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NRW: So lief Silvester 2021/22 in Wuppertal, Krefeld und Düsseldorf

NRW-Bilanz : So lief die Silvesternacht in Wuppertal, Krefeld und Düsseldorf

Vielerorts ruhig, in einigen Fällen aber „intensiv“ - der Start ins Jahr 2022 ist in NRW sehr unterschiedlich verlaufen - dabei sind leider auch Menschen ums Leben gekommen. Hier gibt es den großen Überblick mit den Angaben aus Wuppertal, Krefeld und Düsseldorf.

Viele Polizeidienststellen in Nordrhein-Westfalen meldeten eine eher ruhige Silvesternacht. An manchen Orten hatten die Kollegen dennoch alle Hände voll zu tun. Ein Überblick:

Die Polizei hat in NRW in der Silvesternacht mehr Straftaten und mehr Verletzte registriert als im Vorjahr. Die Zahl der Körperverletzungen habe sich auf 303 verdoppelt, teilte die Landesleitstelle in Duisburg am Samstag mit. Gefährliche Körperverletzungen registrierte die Polizei in 93 Fällen, im Vorjahr waren es 62.

In Krefeld habe es nur wenige Verstöße gegen die Böller-Verbotszonen gegeben, erklärte ein Sprecher der Polizei unserer Redaktion. Nach Angaben von Feuerwehr und Polizei war die Silvesternacht in Krefeld vergleichsweise ruhig verlaufen, dennoch kam es zu einigen Einsätzen. Auf dem Ostwall kam es zu einer Kopfnuss-Attacke und in Linn löschten Anwohner einen Brand - laut Angaben der Polizei könnte es sich um eine Brandstiftung gehandelt haben. >>> Hier finden Sie einen Überblick über die Einsätze in Krefeld <<<

Auch ein Sprecher der Feuerwehr in Wuppertal erklärte unserer Redaktion, es habe nur kleinere Brände gegeben, etwa von Mülltonnen. Die Polizei in Wuppertal meldete einen Raub an der Friedrichstraße. Nach den Angaben schlugen fünf Personen nach einem kurzen Gespräch auf zwei Männer (21 und 25 Jahre alt) ein und stahlen ein Mobiltelefon. Insgesamt habe die Polizei in Wuppertal in 186 Fällen eingreifen müssen, darunter 12 Körperverletzungen, 11 Sachbeschädigungen und 31 Ruhestörungen. Es sei auch zu Würfen mit Pyrotechnik auf Menschen oder vorbeifahrende Fahrzeuge gekommen, Verletzte habe es dabei aber nicht gegeben. In 13 Fällen sei so ein unsachgemäßer Umgang mit Böllern gemeldet worden.

Auch in Düsseldorf war die Polizei nach eigenen Angaben gut beschäftigt. In der Altstadt habe es zeitweise größere Menschenansammlungen gegeben. In der Landeshauptstadt hatte sich bei milden Temperaturen die Altstadt gut gefüllt und die Polizeimusste mit Lautsprecher-Durchsagen am Rheinufer mehrfach auf die Einhaltung der Abstandsregeln hinweisen. Positiv zu vermerken sei, dass es keine Widerstandshandlungen und keine Attacken auf Polizisten geben habe. Die Stimmung sei nicht besonders aggressiv gewesen. Sexualdelikte an Frauen seien zunächst keine angezeigt worden. Ein Polizist starb während seines Einsatzes in Düsseldorf, eine illegale Party wurde aufgelöst.

Ein Elfjähriger hat sich am Neujahrstag beim Hantieren mit Feuerwerkskörpern in Mönchengladbach schwere Verbrennungen zugezogen. Er sei mit schweren Verletzungen an Händen, Gesicht und Oberkörper per Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen worden, teilte die Feuerwehr am Samstag mit. Rettungskräfte hatten ihn zuvor vor Ort erstversorgt.

Die Polizei in Mönchengladbach zählte insgesamt 186 Einsätze in der Silvesternacht. Kurz nach Beginn des neuen Jahres habe die Anzahl der eingehenden Notrufe deutlich zu genommen „und beschäftigte die Einsatzkräfte durchgehend bis zum Morgen“, hieß es. Es sei zu sechs Köperverletzungsdelikten mit leicht verletzten Personen gekommen. In drei Fällen sei gegen polizeiliche Maßnahmen Widerstand geleistet worden. Sechs Menschen seien in Polizeigewahrsam genommen worden.

Am Niederrhein berichtete die Polizei in Kleve von vielen Beschwerden wegen Ruhestörung. Auch dort hätten viele Menschen aus dem Böllerverkaufsverbot irrtümlich auf ein Böllerverbot geschlossen. Ansonsten sei es sehr ruhig gewesen.

In Münster und Dortmund dagegen war laut Polizei kaum etwas los. „Hier ist tote Hose“, hieß es aus Münster.

In Köln kamen nach Angaben eines Polizeisprechers von Mitternacht an relativ viele Menschen in die Innenstadt und ans Rheinufer. Vor allem in der Altstadt und auf den Ringen seien Abstände nicht eingehalten worden. Die Polizei habe das Ordnungsamt bei der Kontrolle der Corona-Schutzmaßnahmen unterstützt. In einer Waffenverbotszone kam es zu einem Messerangriff - Partys mit Hunderten Gästen wurden aufgelöst.

