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Nach fast 25 Jahren beginnt Prozess um Toten bei Krefeld

Mord-Prozess : Nach fast 25 Jahren beginnt Prozess um Toten bei Krefeld

Das Landgericht Aachen beschäftigt sich mit einem vor vielen Jahren begangenen Verbrechen. Der brutal getötete Mann war in der Nähe von Krefeld gefunden und lange nicht identifiziert worden.

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem Auffinden eines getöteten Mannes in einem einsamen Wäldchen am Niederrhein nördlich von Krefeld beginnt hat am heutigen Dienstag (09.00 Uhr) der Mordprozess begonnen.

Zum Auftakt wurde die Anklage verlesen. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den 51-jährigen Achim K., im Jahr 1996 einen 43 Jahre alten Mann aus Würselen grausam und aus Habgier in dessen Werkstatt getötet zu haben. Sein damaliger mutmaßlicher Komplize ist mittlerweile tot.

K. ließ die Verlesung der Anklage still über sich ergehen. Zum Auftakt des Prozesses erschien der 51-Jährige in Turnschuhen und Jeans, eine orangefarbene Lesebrille auf den Kopf geschoben. Eine Aussage verweigerte er. Gegebenenfalls werde sich der Angeklagte im späteren Verlauf des Prozesses äußern, erklärte sein Verteidiger.

Der 51-Jährige soll früher gelegentlich in der Werkstatt für Wohnmobile gearbeitet haben, die das spätere Opfer im Erdgeschoss seines Wohnhauses betrieb. Laut Anklage wollten K. und sein potenzieller Mittäter den Mann aus Würselen töten, um an einen Geldbetrag von 5000 Mark zu kommen, den dieser angeblich besessen haben soll.

Insgesamt 16 Mal soll dem Opfer "massiv" auf dem Kopf und Rücken geschlagen worden sein. Ihm seien körperliche Schmerzen zugefügt worden, die "weit über das hinausgehen", was für eine Tötung notwendig gewesen wäre, hieß es in der Anklage. Unter anderem habe der 43-Jährige einen Knocheneinbruch am Kopf von etwa fünf mal fünf Zentimetern erlitten.

Die Identität des mutmaßlichen Täters konnte erst 2019 geklärt werden, nachdem der Fall mit neuen Montagebildern in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" behandelt wurde. Wenig später wurde auch der mutmaßliche Täter festgenommen.

Der Prozess ist zunächst bis Anfang Mai angesetzt. Rund 30 Zeugen sind für die Verhandlung geladen. Allein zum Prozessauftakt sollen zwölf davon aussagen. Mit Spannung erwartet wurde etwa die Aussage des damaligen Ermittlungsleiters der Krefelder Polizei.

Der Tote war am 8. Dezember 1996 in Rheurdt-Schaephuysen nördlich von Krefeld entdeckt worden. Mehr als 20 Jahre war seine Identität ungeklärt, der Fall ein „Cold Case“ geworden. Durch ein von der Kripo überarbeitetes Bild wurde das Opfer als zur Tatzeit 43-jähriger Mann aus dem Raum Aachen identifiziert. Der geschiedene Wohnmobil-Händler war von seiner Familie nicht als vermisst gemeldet worden. Vier Wochen nach Bekanntgabe der Identität wurde der Angeklagte festgenommen.

(dpa/AFP)