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Bundestagswahl 2021 in Ratingen und Heiligenhaus: Parteien stehen in den Startlöchern

Bundestagswahl 2021 in Ratingen und Heiligenhaus : Parteien stehen in den Startlöchern

Es ist der große Tag der Entscheidung: Am 26. September 2021 ist die Bundestagswahl. Die politischen Weichen werden neu gestellt, so auch für Ratingen und Heiligenhaus. Wir fassen die wichtigsten Informationen in einer Übersicht zusammen.

(Red) Es ist der große Tag der Entscheidung: Am 26. September 2021 ist die Bundestagswahl. Die politischen Weichen werden neu gestellt. Die wichtigsten Informationen:

Wie groß ist der Wahlkreis?

Zum Wahlkreis (WK) 105 (auch Mettmann II genannt) gehören die Städte Heiligenhaus, Ratingen, Velbert und Wülfrath.

Wahllokale, Briefwahl und Öffnungszeiten am Wahltag:
Wo finde ich Informationen?

Die Internetauftritte der beteiligten Städte werden in den kommenden Monaten ihre Informationen aktualisieren. Wichtige Hinweise gibt es auch auf www.kreis-mettmann.de.

 Peter Beyer (CDU) stellt sich erneut für den Bundestag zur Wahl.
Peter Beyer (CDU) stellt sich erneut für den Bundestag zur Wahl. Foto: dpa/Christophe Gateau

Wie sahen die Ergebnisse insgesamt aus?

 Kerstin Griese (SPD) ist Parlamentarische Staatssekretärin.
Kerstin Griese (SPD) ist Parlamentarische Staatssekretärin. Foto: dpa/Arne Immanuel Bänsch

Beide große Parteien büßten sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen ein. Der Erststimmenanteil für den Wahlkreiskandidaten der CDU, Peter Beyer, rutschte mit 42,7 % auf ein historisches Tief ab. Lediglich 1972 wurde ein noch geringerer Wert (39,8 %) erreicht. Für das Direktmandat reichte es dennoch aus. Peter Beyer zog erneut mit 39,3 % der Erststimmen direkt in den Bundestag ein. Kerstin Griese von der SPD kam mit 14 426 Erststimmen auf magere 27,1 %. Sie verlor 3178 Stimmen gegenüber 2013 und verschlechterte ihr Vorwahlergebnis um -6,8 Prozentpunkte. Es war das schlechteste Erststimmenergebnis für die SPD in Ratingen überhaupt. Die erstmals kandidierende Dr. Anna-Tina Pannes konnte für die FDP aus dem Stand satte 10,1 % holen und gegenüber dem Vorwahlkandidaten beachtliche Gewinne in Höhe von 7,8 Prozentpunkte aufweisen. Dahinter steht ein absoluter Zuwachs von 4186 Stimmen. Die CDU erreichte in Ratingen nur noch 34,9 % der Zweitstimmen und sackte damit auf ein Rekordtief ab. Mit einem Verlust von -4674 Stimmen und einem Rückgang um -9,9 Prozentpunkten fiel sie unter ihren bisherigen Tiefstwert von 2009, wo sie auf 36,3 % kam. Betrachtet man das Verhältnis gültiger Parteistimmen, bezogen auf alle Wahlberechtigten, die sogenannte Mobilisierungsquote, zeigt sich sehr deutlich ein Mobilisierungsdefizit. Konnte die CDU bei der Vorwahl noch 33,7 % aller Wahlberechtigten für sich mobilisieren, so waren es aktuell nur noch 27,3 %. Die SPD ist mit 21,5 % ebenfalls auf ein historisches Tief abgesunken. Damit blieb sie zum dritten Mal in Folge unter der 30 %-Marke. Sie verringerte ihr Vorwahlergebnis um 6,3 Prozentpunkte und verlor 2979 Zweitstimmen.

