„November-Phänomen“ bringt 400 Kilometer Stau in NRW

Chaos auf den Autobahnen : „November-Phänomen“ bringt 400 Kilometer Stau in NRW

Der erste Regen sorgte für Chaos zum Wochenstart. Auf den Straßen bleibt es voll – und dann wird es auch noch kalt.

Für viele Berufspendler ist das einzige Licht, das sie am Montagmorgen auf dem Weg zur Arbeit gesehen haben, das Bremslicht des Vordermanns gewesen: Mehr als 400 Kilometer Stau gab es auf den NRW-Autobahnen an diesem düsteren, nassen Morgen. Zum Vergleich: Am ersten Tag der Sommerferien waren es in der Spitze rund 300 Kilometer. Das, was Experten als „November-Phänomen“ kennen, hat das Bundesland fest im Griff. In diesem Jahr schlägt es besonders heftig zu – aufgrund der langen Trockenheit zuvor.

Auf der A 3, A 46 und A 57 stockte der Verkehr am Montag schon vor 7 Uhr stark, besonders heftig war es für Autofahrer vom Niederrhein und aus dem Ruhrgebiet Richtung Düsseldorf auf der A 52: Vor Büderich gab es 20 Kilometer Stau und eine Stunde Fahrtzeit mehr als sonst für die Pendler, zwischen Essen und der Landeshauptstadt staute es sich auf zehn Kilometern. Laut Autobahnpolizei gab es zwar keine schwerwiegenden Zusammenstöße, aber eine Vielzahl von Unfällen mit Blechschäden, die immer wieder einzelne Fahrspuren blockierten.

Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, wundert das angesichts der Wetterverhältnisse nicht. Denn nach langer Trockenheit sammele sich ein Film aus Reifenabrieb, Öl und Staub auf der Straße, der beim ersten Regen besonders glitschig werde und zu „einer deutlichen Verlängerung der Bremswege“ führe. Susanne Schlenga von Straßen NRW glaubt, dass aber auch das Fahrverhalten selbst dazu führt, dass der Verkehr langsamer rollt: „Sie fahren bei Regen anders. Und wenn es lange trocken war, wird das Verhalten noch vorsichtiger.“

Die Umstellung auf den nassen, dunklen Herbst, die in diesem Jahr nach der langen Dürre besonders schwerfällt, ist einer der Hauptrisikofaktoren für Stau, die laut ADAC Nordrhein allesamt auf den November zutreffen: Viele Menschen steigen aufgrund der Wetterverhältnisse von Rad und Bahn auf das Auto um, verursachen so zusätzlichen Verkehr und müssen sich erst wieder ans Fahren gewöhnen; nur wenige Menschen sind im Urlaub, auch das sorgt für mehr Autos auf den Straßen; es wird mit besonderem Hochdruck gebaut, damit die Straßen vor dem Frost fertig werden. „Das kommt jetzt zusammen“, sagt ADAC-Sprecher Christopher Köster. „Der November ist tatsächlich der Stau-Monat, das ist kein Mythos.“

1381 Unfälle auf den Autobahnen nur im November 2017

Auf Vorsicht zu verzichten, kann indes nicht die Lösung sein: „Grundsätzlich langsamer zu fahren, ist begrüßenswert“, sagt Susanna Heusgen, Sprecherin des Düsseldorfer Präsidiums, dessen Autobahnpolizei für 700 Kilometer Straße bis Wuppertal und ins Ruhrgebiet zuständig ist. Denn die dunkle Jahreszeit ist nicht nur Stau-, sondern auch Unfallzeit. 3232 Unfälle auf den Autobahnen der Region zählte man im zweiten Quartal 2017 (April bis Juni), im vierten Quartal (Oktober bis Dezember) hingegen 4061 – unfallträchtigster Monat war eben der November mit 1381 Zusammenstößen. Entwarnung kann es auch jetzt, da der erste Regen gefallen ist, nicht geben: „Nächste Woche wird es kalt“, warnt Heusgen. Und der erste Frost mit Straßenglätte falle bei Staus und Unfällen noch schwerer ins Gewicht.

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