Turbulentes Wanlo

Turbulentes Wanlo

Tumulte wegen der Biogas-Anlage.

Mönchengladbach. Von "tumultartigen Szenen" berichten Teilnehmer einer nicht öffentlichen Anhörung von Bürgern mit Bedenken und Einwendungen gegen die in Wanlo geplante Biogas-Anlage. Gleich zu Beginn der Sitzung hätten aufgebrachte Anwohner sich vom Vorsitzenden der mit Politikern des Stadtrats besetzen Anhörungskommission, Horst Peter Vennen (SPD), kaum beruhigen lassen.

Rund 150 Männer und Frauen waren vor Ort. Insgesamt waren bis zum Stichtag 10. September 1020 Einwände eingereicht worden. Als während der Versammlung in der Adolf-Kempken-Halle bekannt wurde, dass alles Gesagte aufgenommen wurde, gab es einen erneuten Tumult. Ruhe kehrte erst wieder ein, als ein Jurist der Stadt versicherte, dass die Aufnahmen nur als Unterstützung der zwei Stenographen gemacht würden.

Karl Dahlmanns, einer der Initiatoren des Bürgerwiderstands, präsentierte in einer Power-Point-Präsentation, was die Menschen aus Wanlo und den umliegenden Dörfern von den Plänen halten.

Auch der Gründer der Bürgerinitiative, Alfred Brücher, der seit 70 Jahren in Wanlo lebt und mit Mitstreitern 1200 Unterschriften gegen die Anlage gesammelt hat, meldete sich zu Wort. Er kritisierte die Anhörung als "Massenveranstaltung". Rund hundert Bürger hatten um Einzelgespräche gebeten. Brücher sprach von "Gefälligkeitsgutachten" und einer "Basta-Politik" bei dem Projekt.

Die Wanloer seien aufgeschlossene "Menschen und keine Nörgler". Aber sie seien bereits sehr belastet durch Braunkohletagebau, Autobahnkreuz, Windpark, Golfplatz, Kompostier- und Wasseraufbereitungs-Anlage. Weitere "Extrembelastungen", so Brücher, stünden mit Garzweiler bevor, die über zwei Generationen anhalten würden.

Mehr Verkehr, Lärm, Gestank werde es durch den Bau und dann die Biogas-Anlage selbst geben. Aussagen, dass zum Beispiel die Anlieferung nur in einer Woche im Jahr laufe, widerspricht Brücher. Die Maisernte dauere drei Wochen, das Abfahren der Gärreste von Februar bis April und die Zufuhr der Gülle 52 Wochen. Die BI plant, "nötigenfalls auf juristischem Weg" vorzugehen.

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