Von Sofa zu Sofa um die Welt

Von Sofa zu Sofa um die Welt

Couch-Surfing ist nicht etwa ein neuer Trendsport, sondern eine Art, auf der ganzen Welt Schlafgelegenheiten zum Übernachten anzubieten.

Mönchengladbach. "In der ersten Etage", schallt es aus dem Treppenhaus runter an den Eingang. Benjamin Klaus steht in der Tür, ganz so als wenn es seine Wohnungstür wäre. Dabei ist er an der Cecilienstraße in Mönchengladbach nur zu Gast. Ein Couch-Gast sozusagen. "Das ist meine Gastgeberin Meike", stellt der 25-Jährige die junge Frau vor, die neben ihm steht und in der Wohngemeinschaft mit vier anderen Studenten wohnt.

Das Besondere: Die beiden haben sich auf der Internetplattform Couch-Surfing kennengelernt. Auf dieser Seite bieten Menschen weltweit kostenlos ihre Couch oder eine andere Schlafgelegenheit zum Übernachten an.

"Ich habe bis vor kurzem noch selbst in Gladbach gewohnt und hier studiert", erklärt Benjamin Klaus. "Und da ich für Abschlussprüfungen noch regelmäßig von Würzburg herkommen muss, benötige ich immer wieder eine Unterkunft." Aber der Student stellt sofort klar: "Dabei geht es nicht nur darum, irgendwo umsonst zu übernachten." Gesellschaft, interessante Bekanntschaften und die Möglichkeit, einen Ort aus Sicht eines Einheimischen kennenzulernen, all das biete Couch-Surfing.

"Ich bin auf diese Weise durch ganz Australien und Neuseeland gereist", erzählt die Gastegeberin Meike Zarth. "Dort sind die Couch-Anbieter beleidigt, wenn man nur zum Übernachten käme ohne Interesse an den Menschen und der Stadt", macht die Kulturpädagogik-Studentin deutlich.

"Eine gute Portion Neugier muss man mitbringen beim Couch-Surfing, sonst macht es keinen Sinn. Und es ist einfach eine einmalige Gelegenheit, Tipps und den Blick von Innen auf eine Stadt zu bekommen oder im Ausland auch mal landestypische Speisen zu probieren, vor denen man sonst zurückschrecken würde", sagt Benjamin, Student für Ernährungswissenschaften.

Angst vor negativen Erfahrungen haben die beiden Couch-Surfer nicht. "Man sieht ja auf der Internetseite das Profil und die Bewertungen von anderen, die dort schon übernachtet haben", erklärt Meike Zarth bedenkenlos und gießt ihrem Gast noch eine Tasse Tee ein.

"Außerdem sind Couch-Surfer ein bestimmter Schlag Mensch: Sie sind meistens offen und gastfreundlich", ergänzt Benjamin. Dabei spricht er aus eigener Erfahrung, denn er hat schon zahlreiche Sofas gesehen. "In Österreich, Belgien, Frankreich, Spanien, Mexiko und Russland bin ich mit Couch-Surfing untergekommen. Und natürlich in Gladbach", fügt er lachend hinzu. Als er selbst noch hier wohnte, hatte er den kuriosesten Couch-Besuch: "Eine Band aus Argentinien kam bei mir unter und ich habe ein ganz privates Wohnzimmer-Konzert bekommen."

Den finanziellen Nutzen können aber auch die beiden nicht von der Hand weisen. "Ich komme eigentlich aus Berlin und als ich in Gladbach anfing zu studieren, bin ich während der Wohnungssuche auch auf einer Couch untergekommen", erinnert sich die 24-jährige Meike.

Damals hatte sie auch Benjamin angeschrieben, aber er war im Lernstress. "Das ist eben auch etwas, worauf man achten sollte: Dass man im Auge behält, was der jeweilige Besuch in der Stadt machen möchte und man dementsprechend Zeit für ihn hat. Damit jeder was von dem Besuch hat", weiß Couchsurf-Profi Benjamin. Und er weiß auch: "Eine Matratze oder ein Bett ist immer die bessere Couch", und zeigt lachend auf die Matratze, die ihm bei Meike als Schlafgelegenheit dient.

Mehr von Westdeutsche Zeitung