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Wenn „Bello“ zu teuer wird

Wenn „Bello“ zu teuer wird

Die Gladbacher Tiertafel kann den Ansturm an Kunden kaum noch bewältigen, und im Tierheim landen immer wieder Tiere aus finanzieller Not.

Mönchengladbach. Des Menschen bester Freund kann bisweilen ganz schön teuer werden — nicht nur bei der Anschaffung. Viele Haustierbesitzer unterschätzen die Kosten, die der tierische Freund mit sich bringt, wie Steuern und Versicherungen, Tierartzkosten und das tägliche Futter. Oder eine plötzliche Entlassung oder Krankheit stellen die Tierfreunde vor finanzielle Probleme. Und wenn in Herrchens Portemonnaie Ebbe herrscht, dann wird es manchmal auch für den Vierbeiner knapp.

Dass das immer häufiger vorkommt, merken besonders die Mitarbeiter der Tiertafel: „Die Leute stehen bei uns Schlange“ sagt Michaele Schommertz, 1. Vorsitzende des Vereins. Als die Tiertafel vor drei Jahren in Hardt öffnete, gab sie Futter an 21 Kunden mit 40 Tieren aus. Heute sind es 150 Kunden mit rund 300 Tieren.

Für das Team ist der Ansturm logistisch und finanziell kaum mehr zu bewältigen, darum wurden die Kunden schon in zwei Gruppen aufgeteilt. So bekommt jeder alle zwei Monate für bis zu drei Tiere eine Futterration für drei bis fünf Tage.

Katzenfutter ist dabei besonders gefragt: „Es gibt eine richtige Katzenschwemme in Mönchengladbach“, so Schommertz. Das Problem sei, dass viele Katzenhalter ihre Tiere nicht kastrieren lassen. Dabei erhalten Bedürftige bei der Tiertafel sogar Gutscheine für die Kastration. Sie kostet so statt rund 100 Euro nur 20-30 Euro.

„Viele wollen, dass ihre Katze zumindest einmal Junge bekommt“, klagt Schommertz. „Die verkaufen sie dann für 20 Euro im Internet.“ Immerhin seien die meisten Kunden sehr tierlieb: „Manche kommen kilometerweit mit dem Rollator oder Fahrrad zu uns.“

Reicht auch die Hilfe der Tiertafel nicht mehr aus, dann müssen sich Haustier und Herrchen im schlimmsten fall voneinander trennen. „Immer wieder können wir beobachten, dass Menschen aus finanziellen Gründen ihre Tiere abgeben“, sagt Oliver Schulze, stellvertretender Leiter des Tierheims Mönchengladbach. Darum frage man auch bei der Vermittlung nach den finanziellen Mitteln der potenziellen neuen Besitzer. „Ein Hund kann schließlich krank werden und das bringt manchmal immense Kosten mit sich“, so Schulze.

Gibt jemand ein Tier ab, weil er es sich nicht mehr leisten kann, ist der Trennungsschmerz meist doppelt so groß, wie in anderen Fällen. „Manche bringen es nicht übers Herz. Es gab schon Leute, die haben ihr Tier nach zwei Tagen wieder abgeholt“, sagt Schulze. Das gelinge allerdings nicht immer, denn wenn Besitzer warten, bis es finanziell wieder etwas besser aussieht, ist das Tier vielleicht schon wieder vermittelt.