Im Sommer riecht es übel Die Neersener Schlosspark-Gewässer brauchen Wasser

Neersen · Eine Schülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums in Anrath hat sich für den Wettbewerb „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ mit der Qualität der Gewässer im Neersener Schlosspark beschäftigt. Die Stadtverwaltung prüft nun, ob und wie sich ihre Vorschläge umsetzen lassen.

Im Neersener Schlosspark stellte Lena Göller Bürgermeister Christian Pakusch die Ergebnisse ihrer Untersuchungen vor. Seitdem sehe er auf seiner Joggingrunde durch den Park die Gewässer mit anderen Augen.

Im Neersener Schlosspark stellte Lena Göller Bürgermeister Christian Pakusch die Ergebnisse ihrer Untersuchungen vor. Seitdem sehe er auf seiner Joggingrunde durch den Park die Gewässer mit anderen Augen.

Foto: Claus Thome

Wie könnte die Wasserqualität der Gewässer im Neersener Schlosspark nachhaltig verbessert werden? Dieser Frage ist eine Achtklässlerin des Anrather Lise-Meitner-Gymnasiums nachgegangen. Im Rahmen des diesjährigen Regionalwettbewerbs „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ beschäftigte sich die 14-Jährige damit und konnte nicht nur die Jury überzeugen, als die Wettbewerbsergebnisse im Krefelder Seidenweberhaus vorgestellt wurden, sondern auch Willichs Bürgermeister Christian Pakusch (CDU). Gemeinsam mit ihrem Lehrer Claus Thome, der sie bei dem Projekt betreute, stellte Lena dem Bürgermeister im Schlosspark ihre Untersuchungsergebnisse vor. Jetzt prüft die Stadtverwaltung, inwiefern die Vorschläge der Schülerin umsetzbar sind.

Das Rathaus mit seinem Schlosspark sei ein wahres Schmuckstück, meinen Lena und Lehrer Thome. Nicht umsonst sei die malerische Kulisse für die Neersener Schlossfestspiele weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Es sei jedoch bedauerlich, dass das Erscheinungsbild der Gewässer im Schlosspark seit einiger Zeit nicht mehr zur Idylle dieser malerischen Kulisse passe. Im Sommer kommt es auch dazu, dass es am Wasser übel riecht.

Den Ursachen ging Lena über einen Zeitraum von einem Jahr nach, beprobte und untersuchte die Gewässer im Schlosspark und das angrenzende Flüsschen Cloer. Dabei stellte sie fest, dass die Wasserqualität mit zunehmendem Anstieg der Temperaturen zum Sommer hin und im Sommer selbst deutlich schlechter wird, was sich insbesondere an hohen Nährstoffwerten und einem Mangel an Sauerstoff im Gewässer zeigt. Begünstigt wird die Entwicklung durch die geringe Wassermenge und fehlende Wasserbewegung, obwohl es vor der Brücke in der Nähe der Vinhovenschule eine Verbindung zur Cloer gibt, durch die Wasser von der Cloer in den Schlosspark gelangt oder gelangen sollte.

Forschungen bestätigen die Früher- war-es-besser-Situation

Ebenfalls ein Problem: Im Sommer sind die Gräben in weiten Teilen voller Entengrütze, sodass nur wenig Sauerstoff ins Wasser gelangt und auch der Sauerstoffaustausch über die Wasseroberfläche eingeschränkt wird. Nur im hinteren Bereich des Schlossgrabens sieht es besser aus. Dort wurden nach einem großen Fischsterben vor einigen Jahren zwei Umwälzpumpen installiert, die das Wasser ständig in Bewegung halten und so dafür sorgen, dass genügend Sauerstoff ins Wasser gelangt.

Früher war die Situation besser, auch das stellte die Schülerin bei ihren Forschungen fest. Im Rahmen der dezentralen Landesgartenschau Euroga 2002 wurde der Neersener Schlosspark neu gestaltet, die Wassergräben wurden neu angelegt. Anfangs und in den ersten Jahren nach der Neuanlage führten sie deutlich mehr Wasser, stellte Lena fest. Einige Grabenabschnitte von damals, die zum Zeitpunkt der Einrichtung dauerhaft Wasser führten, beispielsweise am westlichen Rand, sind heute gänzlich ausgetrocknet.

Und wie lässt sich nun die Gewässersituation verbessern? Man müsste mehr Wasser in den Schlosspark führen, so das Ergebnis von Lenas Untersuchungen. „Da es schon einen Zufluss aus der Cloer, die immer gut Wasser führt, gibt, würde es sich anbieten, mehr Wasser aus der Cloer in den Schlosspark zu leiten und um gleichzeitig die so wichtige Wasserbewegung zu erhalten, dieses Wasser durch den westlichen Graben im Schlosspark einige Meter weiter stromabwärts wieder zurück in die Cloer zu führen“, lautet ihr Vorschlag.

Da zwischen dem Ende dieses westlichen Grabens und der Cloer nur etwa vier Meter liegen, wäre der hierfür notwendige Aufwand vermutlich überhaupt nicht groß.

Von der akribischen Arbeit der Schülerin zeigte sich Pakusch beim gemeinsamen Rundgang durch den Schlosspark begeistert und versprach ihr, die Umsetzungsmöglichkeiten gemeinsam mit Experten der Stadtverwaltung zu prüfen. Man sei dran, versicherte Pakusch am Montag im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit er mit Lena durch den Schlosspark gegangen sei, sehe er auf seiner Joggingrunde durch den Park die Gewässer mit anderen Augen. Klar sei, dass man etwas tun müsse, „stehende Gewässer sind auch für die Tierwelt problematisch.“ Noch seien die Prüfungen nicht abgeschlossen, so Pakusch.

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