Nettetal: Stadtgrün an den Klimawandel anpassen

Nettetal : Grünanlagen sollen besser Feinstaub filtern

Die Pflanzen am Straßenrand sollen besonders gut zur Feinstaubfilterung geeignet sein.

Sitzungen von Betriebsausschüssen gelten in Redaktionen als wenig erquicklich, die Materie sei oft kompliziert und wenig verständlich. Die Sitzung des Betriebsausschusses Nettebetrieb am Donnerstag war anders. Da spielte Zukunftsmusik: Nettetal will seine Grünplanung verstärken und für die Konzeption entsprechend qualifiziertes Personal einstellen. Es geht dabei darum, auf den Klimawandel zu reagieren.

Die Verwaltung argumentiert, dass insbesondere die letzten beiden Sommer gezeigt hätten, wie der städtische Baumbestand und sämtliche Grünanlagen stark von Hitze, aber auch von Starkregen und anderen klimatischen Ereignissen betroffen waren. Hinzu kämen Folgeerscheinungen wie das Auftreten der Rußrindenkrankheit, des Massaria-Pilzbefalls sowie große Schäden insgesamt durch die langen Trockenperioden. Überall konnte man sehen, dass sich das Laub schon viel früher herbstlich verfärbt, manche Bäume, vor allem Nadelbäume, sind abgestorben, an anderen sind ganze Äste entlaubt. Das gilt für private Gärten genauso wie für das öffentliche Grün am Straßenrand.

Ältere Bäume haben einen erhöhten Grünpflegebedarf

Erschwerend kommt für die Verwaltung hinzu, dass der städtische Baumbestand meistens in den Gründungsjahren der Stadt Nettetal, also den 1970er Jahren angelegt wurde. Das heißt, nach rund 50 Jahren sind für den Baumbestand „strukturelle Überlegungen“ notwendig, denn der Pflegeaufwand nehme durch das Erreichen der Altersphase der Bäume stetig zu.

Im Rathaus will man die nachhaltige „Cradle to ­Cradle“-Strategie auch auf das Stadtgrün übertragen. Wie bekannt ist, hat sich Nettetal für alle Verwaltungsbereiche der C2C-Strategie verschrieben, also einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. So müssen auch die Bereiche Tiefbau und Stadtgrün einbezogen sein. Durch den intensiven Austausch mit der Nachbarstadt Venlo gab es wichtige Impulse für Nettetal. So sei es beispielsweise möglich, bei der Bepflanzung von Verkehrsinseln und Straßenrändern verstärkt Pflanzen mit positiven Umweltfaktoren auszuwählen. Gedacht wird dabei vor allem an eine verstärkte Filterfunktion für Feinstaub in der Luft, der besonders durch Autoverkehr entsteht. Zusammen mit einer ganzheitlichen Bepflanzungsstrategie für Nettetal, die ästhetische und ökologische Aspekte mit einbezieht, sei hier eine umfassende strategische Planung notwendig.

Neuer Mitarbeiter
entlastet die Stadt spürbar

Der Beschlussvorschlag sieht die Einrichtung einer zusätzlichen Sachbearbeitungsstelle im Bereich Grün des Betriebsbereichs Tiefbau vor. Die Stelle soll schnell besetzt werden, sobald der Wirtschaftsplan des Nettebetriebs 2020 inklusive der Stellenübersicht beschlossen sei. Im Sachgebiet Grün ist der Mitarbeiterbestand seit Mitte der 1980er Jahre gleich geblieben. Es sind zwei Ingenieursstellen der Fachrichtung Garten- und Landschaftsarchitektur. Vor etwa 15 Jahren wurden die Stunden der Sachgebietsleiterin auf 30 Wochenstunden gekürzt. Im Zuge des Stadtentwicklungskonzepts Grün wurde im August am Baubetriebshof eine zusätzliche Stelle für die Betreuung von Vergabeleistungen in der Grünpflege eingerichtet. Nach der Einarbeitung des Mitarbeiters sei eine Entlastung im operativen Bereich spürbar. Red

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