Städtebau Neuer Anlauf für Bauprojekt in Wuppertal Küllenhahn

Wuppertal · Die geplanten Wohnhäuser sind zu teuer, zudem fehlt die Baugenehmigung – Prüfung durch Straßen NRW auch wegen des angrenzenden Burgholztunnels

Nicht nur der Bahnhof Küllenhahn verfällt, offenbar auch das Interesse am dort geplanten Neubaugebiet, das nun angepasst wird.

Nicht nur der Bahnhof Küllenhahn verfällt, offenbar auch das Interesse am dort geplanten Neubaugebiet, das nun angepasst wird.

Foto: Andreas Fischer

Das Bauprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs Küllenhahn ist ins Stocken geraten und muss neu aufgesetzt werden. Ursprünglich sollten dort bis Anfang des Jahres 2025 zehn Doppelhaushälften entstehen – mit jeweils 145 Quadratmetern Wohnfläche auf drei Etagen, zwei Außenstellplätzen und einem Garten, der an die Sambatrasse grenzt (die WZ berichtete). Das marode Bahnhofsgebäude sollte bereits Anfang dieses Jahres abgerissen werden, doch es steht noch und von Bautätigkeiten seitens des Investors Kondor Wessels ist nichts zu sehen.

Die hohen Preise haben potenzielle Käufer abgeschreckt

„Die Marktsituation birgt momentan einige Herausforderungen, mit denen sich die Projektentwickler und Baubetriebe auseinandersetzen müssen“, teilt Lisa Heller von der Unternehmenskommunikation bei Kondor Wessels auf Nachfrage der WZ mit. Dies erfordere ein Umdenken verschiedener Aspekte eines Bauprojekts, „so auch in unserem Fall“. Da mögliche Anpassungen zunächst mit dem Gestaltungsbeirat der Stadt besprochen würden, wolle sich das Unternehmen zu den weiteren Plänen und den Gründen noch nicht äußern. Das Gremium des Beirats setzt sich aus unabhängigen, überregional arbeitenden Architekten und Planern sowie aus Vertretern aus Politik und Verwaltung zusammen und ist involviert, wenn es etwa um die Integration der Gebäude ins Stadtbild geht. Auch die Stadt selbst hält sich allerdings bedeckt und lässt nur verlauten, dass sich die Verwaltung „zu privaten Investitionsvorhaben Dritter nicht äußern“ könne.

Wie die WZ nun aber über Cronenbergs Bezirksbürgermeisterin Miriam Scherff (SPD) erfuhr, liege der Grund für die Verzögerung des Bauprojekts in zwei Aspekten: „Die Häuser müssen zu einem erschwinglichen Preis angeboten werden, denn festgestellt wurde offenbar, dass die zuerst kalkulierten Preise bis zu 700 000 Euro pro Doppelhaushälfte potenzielle Käufer eher abschrecken.“ Dieser Plan soll daher jetzt in gewisser Weise reduziert werden, „was aber bedeutet, dass Kondor Wessels bezüglich der Planung bei Null anfangen muss und die neuen Entwürfe dann erst wieder in den Gestaltungsbeirat gehen.“

Dass auch die Baugenehmigung noch nicht erteilt wurde, hänge aktuell vor allem mit einer fehlenden Stellungnahme seitens des Landes zusammen. Denn das 4000 Quadratmeter große Grundstück grenzt unmittelbar an den Burgholztunnel. Hier müsse sichergestellt werden, dass dieser Umstand für das Grundstück und damit die darauf zu bauenden Häuser keine Beeinträchtigung darstelle, so Scherff. Schließlich stand der ehemalige Bahnhof vor dem Bau des Tunnels schon dort, wohingegen mehrere Wohnhäuser andere Grundlagen schaffen würden.

Einen Bezug des Geländes zur L418 und dem Burgholztunnel bestätigt auch der Landesbetrieb Straßenbau NRW, „da sich das betreffende Gelände oberhalb unseres Bauwerks befindet“, teilt ein Sprecher mit. So sei das geplante Bauvorhaben Gegenstand eines Baugenehmigungsverfahrens bei der Stadt Wuppertal.

Allerdings sei die Baugenehmigung aufgrund der Anpassung der Baupläne obsolet, ergänzt Miriam Scherff. „Das muss also neu verhandelt werden.“ Prinzipiell bestehe für das Grundstück an der Harzstraße, das das Unternehmen erworben hat und in das es etwa sieben Millionen Euro investieren will, weiterhin Baurecht. Eine alternative Nutzung sei nicht vorgesehen. „Auch die Lokalpolitik muss das weitere Verfahren abwarten, damit wir uns ein Bild von der neuen Situation machen können.“

Dass das ehemalige Bahnhofsgebäude noch nicht abgerissen worden sei, hänge auch damit zusammen, „dass es keinen Sinn habe, Geld für den Abriss zu investieren, wenn das daran anschließende Vorgehen noch nicht in trockenen Tüchern sei“, spekuliert Scherff.

Nach bisherigen Planungen, die das Unternehmen bei einem Ortstermin im November 2023 vorstellte und für das es auch im Internet wirbt, umfassen die Grundstücke im ersten Entwurf zwischen 245 und 440 Quadratmeter mit einer Wohnfläche von jeweils 145 Quadratmetern. Die Gebäude sollen mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und einer Luft-Wärme-Pumpe ausgestattet werden und über einen Glasfaser-Internetanschluss sowie eine Dachbegrünung verfügen.

Grundsätzlich sehe die Lokalpolitik ein Wohnprojekt auf dem Areal positiv, findet auch Oliver Wagner, Fraktionsvorsitzender der SPD Cronenberg. Schließlich sei die Lage idyllisch „und der Bahnhof nicht mehr zu retten“. Auch wenn die vom Investor anvisierten Preise vermutlich zu hoch gewesen seien, favorisiert Wagner an diesem Standort eine Wohnbebauung, die sich von der Masse abhebt. „Denkbar wären beispielsweise Häuser nach dem Prinzip der grünen Bauhaus-Bewegung für das 21. Jahrhundert, wie es das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung vorschlägt.“ Dabei wird Stahlbeton durch organische Materialien wie Holz oder Bambus ersetzt. Da der Sambaweg an dem Gelände vorbeiführt, „wäre auch ein Konzept denkbar, das auf klimafreundliche Radfahrfamilien ausgerichtet ist oder auch eine Tinyhouse-Siedlung, wie sie andernorts zunehmend realisiert werden. Denn für ein 08/15-Reihenhaus gibt es vermutlich bessere Lagen“, so Wagner.

„Das Unternehmen muss wissen, ob sich die Entscheidung letztlich auszahlt“, sagt Michael-Georg von Wenczowsky (CDU), stellvertretender Bezirksbürgermeister in Cronenberg. „Die öffentliche Hand ist da nicht gefragt.“ Gleichwohl befinde sich der Bahnhof „in einem absolut desolaten Zustand“. Dort habe sich schon vor vielen Jahren der Schwarzschimmel ausgebreitet, das Gebäude sei nicht mehr zu retten.