Vor 70 Jahren lag die Stadt in Schutt und Asche

Vor 70 Jahren lag die Stadt in Schutt und Asche

In der Nacht zum 31. August 1943 flogen die Alliierten ihren ersten großen Luftangriff auf Mönchengladbach.

Mönchengladbach. Um drei Uhr nachts wurde die Stadt zum Inferno. Erst heulte der Luftalarm durch Mönchengladbach, dann dröhnten die Motoren der Flugzeuge. Das Flakfeuer ratterte zur Antwort. Schließlich krachten die todbringenden Bomben auf Straßen und Häuser nieder. Drei Jahre nach dem ersten Luftangriff war die Attacke vom 30. auf den 31. August die bis dato heftigste. 413 Menschen starben in dieser Nacht, 36 000 wurden durch den Bombenhagel obdachlos.

Die Alliierten hatten den Angriff minuziös geplant. Gladbach war mit seiner Textil- und Maschinenbauindustrie und als Verkehrsknotenpunkt in den Fokus geraten, Rheydt als Geburtsstadt von Propagandaminister Joseph Goebbels. 660 Flugzeuge wurden aus Südengland in den Einsatz geschickt. Aus vier bis sechs Kilometern Höhe schmissen sie innerhalb einer Stunde rund 3400 Bomben ab.

60 Minuten mit grausamen Folgen für die Stadt und ihre Bewohner: Die Innenstadt von Alt-Gladbach wurde zu 60, die von Rheydt sogar zu 90 Prozent zerstört, darunter auch die Rathäuser Abtei und am Markt. Der Feuerschein, berichteten Augenzeugen, war aus der Luft noch über eine Entfernung von 200 Kilometern sichtbar. Es dauerte mehrere Tage, bis die zahlreichen Feuer gelöscht waren. Den Überlebenden boten sich erschreckende Bilder.

In ihrem Buch „Mönchengladbach und Rheydt 1939-1945“ hat Margrit Sollbach-Papeler Erlebnisberichte festgehalten. Major Walter Steinbauer erlebte den Angriff als Flak-Unterkommandeur. Zeitweise stand er auf einem Beobachtungsturm, als die zweite von drei Angriffswellen hereinbrach. „Der Lärm der Einschläge und des rasenden Sperrfeuers war beängstigend, manchmal wackelte die ganze Gegend wie bei einem Erdbeben. Es ging los wie beim Jüngsten Gericht“, schrieb Steinbauer später auf. Der Osten der Stadt war „ein Flammenmeer“, aus dem Turm des Münsters schlugen hohe Flammen.

Um nicht zu ersticken, musste Karl Cursiefen mit seiner Familie den Luftschutzbunker an der Wilhelmstraße verlassen. Eine Brandbombe hatte das Nachbarhaus getroffen. „Hier war die Hölle los. Wohin man sah, überall nur Flammen. Auf der Straßendecke lagen brennende Balken und der Asphalt brannte. In dieses Inferno mussten wir hinaus“, erinnerte sich Cursiefen an den Moment, als er den Keller verließ. Die Flucht vor den Flammen glückte.

Nach der Rückkehr stellte sich allerdings heraus, dass auch das Haus der Familie bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. An der ganzen Wilhelmstraße war nur ein einziges Haus übriggeblieben.

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