Müll eingepackt: Tafeln verzichten auf gespendete Weihnachtsgeschenke

Müll eingepackt : Viele Tafeln verzichten auf gespendete Weihnachtsgeschenke

Zu viel Müll in gespendeten Päckchen sorgt für Frustration bei Hilfsorganisationen. Es gibt aber auch andere Gründe für den Verzicht auf gespendete Weihnachtsgeschenke.

Bochumer Tafelgänger müssen in diesem Jahr ohne Geschenke der Tafel Weihnachten feiern. Mehrere Städte verzichten schon lange auf Geschenke. Sie beschränken sich auf ihr Kernprodukt: die Lebensmittelspende. Offiziell heißt es in Bochum-Wattenscheid, die Aktion könne aus Kapazitätsgründen nicht mehr durchgeführt werden. Doch Manfred Baasner, Chef der Tafel, nennt zwei weitere Gründe: Einerseits fehle einem veränderten Klientel die Wertschätzung, andererseits sei im vergangenen Jahr in einigen Päckchen Müll verpackt worden. „Es waren Lumpen, defektes Spielzeug oder Damenschuhe mit abgebrochenem Absatz drin. Das war ein böser Schock für uns“, sagt Baasner.

Aber auch die Ansprüche der Empfänger hätten sich verändert. Seit drei Jahren gebe es bereits Probleme. „Vorher waren wir wie ein großer Freundeskreis“, sagt Baasner. Doch unter den Zugewanderten seien Menschen, die eine Anspruchshaltung hätten, die nicht tragbar sei. „Manche greifen sich einfach, was sie wollen, und wenn es ihnen nicht gefällt, schmeißen sie es hin und reißen das nächste Paket auf.“ Dieses Verhalten habe sowohl Spender als auch Ehrenamtliche abgeschreckt. „Das war ein schlechtes Weihnachten“, resümiert Baasner. „Diese Leute haben ein anderes Verständnis von Dankbarkeit und Wertschätzung.“ Um ehrliche Spender nicht zu verprellen, stelle die Tafel Lagerräume zur Verfügung, trete als Verteiler aber selbst nicht mehr auf.

Auch die Essener Tafel nimmt keine verpackten Geschenke mehr an. Der logistische Aufwand und der Brandschutz seien nicht mehr leistbar, sagt der Chef Jörg Sartor. „Wir bitten darum, Einkaufsgutscheine zu spenden. Die kommen bei den Kunden sehr gut an.“ Dass bei der Bochumer Tafel Müll abgegeben wurde, findet Sartor merkwürdig. „Die Menschen, die ein Päckchen packen, meinen es erst einmal gut.“ Dennoch kann er ebenfalls von nicht zufriedenstellenden Paketen berichten. „Nichts ist so billig, wie gebrauchtes Kinderspielzeug.“ Eine sichtbar gebrauchte Puppe mache Kinder an Weihnachten trauriger als gar kein Geschenk.

In Wuppertal herrschte „Mord und Totschlag“

In Düsseldorf kennt man das nicht. Rund 3000 Päckchen sammelt die Tafel und gibt sie in geordnetem Verfahren an die Bedürftigen ab. „Hier läuft alles reibungslos. Wir sind oft überrascht, wie liebevoll die Päckchen gepackt sind“, sagt die Vorsitzende Heike Vongehr. Um die Geschenke passend zuzuordnen, sollen sie unverschlossen sein. „Natürlich beschwert sich mal einer. Die Menschen sind sehr befangen in ihrer Not.“

Die Krefelder Tafel beschränkt sich auf Lebensmittelspenden und eine Wunschbaumaktion für Kinder. Vor ein paar Jahren nahmen sie noch gepackte Geschenke an. „Da haben sich die Erfahrungen geähnelt“, berichtet die Vorsitzende Irmgard Hausmanns. Fleckige T-Shirts und Werbegeschenke seien enthalten gewesen. In Wuppertal kennt man zwar keine Geschenke, die der Bezeichnung nicht würdig sind, sehr wohl aber Undankbarkeit bei der Verteilung. „Das war Mord und Totschlag. Eine Frau musste ins Krankenhaus gebracht werden. Seitdem machen wir das nicht mehr“, erklärt Vorstandsmitglied Peter Krampen.

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