1. NRW

NRW: Nach Bangladesch geht es nun für sechs Wochen nach Kenia

NRW : Nach Bangladesch geht es nun für sechs Wochen nach Kenia

. Die rund 200-seitige Fachliteratur der German Doctors betreffend der für Afrika typischen Krankheiten und der Medikamente, die dort einem Arzt zur Verfügung stehen, hat Professor Dr. Winand Lange schon lange gelesen.

Die Online-Schulungen betreffend Naturkatastrophen, Terrorismus und Entführung liegen ebenfalls hinter ihm. Die Malaria-Prophylaxe steht und die benötigten Impfungen sind durch. „Meinem Aufenthalt in Kenia steht nichts mehr im Wege“, sagt der Kempener. Der Hämatologe und Onkologe fliegt am 19. Juni für sechs Wochen in die neu ins Leben gerufene Ambulanz der German Doctors in Bomani im Bezirk Kilifi, circa 30 Kilometer nördlich von Mombasa.

Vor zwei Jahren war Lange für die German Doctors bereits in Bangladesch. Sein erster Einsatz dieser Art, der ihn damals in das Medical Center in Chittagong führte. „Mein Wunsch war es immer zu helfen, um Menschen auch in anderen, nicht so gut entwickelten Ländern den Zugang zur Medizin zu ermöglichen. Im Alltag eines Mediziners sechs Wochen Urlaub zu machen, ist schwierig. Als Vorruheständler geht das eher. „Da muss man nur alles mit der Familie und den anderen ehrenamtlichen Aufgaben koordinieren“, sagt Lange.

Bangladesch zeigte dem Kempener bereits, wie es ist, mit wenigen Hilfsmitteln und Medikamenten kranken Menschen zu helfen. „Man wird vor Aufgaben gestellt, die man primär so nicht erwartet hätte“, sagt Lange. So musste er unter anderem bei einer Schwangeren das Alter des Fötus bestimmen und auch kleine chirurgische Eingriffe leisten. Der Mediziner sieht es dabei als Vorteil an, dass er auch Internist ist. Aufklärung - und das nicht nur bei den Patienten - spielt für die German Doctors eine weitere große Rolle. Kleine Vorträge zu Hygiene oder einfach nur, um Zusammenhänge zwischen bestimmten Verhalten und gesundheitlichen Folgen deutlich zu machen, stellen ein Stück Prävention in den Ländern dar, wo eine medizinische Basisversorgung keine Selbstverständlichkeit ist.

In Kilifi soll der Kempener zudem helfen, den Kontakt zu der benachbarten gemeinnützigen medizinischen Ausbildungsstätte „North Coast Medical Training College“ aufzubauen. Die dortigen Studenten werden in der medizinischen Grundversorgung ausgebildet und gehen danach in den Einsatz. „Man möchte von Seiten der German Doctors eine Kooperation mit der Ausbildungsstätte aufbauen. Schließlich ist das Hilfe, die vor Ort bleibt. Wir als deutsche Ärzte unterstützen ja immer nur auf Zeit“, sagt Lange. Die Ambulanz der German Doctors ist die einzige medizinische Anlaufstätte für die rund 12 000 Menschen der umliegenden elf Dörfer. Übersetzer helfen, die Landessprache Swahili ins Englische zu übersetzen.

 „Wenn ich ankomme, arbeite ich dort drei Wochen lang mit einem Arzt oder einer Ärztin zusammen, die zuvor schon drei Wochen da war. Ich werde quasi drei Wochen eingearbeitet, um dann wiederum in meinen letzten drei Wochen einen Nachfolger einzuarbeiten“, sagt der Mediziner. Somit sind immer zwei deutsche Ärzte vor Ort, die ihr Wissen aus den verschiedensten Fachgebieten mit einbringen und an die ständigen Mitarbeiter vor Ort weitergeben. Für den Kempener ist es der erste Besuch des afrikanischen Kontinents, wenn „man von einem Urlaub in Marokko während meiner Studentenzeit absieht“, so der 64-Jährige. Seinen Aufenthalt in Bangladesch empfand Lange als große Bereicherung. Er ist sich sicher, dass dies für Kenia ebenso zutreffen wird.