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Interview: Paderborner Familie mit Fliegerbombe im Garten: „Wir dachten erst, es wäre ein Gastank“

Interview : Paderborner Familie mit Fliegerbombe im Garten: „Wir dachten erst, es wäre ein Gastank“

Im Garten von Familie Werth liegt seit Jahren ein Weltkriegblindgänger. Wie die Bombe entdeckt wurde und warum sie zur Zeit schlecht schlafen, erzählen die Eheleute im Interview.

Paderborn. Seit mehr als einer Woche wissen Stefan Werth und seine hochschwangere Frau aus Paderborn, dass sie jahrelang auf einem Pulverfass gelebt haben: In ihrem Garten sind sie auf einen riesigen Weltkriegs-Blindgänger gestoßen.

Seine Entschärfung am Sonntag sorgt für die größte Evakuierungsmaßnahme der Stadt in der Nachkriegsgeschichte. Wie schwer es ist, darauf zu vertrauen, dass alles gut geht, berichtet das Ehepaar im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Katja Werth: Gerade die ersten Tage war es schlimm und ich konnte gar nicht so recht einschlafen. Man denkt: Was könnte alles passieren? Was wenn jemand der Grube zu nahe kommt? Zwar versichert man uns, dass keine akute Gefahr besteht. Aber den Anwohnern wurde schon geraten, bei der Evakuierung die wichtigsten Dokumente und persönlichen Gegenstände mitzunehmen. Dann weiß man schon, dass es kein großer Spaß ist, sondern ziemlich ernst.

Stefan Werth: Wir dachten alle erst, es wäre ein verosteter Gastank. Was da liegt, entspricht gar nicht unserem klassischen Bild einer Bombe. Die Form ist eher rund vorne als konisch. Aber als der Vorarbeiter des Gartenbauunternehmens mit einem Hammer dagegen schlug, erklang ein Ton, den ich so noch nie gehört habe. Es klang gar nicht hohl, sondern wie ein dumpfes 'Plok', und mir wurde ganz mulmig zumute. So mulmig, dass ich sofort im Internet gegoogelt habe. Ich bin dann nach einiger Zeit auf Fotos von einem Blindgänger des Typs „HC 4000“ gestoßen, der vergangenes Jahr in Frankfurt für eine Riesenevakuierung gesorgt hatte. Da war mir klar: Sowas könnte in meinem Garten liegen.

Stefan Werth zeigt ein Smartphone-Foto der Bombe auf seinem Grundstück. Foto: Friso Gentsch/dpa

Stefan Werth: Wenn man sieht, wie bei denen die Augen leuchten, ist klar, dass das schon ein besonderer Fund ist. Nervös und besonders konzentriert wurden sie, als es um die Zünder ging. Zum Glück ist bei diesem Modell fast immer ein mechanischer Zünder eingebaut, nicht diese Langzeitzünder, bei denen man nicht wirklich weiß, wie sie sich nach sehr langer Zeit verhalten.

Stefan Werth: Das wird man nach und nach. Das Thema ist schon eines, was berührt, weil es darüber nachdenken lässt, was sich im Zweiten Weltkrieg hier abgespielt hat. Was mich natürlich auch beschäftigt, ist, dass ich vor neun Jahren dieses Haus mit sehr viel Eigenleistung kernsaniert habe. Da steckt viel Liebe drin. Jetzt rückt der Zeitpunkt näher, dass man drüber nachdenken muss, dass das Ganze auch nicht gutgehen kann. Ich befürchte nicht, dass die Bombe explodiert, aber was ist, wenn sich ein Zünder nicht rausdrehen lässt? Wenn es zu einer Notsprengung kommt? Wie wären wir im Schadensfall abgesichert? Dass nicht alles glatt geht, ist für uns durchaus ein realistischer Gedanke.