WM: NRW-Integrationsminister posiert im Gündogan-Trikot - Warum Stamp sich solidarisiert

WM : NRW-Integrationsminister posiert im Gündogan-Trikot - Warum Stamp sich solidarisiert

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp zeigt sich im Trikot des derzeit umstrittenen Nationalspielers Ilkay Gündogan. Seine Motive erklärt er in einem Facebook-Post.

Düsseldorf. NRW-Integrationsminister Stamp sorgt auf Facebook für Diskussionen. Am Sonntagnachmittag veröffentlicht er ein Foto, das ihn im Trikot des derzeit umstrittenen Nationalspielers Ilkay Gündogan zeigt. Gündogan und Mannschaftskollege Özil stehen wegen Wahlkampfhilfe für den türkischen Autokraten Erdogan in der Kritik.

Diese Kritik teilt auch Stamp - darauf legt der FDP-Mann in seinem Posting ausdrücklich wert. Dennoch sieht er seine Aktion als notwendig an:

"Ja, auch ich war enttäuscht und verärgert über das gemeinsame Foto des türkischen Autokraten mit Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Ich habe die Aktion als Integrationsminister von Nordrhein-Westfalen öffentlich kritisiert und hinterfragt, ob das Integrationskonzept des DFB funktioniert", schreibt der FDP-Politiker. Und weiter: "Es war von beiden Spielern naiv und unverantwortlich, sich vor den Wahlkampfkarren von Erdogan spannen zu lassen. Deutliche Kritik war gerade deshalb notwendig, weil Gündogan und Özil Vorbilder für viele Jugendliche sind, ganz besonders für viele, deren Eltern oder Großeltern aus der Türkei stammen. Aufgrund ihrer Erfolge sind sie Idole, die nicht nur sportliche Orientierung geben."

Zu der T-Shirt-Aktion gebracht hätten ihn Pfiffe gegen Gündogan beim Vorbereitungsspiel gegen Sudi-Arabien - bei jedem Ballkontakt: "Diese Pfiffe im Stadion waren (...) keine Kritik mehr, sondern grundsätzliche Ablehnung: Gegenüber einem Spieler, der sich für die deutsche Mannschaft entschieden hat, sich für Integration einsetzt - der sogar die Hymne mitsingt. Und der jetzt einen Fehler gemacht hat, ja. Aber offenbar gelten gegenüber den ,neuen Deutschen', bei den Kindern aus Einwandererfamilien andere Maßstäbe, was Fehlerkultur betrifft", so der Minister weiter. Und er fragt: "Geht es wirklich um Kritik an einem Fehler oder lehnt nicht in Wahrheit ein Teil der ,Fans' den Spieler aufgrund seiner Herkunft ab und hat jetzt ein Ventil gefunden?"

Mit seiner Aktion wolle er ein Zeichen setzen gegen "grundsätzliche Ressentiments" gegen Migration, die es in Teilen der GEsellschaft gebe. Stamp: "Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass Einwanderung Bereicherung bedeutet, aber auch Konflikte, Auseinandersetzungen um Lebensformen und Haltungen. Die offene Gesellschaft kann und sie darf auch nicht konfliktfrei sein. Aber Konflikte müssen zivilisiert und fair ausgetragen werden." Und er verspricht, mit seinem Ministerium eine solche Diskussion anzustoßen.

135 Mal wird der Beitrag des Ministers binnen vier Stunden geteilt (Stand 17 Uhr), Mehr als 700 Gefällt-Mir-Angaben sammelt er ein. Knapp 100 Kommentare sind zu lesen. Deren Bandbreite ist groß:

"Das muss man wahrlich nicht unterstützen, Pfiffe gerechtfertigt", stellt sich Werner Schlimbach gänzlich gegen den Minister.

"Ein Statement, welches mich sehr zum Nachdenken anregt. Gündogan ist den Gang nach Canossa gegangen, hat sich entschuldigt und sich der Presse gestellt. Genau dies habe ich allerdings bei Özil vermisst. Es stünde ihm sicher gut zu Gesicht, sich ebenfalls zu äußern. Nichts desto trotz würde ich nicht das eigene Team auspfeifen", schreibt zum Beispiel Alexander Ziegler.

Bruno Jennrich wiederum findet Stamp für die ganze Aktion einfach nur "unwählbar". ger

Mehr von Westdeutsche Zeitung