Was die Mönchengladbacher Gründerszene noch braucht.

Mönchengladbach. : Mönchengladbachs Gründer brechen auf

Ein Selbstläufer ist die Szene noch nicht.

Die Gründer der Stadt haben sich gut gemacht. In nur drei Jahren haben Akteure wie der Verein NextMG, Co 21 und die Blauschmiede hart daran gearbeitet, den Geist des Gründers nach Mönchengladbach zu holen. Das Programm der kommenden Gründerwoche zeigt, wie viele unterschiedliche Hürden es zu bewältigen gilt, will man mit einer Idee erfolgreich sein. Bevor sich die Szene aber wirklich Szene nennen darf, ist noch einiges zu tun.

Standort

Die Gründerszene in Mönchengladbach ist klein. Zu klein, um aus sich selbst heraus wachsen zu können. Ein Problem, denn dadurch braucht es immer wieder neue Impulse von außen, von Menschen wie Christoph Schlee von Co21 und Mark Nierwetberg von NextMG, die die zarte „Szene-Pflanze“ regelmäßig gießen. „Die Gründerszene muss von freien Initiativen getragen werden. Sie darf nicht inszeniert werden“, mahnt Schlee.

Die Gründerszene in Mönchengladbach ist aber auch klein genug, um familiär zu sein. „Die Wege sind kurz, es gibt immer jemanden, der einen kennt, der helfen kann“, bestätigt Jan Schnettler, Projektmanager der Wirtschaftsförderung. Menschen, die von außen dazu stoßen, fühlten sich nicht als bloße Nummer, erhielten passgenaue Unterstützung. Nierwetberg resümiert: „Sie backen in Berlin zwar den größeren Kuchen. Aber am Ende ist es auch hier ein Kuchen.“

Gründerwoche

Die Veranstaltungen der kommenden Woche zeigen vor allem eins: Mönchengladbach hat überregionale Aufmerksamkeit erregt. Das Programm wurde sogar vom Wirtschaftsministerium auf Bundesebene aufgegriffen. „Die Woche wird eine Leistungsschau der Szene“, sagt Schnettler. Christoph Schlee mahnt, dass die Gründerwoche alle daran erinnere, „dass wir auch im restlichen Jahr etwas tun müssen.“ Einmal Aufmerksamkeit im Jahr reiche nicht. Dass die Gründerszene in Mönchengladbach noch am Anfang steht, zeigt auch das Programm. Die meisten Punkte zielen auf jene ab, die sich frisch mit der Idee des Gründens beschäftigen. „Der Fokus liegt darauf, den Gründergeist zu stärken“, bestätigt Schnettler, verweist aber auf zwei Programmpunkte zum Erlangen von sogenanntem Venture-Capital – Risiko- oder Wagniskapital.

Potenzial

Fragt man Schlee und Nierwetberg, was die Gründerszene braucht, kommen drei Antworten: eine bessere Vernetzung mit der Hochschule, mehr Kooperationen mit dem Mittelstand und „ein Gesicht“. „Lasst uns den jungen Leuten eine Chance geben“, plädiert Nierwetberg. Gerade im Alter von 20 bis 25 Jahren hätten junge Leute noch nicht viel zu verlieren. Die Hürde, sich auf eine gewagte Idee einzulassen, sei dadurch viel geringer. Und ein Scheitern sei überhaupt kein Nachteil. Nierwetberg: „Jemand, der gescheitert ist, hat damit mehr gelernt als in zwei Jahren Business-School.“

Innovationstransfer sei der neue Wirtschaftsfaktor, sagt Nierwetberg. Kleine und mittlere Unternehmen tauschen sich nicht genügend aus. Der richtige Ort seien regelmäßige Meet-Ups, wie der Gründerstammtisch in der Blauschmiede. „Es ist wichtig, immer wieder hinzugehen“, so Nierwetberg, „irgendwann ist was für einen dabei“. Die regelmäßigen Treffen, der Aufbau von Gründerzentren und feste Ansprechpartner seien denn auch der richtige Weg, um der Szene das nötige Gesicht zu verpassen.