bergischen Ring, doch wird er im  Laufe des neuen Jahres innerhalb Wuppertals umziehen. „Ich scheide mit ein wenig Wehmut, aber ohne Gram aus dem Amt“, sagt er im Hinblick auf die weiter reduzierten Pfarrstellen und die bevorstehenden grundlegenden Veränderungen in der Gesamtgemeinde Elberfeld-Nord. „Ich verspüre nicht das Bedürfnis, weiterhin auf der Kanzel zu stehen“, sagt Eberlein und deutet damit an, dass er diesen Lebensabschnitt für sich als beendet ansieht.