Während sich die Wahl auf Bundesebene zu einem spannenden Rennen um den dritten Platz entwickelte, waren die Positionen in Ratingen früh klar. Die FDP behauptete sich souverän mit 18,4 % als drittstärkste Partei. Nach ihrer herben Niederlage von 2013 stellte sich für die FDP wieder ein für Ratingen traditionelles zweistelliges Ergebnis ein. Mit einem Zugewinn von 5977 Zweitstimmen (11,0 Prozentpunkten) ist die FDP haushoher Gewinner dieser Bundestagswahl. Mit 14,4 % gelang es ihr nahezu annähernd so viele Wahlberechtigte zu mobilisieren wie der SPD. Mit 7,4 % erzielten die Grünen ein ähnliches Ergebnis wie 2013 (7,0 %). Sie konnten ihr Wählerpotential leicht steigern von 5,2 % auf 5,8 %. Die Linke verbesserte mit 6,3 % ihr Vorwahlergebnis um 1,6 Prozentpunkte. Die AfD legte in der Wählergunst auch in Ratingen, wenn zwar in geringerem Umfang als auf Bundesebene, deutlich zu. Mit 8,4 % und 4466 Zweitstimmen wurde sie in Ratingen viertstärkste Kraft. Sie erhöhte ihren Zweitstimmenanteil um 4,0 Prozentpunkte.

Wie sahen die Ergebnisse bei
den Direktkandidaten aus?

Bei der Bundestagswahl 2017 waren 61,5 Millionen Deutsche in 299 Wahlkreisen dazu aufgerufen, ihre Volksvertreter im neuen Parlament zu wählen. Auch im Wahlkreis Mettmann II konnten die Volljährigen mit deutscher Staatsbürgerschaft ihre Erststimme für einen Direktkandidaten und die Zweitstimme für den Sitzanteil einer Partei im neuen Bundestag abgeben. Die Stimmenverteilung im Überblick: Peter Beyer (CDU): 39,3 %; 48 689 Stimmen; Kerstin Griese (SPD): 30,2 %; 37 468 Stimmen; Frank Herrmann (Piraten): 1,2 %; 1451 Stimmen; Rainer Köster (Die Linke): 5,5 %; 6825 Stimmen; Dr. Ophelia Nick (GRÜNE): 6,1 %; 7567 Stimmen; Dr. Anna-Tina Pannes (FDP): 8,7 %; 10 795 Stimmen; Bernd Ulrich (AfD): 9,0 %; 11 143 Stimmen.

Wer tritt bei der
Bundestagswahl an?

CDU Von 84 gültigen Stimmen der CDU-Mitglieder in den digital vernetzten Hallen in Ratingen und Heiligenhaus erhielt Peter Beyer 79 Ja-Stimmen und geht somit gestärkt mit einem Ergebnis von 94 Prozent mit dem Rückhalt seiner Partei in den Wahlkampf.

Die Wahlkreismitgliederversammlung zur Aufstellung eines CDU-Wahlkreisbewerbers im WK 105 fand zeitgleich in der Ratinger Stadthalle und in der Aula des Kant-Gymnasiums in Heiligenhaus statt. Dazu wurde eine Live-Schaltung zwischen den beiden Standorten hergestellt. Live aus Berlin wurde dann Ralf Brinkhaus zugeschaltet.

Peter Beyer ist gebürtiger Ratinger. Seit 1996 ist er Mitglied der CDU. Ab 2004 bekleidete er unterschiedliche Ämter auf kommunaler Ebene. Bei der Bundestagswahl im September 2009 kandidierte er erstmals als Spitzenkandidat der CDU für den Mettmanner Nordkreis und wurde mit 39,8 Prozent der Stimmen direkt in den Deutschen Bundestag gewählt. Mit seinem Sieg konnte die CDU erstmals seit 1994 im Nordkreis wieder das Direktmandat für sich gewinnen.

Im Jahr 2013 zog er mit 45,6 Prozent der Erststimmen in den Bundestag ein. Bei den Bundestagswahlen 2017 gelang ihm erneut ein Sieg für die CDU. Im April 2018 wurde er in das Regierungsamt des Koordinators für die Transatlantische Zusammenarbeit berufen.