In der Silvesternacht ist die Scheibe des Kölner Wahlkreisbüros von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eingeworfen worden. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen aufgenommen, sagte ein Sprecher der Polizei. Zuvor hatte der Kölner „Express“ über die Attacke berichtet.

Lauterbach sagte am Neujahrstag der Deutschen Presse-Agentur, wegen vorangegangener Sachbeschädigungen mit Parolen und entsprechender Drohmails gehe er davon aus, dass die erneute Attacke auf sein Büro aus den Reihen radikalisierter Impfgegner und Corona-Leugner heraus verübt wurde.

„Diese Menschen repräsentieren nicht die Gesellschaft, wo ja wirklich der überwältigende Teil zusammenhält und versucht, alles gegen die Pandemie zu tun“, sagte der Minister. „Sie repräsentieren eine ganz kleine Splittergruppe, die selbstgerecht glaubt, hier einen anderen Weg gehen zu müssen und die sich dabei verrannt hat. Das ist einfach nur traurig.“

Am 10. Dezember war das Büro mit Parolen wie „Krankheitsminister“, „Mörder“ und „Psycho Lauterbach“ beschmiert worden. Wann genau in der Jahreswechselnacht das mehr als faustgroße Loch in die Scheibe des Ladenlokals geschlagen worden war, sei unklar, hieß es aus dem SPD-Ortsverein.

Aus Hennef bei Bonn wurde ein tödlicher Unfall gemeldet. Bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers kam ein 37-Jähriger ums Leben, ein 39-Jähriger wurde lebensgefährlich verletzt. Die beiden Männer hatten mit einer zehnköpfigen Gruppe Silvester gefeiert und sich kurz nach Mitternacht Zeugenaussagen zufolge etwas von der Gruppe abgesetzt.

Plötzlich habe es einen sehr lauten Knall gegeben und die beiden hätten schwer verletzt am Boden gelegen. Die Polizei vermutete am frühen Samstagmorgen, dass es sich um einen selbstgebauten Böller gehandelt haben könnte.

Im Kreis Neuss berichtete die Polizei von einer unruhigen Nacht - unruhiger als im Vorjahr. Es habe eine Reihe von Körperverletzungen und auch Widerstandshandlungen gegen Polizisten gegeben. Acht Menschen seien in Gewahrsam genommen worden. Zu schwerwiegenderen Straftaten sei es aber nicht gekommen.

In Detmold, wo die Polizei allein im Kreis Lippe mehr als 100 silvesterbedingte Einsätze zählte und am Ende der Nacht meldete: „Unsere Zellen sind voll.“

Zu vielen Anrufen habe die irrtümliche Annahme in der Bevölkerung geführt, es gebe ein Böllerverbot. Deswegen seien reihenweise Ruhestörungen gemeldet worden.

Es sei „relativ ruhig“ geblieben, berichtete die Polizei aus Essen und Mülheim/Ruhr. 124 Silvester-Einsätze seien in den Ruhrgebietsstädten nichts Besonderes. So seien die üblichen Körperverletzungsdelikte registriert worden. Ansonsten sei nichts Herausragendes geschehen. Etwas mehr Betrieb meldete die Essener Feuerwehr. Mit fast 190 Einsätzen seien 43 mehr absolviert worden als im Vorjahr.

Die Polizei in Hamm zeigte sich mit der Silvesternacht „sehr zufrieden“: „Keine besonderen Vorkommnisse.“ Im Hochsauerlandkreis blieb es ebenfalls ruhig. Die Zahlen dümpelten auf Vorjahresniveau. „Mord, Totschlag - alles nicht passiert bei uns“, sagte ein Polizeisprecher in Meschede.

Die Bochumer Feuerwehr berichtete von einem sehr ruhigen Jahresstart. Während vor der Pandemie die Notrufe ab Mitternacht nicht mehr abgerissen seien, seien in der ersten Stunde dieses Jahres lediglich zwölf Einsätze gezählt worden. Ein Mensch sei durch eine Feuerwerksrakete im Gesicht schwer verletzt worden. Es seien insgesamt aber deutlich weniger Menschen verletzt worden als vor der Pandemie.

Trotz des Feuerwerk-Verkaufsverbots wurde mancherorts kräftig geknallt, auch Raketen waren zu sehen. Ein allgemeines Böllerverbot gab es nicht. Viele Städte hatten jedoch bestimmte öffentliche Bereiche als böllerfreie Zonen ausgewiesen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) dankte der Polizei für ihren Einsatz in der Silvesternacht. Er hatte am Freitagabend eine Polizeiwache in der Kölner Innenstadt besucht und Beamte bei ihrer Arbeit im Umfeld des Doms begleitet.

Der Verkauf von Feuerwerk war vor Silvester - wie schon 2020 - bundesweit erneut verboten. Ein generelles Knall-Verbot gab es zwar nicht. Aber viele Städte wiesen öffentliche Bereiche aus, in denen keine Böller und Raketen gezündet werden durften.

Zudem galten strenge Kontaktbeschränkungen. Laut der aktuellen Corona-Schutzverordnung des Landes durften sich geimpfte und genesene Menschen an Silvester mit höchstens zehn Personen treffen - egal, ob drinnen oder draußen.

Ungeimpfte durften die Jahreswende mit maximal zwei Personen eines anderen Haushalts verbringen. Darüber hinaus waren öffentliche Tanzveranstaltungen untersagt, Clubs und Diskotheken blieben in NRW geschlossen.

(pasch/dpa)