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Studie: Zu viele frustrierte Eltern

Studie: Zu viele frustrierte Eltern

Ein Hochschul-Projekt zeigt: Mehr als jeder zehnte vom Jugendamt betreute Erwachsene ist belastet und damit ein mögliches Risiko für seine Kinder.

Mönchengladbach. Es gibt in Mönchengladbach überdurchschnittlich viele Kinder aus vom Jugendamt betreuten Familien, die ihr Leben zu Hause, in der Schule oder bei ihren sozialen Kontakten als negativ, belastend und schwierig empfinden.

Ähnlich sieht es bei ihren Eltern aus. Viele bringen Erfahrungen der Misshandlung mit, nehmen Drogen, haben psychische Probleme oder ein negatives Selbstbild. In Familien, die Hilfe zur Erziehung erhalten, sind sowohl die Kinder als auch die Eltern psychisch und sozial belasteter als der repräsentative Durchschnitt aller Familien. Das ist das erste Zwischenergebnis einer Studie, die der Stadtrat bei der Hochschule Niederrhein in Auftrag gegeben hat.

Der Anlass für die Untersuchung: Die Kosten für Jugendhilfen sind in Mönchengladbach in den vergangenen Jahren gestiegen und die Fallzahlen im Vergleich zu anderen Kommunen sehr hoch.

Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt mit Kosten von 149 000 Euro läuft seit März 2011. „Wir untersuchen, welche Hilfsmaßnahmen den betroffenen Familien am besten helfen und welche Änderungen sinnvoll sein könnten, um Hilfen effektiver zu gestalten“, sagt Projektleiter Michael Borg-Laug. Der Professor im Fachbereich Sozialwesen informierte jetzt den Jugendhilfeausschuss über den aktuellen Stand der Studie.

Bei 108 Gladbacher Familien wird zurzeit untersucht, wie die Hilfen zur Erziehung wirken. Über einen Zeitraum von viereinhalb Jahren werden von den Beratern per Fragebogen anonym Daten über die betroffenen Familien erhoben. Gefragt wird unter anderem nach dem Lebensgefühl der Töchter und Söhne und der Belastung ihrer Väter und Mütter.

Dabei zeigte sich bis jetzt, dass 38 Prozent der Kinder sich extrem negativ fühlen. Zum Vergleich: Repräsentative Studien unter x-beliebigen Gladbachern zeigten bei nur 0,2 Prozent der Befragten das gleiche Ergebnis. Dasselbe Bild ergibt sich bei den Eltern. Elf Prozent fühlen sich extrem belastet, 0,2 Prozent sind es in Mönchengladbach durchschnittlich. Das Problem: Bei frustrierten Eltern besteht ein erhöhtes Risiko, die eigenen Kinder zu misshandeln.

Weitere Ergebnisse der Studie werden noch ausgewertet. Sie sollen in zukünftige Hilfsmaßnahmen einfließen. 2013 werden erneut 108 andere Familien befragt.