SPD 

„Ich will weiterhin als Abgeordnete vor Ort präsent sein und will gleichzeitig in Berlin Politik gestalten, um das Leben der Menschen zu verbessern“, sagte Kerstin Griese, die wieder in den Bundestag einziehen will. „Ohne die SPD hätte es viele Erfolge nicht gegeben“, nannte die Sozialstaatssekretärin mit der Grundrente und der Beendigung der Ausbeutung in der Fleischindustrie und den Paketunternehmen zwei Beispiele. „Vertrauen ist wichtig in der Politik“, sagte Griese in ihrer Rede. Der ehemalige Velberter Landtagsabgeordnete Wolfgang Werner lobte Kerstin Griese nach ihrer Rede für ihren großen Einsatz im Wahlkreis. Dies sei Griese trotz ihrer zeitraubenden Verpflichtungen als Parlamentarische Staatssekretärin gelungen. „Sie hat noch mal eine Schüppe draufgelegt“, so Werner. Kurtula Gößl (Wülfrath) wies auf das große „Verantwortungsgefühl“ hin, das Griese im Arbeits- und Sozialministerium bei ihrem Einsatz für die Menschen bewiesen habe. Doris Mause (Ratingen) befürwortete es, dass Griese die Themen der SPD im Wahlkampf noch offensiver vertritt um die Unterschiede zur CDU/CSU zu verdeutlichen.

Grüne

Die Grünen im Kreis haben in einer Online-Mitgliederkonferenz Ophelia Nick für den Wahlkreis Mettmann Nord bestimmt. Nick betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit einer Agrar- und Ernährungswende im Land: „Die Art, wie wir uns ernähren und wie wir Landwirtschaft betreiben, hat sicherlich was mit uns als Person zu tun, aber auch mit der Welt, in der wir leben“, sagte die 47-Jährige. Ernährung, Tierwohl und Artenvielfalt sei ein riesiges Thema, dem sie sich im Wahlkampf und im Bundestag widmen möchte. Ophelia Nick ist promovierte Tierärztin, Landwirtin und Buchautorin; zuletzt brachte sie das Buch „Neue Bauern braucht das Land“ heraus. Zudem engagiert sich die Wülfratherin unter anderem als Gründungsmitglied für den Verein „Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft“. Bei den Grünen ist die Tierliebhaberin unter anderem als Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und ländliche Entwicklung aktiv. Die Wülfratherin war vier Jahre im Landesvorstand NRW tätig sowie fünf Jahre Kreissprecherin im Kreis Mettmann.

Die Linke

Für den Wahlkreis Mettmann II kandidiert Birgit Onori, die gelernte Krankenschwester, erklärt zu ihrer Kandidatur: „Mein Ziel ist es, im Wahlkampf eine Alternative zu der neoliberalen Gesundheits- und Pflegepolitik von Jens Spahn und der Union aufzuzeigen. Das Gesundheitssystem und die Pflege müssen endlich der Logik des Marktes entzogen werden. So wie bisher hilft es weder den Pflegenden noch den Gepflegten. Als Linke liegt mir die Überwindung der bestehenden Ungleichbezahlung zwischen Männern und Frauen am Herzen. Ich möchte ein Klima schaffen in dem Frauen selbstverständlich in Führungspositionen vertreten sind.“

FDP 

Für Mettmann II tritt Jessica Denné-Weiß an, Schatzmeisterin des FDP-Ortsverbands Heiligenhaus. Sie ist 39 Jahre alt und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Heiligenhaus. Sie ist Betriebs-, Volkswirtin und Bauingenieurin. Sie möchte sich auf Bundesebene insbesondere für die Themen solide und nachhaltige Staatsfinanzen, Bildung sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie stark machen. Darüber hinaus ist ihr die kontinuierliche Weiterentwicklung der Infrastruktur im Hinblick auf das Thema Mobilität im Kreis Mettmann ein zentrales Anliegen. „Mit Jessica Denné-Weiß hat die Kreis-FDP eine junge, hochmotivierte und engagierte Kandidatin nominiert. Der Kreisverband wird ihr jede Unterstützung geben und damit die Voraussetzung für ein gutes Wahlergebnis im September 2021 schaffen“, erklärte FDP-Kreisvorsitzender Dirk Wedel.

AfD

Es gibt noch keinen Kandidaten. Man habe Probleme, einen Raum zu bekommen, in dem alle Wahlberechtigten corona-konform Platz finden, um einen Kandidaten zu nominieren, hieß es in einer Mitteilung. Man geht von einer fristgerechten Lösung aus.