Warum in immer mehr Kneipen in Mönchengladbach schließen

Gaststätten in Mönchengladbach : Die Kneipenszene schrumpft

Seit 2007 hat jede achte Gaststätte geschlossen. Viele Wirte finden keinen Nachfolger.

In der „Alten Eiche“ in Rheydt ist der Zapfhahn seit Samstag zu, und zwar dauerhaft. Die Gaststätte ist geschlossen, wie die Besitzerin des Hauses bestätigt. Auf der Facebookseite der Bar, die inzwischen gelöscht ist, hatte der bisherige Pächter sich wortreich von den Gästen verabschiedet. „Altersbedingt wird das Unternehmen nun geschlossen und mir alleine ist es verständlicherweise zu groß dieses finanziell zu stemmen“, schrieb er. Neun Jahre lang sei man für die Gäste da gewesen. „In der heutigen Zeit ist es leider für die Gastronomie sehr schwierig geworden, zu überstehen“, heißt es weiter. Die Besitzerin des Hauses sucht nun über eine Kleinanzeige im Internet einen neuen Mieter. Die „Alte Eiche“ habe zuletzt nur noch zu besonderen Anlässen und Fußballspielen geöffnet gehabt, erklärt die Besitzerin. „Jetzt ist erst mal Pause“, sagt sie.

Damit gibt erneut eine Kneipe in Mönchengladbach auf. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat seit 2007 jede achte Kneipe in der Stadt geschlossen. Ende 2017 zählte Mönchengladbach noch 399 gastronomische Betriebe, wie die Gewerkschaft unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Landesamtes mitteilt. Viele Traditionsbetriebe haben in den vergangenen zehn Jahren geschlossen, einige wurden mit vielen Investitionen zwar von neuen Pächtern wieder eröffnet. Aber unterm Strich bleibt das Minus von rund zwölf Prozent.

Die NGG warnt, dass das Kneipensterben so weitergehen könnte. Mit den Betriebsschließungen stehe nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur auf dem Spiel, so NGG-Geschäftsführer Karim Peters. Es seien auch etliche Arbeitsplätze in Gefahr. „Nachts und am Wochenende hinterm Tresen zu stehen, das wollen viele nicht mehr“, sagt Peters. „Deshalb hat die Branche schon heute mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen.“

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bestätigt die Beobachtungen der Gewerkschaft. „Es sind viele Betriebe weggebrochen, weil keine Nachfolge zustande gekommen ist“, sagt Andreas Graf, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbands. „Oftmals hat die nachfolgende Generation einfach etwas ganz anderes vor. Die jungen Leute wollen nicht mehr rund um die Uhr am Tresen stehen“, sagt Graf. Die NGG ruft deshalb dazu auf, Nachwuchskräften mit besseren Löhnen und Arbeitsbedingungen zu ködern.

Dabei sind die Gründe dafür, dass Wirte aufgeben, oftmals auch wirtschaftliche. Der Kauf einer Gaststätte und der damit oft verbundene Umbau nach den eigenen Vorstellungen ist mit einem erheblichen Investment verbunden.

Wenn die Banken mitspielen, und das tun sie laut Graf nicht oft, dann braucht ein Betrieb auch eine gewisse Frequenz. Das Feierabendbier in der Kneipe gehört für immer mehr Gladbacher aber eben nicht mehr zum Alltag. Die Folgen seien deshalb absehbar: „Wir haben viele Bestandsbetriebe mit sehr betagten Inhabern“, sagt Graf. Rund 150 Mitgliedsbetriebe zählt der Dehoga in Mönchengladbach noch, davon sind rund 98 Prozent inhabergeführt. Wenn sich keine Nachfolger finden, drohe laut Andreas Graf ein weiteres Kneipensterben in
Mönchengladbach.

„Wir müssen darüber reden, wie man Mönchengladbach weiter entwickelt und was man für diese Branche in der Stadt tut“, sagt Graf. Für ihn leiden viele Gastronomen unter einem hohen bürokratischen Aufwand. „Ich habe den Eindruck, dass die Auflagen immer mehr werden. Wenn man aber zu viel am Schreibtisch sitzt und zu wenig am Gast ist, dann gehen die
Leute.“

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